diesem Winter wieder populäre Vorträge über wissenschaftliche und literarische Gegenstände — und zwar nicht etwa wie Gelehrte und Solche, die sich dafür halten, um damit vor der Noblesse und den eleganten Damen zu glänzen, sondern recht eigentlich für das Volk, zunächst für den Handwerkerstand, wie denn diese Vorlesungen auch gewöhnlich in den „MechanicS'-JnstitutionS", d. h. Gewerbfchulen, stattfinden. Dickens hat damit den Anfang gemacht und Sir Edward Bulwer Lytton, sonst ein Mann erclustvster Vornehmheit, wird folgen. Dieser berühmte Novellist ward am 18. Januar als Präsident der „Vereinigten Gesellschaften an der Universität Edinbourgh" feierlich installirt und hielt dabei eine äußerst Phrasen- und blumenreiche JnaugurationSrede.
Der berühmte Violinist Ernst ist hier eingetroffen und wird Anfangs nächster Woche unter Mitwirkung von Fräul. Siona Levy ein Concert veranstalten.
In Petersburg wird, nach englischen Blättern, jeden Abend ein Stück gegeben, welches die „Schlacht von Sinope" betitelt ist. Der Zudrang zu dieser dramatischen Aufführung ist ganz außerordentlich. Der Großfürst-Thronfolger, die Großfürsten Konstantin, Nikolaus und Michael waren bei der ersten Vorstellung anwesend. Die kaiserliche Loge war mit Marineoffizieren und den Kindern von Seeleuten angefüllt, welche sich am Bord der russischen Flotte im schwarzen Meere befinden. Bei der dritten Vorstellung war der Großfürst Nikolaus allein anwesend. Der Kaiser hat den Befehl gegeben, daß jeden Abend 50 Soldaten in die „Schlacht von Synope« geschickt werden. Die Stelle, wo der russische Seeoffizier, der die Hauptrolle spielt, bei der Siegesbotschaft auSruft: „Seht, so züchtigt unser Kaiser die Gottlosen für ihre Treulosigkeit! Dank Lazarew ist unsere junge Flotte die schönste in der Welt!« verfehlt nicht, jedesmal donnernden Applaus hervorzurufen . Die Schlußscene bildet ein Tableau der Rhede von Sebastopol in dem Augenblicke der Ankunft der türkischen Kriegsgefangenen, unter denen der Admiral OSman- Pascha, der auf einer Bahre getragen wird, sich besonders bemerklich macht.
Von Theodor Mundt ist eine „Geschichte der deutschen Stände nach ihrer geschichtlichen Entwickelung und politischen Vertretung" erschienen.
Die Sängerin Christine Diehl wirkt hier im Verlaufe dieses Winters fast in allen Museums- Versammlungen, in allen Concerten und in vielen vornehmen Salons, wo man Feste mit musikalischen Soiree'S verbindet. Ueberall wird ihre prachtvolle, kerngesunde, frische, wohlthuende Stimme bewundert, namentlich im Liedervortrag, der doch sonst für solche voluminöse Contre-Altstimmen nicht eben sehr ergiebig ist. Und gibt das neuen Beweis, daß die Stimme der Frâul. Diehl in seltener Weise durchgebildet ist und eine Lage hat, die sie fast für jedes Genre des Gesanges geeignet macht.
„Der Weltspiegel, Schilderungen aus dem Natur- und Menschenleben", welcher unter Mitwirkung Mehrerer von Friedrich Körner herausgegeben wird , hat soeben sein erstes Bändchen erscheinen lassen. Dasselbe bildet ein besonderes Ganze, welches die Wunder der Winterwelt in einer eben so leicht verständlichen, als anziehenden und dem Geschmack gebildeter Leser entsprechenden Darstellung erzählt und den Herausgeber zum Verfasser hat. In 14 Capiteln, deren jedem wir jedoch zu größerer Uebersichtlichkeit eine besondere charakteristische Neberschrift gewünscht hätten, bietet der Verfasser höchst Interessantes aus dem Winterleben und den Erscheinungen in der Alpen- und Gletscherwelt, aus dem asiatischen Steppenleben, dem wunderreichen Polarleben, den großartigen Schöpfungen der EiSwelt.
Dank der Vorbereitung und der geschickten Anordnung unserer Direktion war für Unterhaltung und Abwechselung auf dem montagigen Theater-MaSkenball reichlich gesorgt. Ein großer MaSkenzug mit Tanz und tat wechselte mit komischen Scenen in bunter Reihe, und so wurde unser zweiter Maskenball ein erster, d. h. ein recht lebhaft besuchter, humoristischer und mannichfaktiger. An schönen Damenkostümen, und was noch besser ist, besonders an schönen Frauen und Mädchen war kein Mangel und die Tanzsreube dauert bis früh am Morgen. Heiterkeit und Frohsinn herrschte in reichster Fülle. Z,