die katholische Bevölkerung zum Widerstande gegen die Anordnungen der Regierung und zur Weigerung der kirchlichen Abgaben an die von der Regierung eingesetzten Beamten auffordert, weil diese die von ihm eigenmächtig ernannten Pfarrer nicht als solch anerkennt. Man glaubt, daß daS Verfahren deS Bischofs den Landeögcsetzen gegenübe bei den jetzt versammelten Kammern zur Sprache kommen und dasselbe dort entschieden Mißbilligung finden wird. In Bezug auf die zweite Kammer läßt sich daS Resulta voraussehen, und wenn auch mehrere Mitglieder der ersten Kammer wie der Graf v. Schönborn sich den ultramontanen Tendenzen htnneigcn, so läßt sich doch erwarten, daß dieselben auch ihres Unterthanen-EideS eingedenk seyn werden.
*** London. In beiden Häusern des Parlaments war die Debatte über die Ant- wvrtèadresse auf die Thronrede weder von langer Dauer noch sehr belebt. Die näheren Erörterungen über die orientalische Frage wurden mit Uebereinstimmung aller Parteien ausgesetzt, bis die auf die letzten Unterhandlungen bezüglichen Documente beiden Häusern vorgellegt seyn würde.
V Paris. Von zuverlässiger Seite vernehmen wir, daß die französische Regierung, in Uebereinstimmung handelnd mit der britischen, ihre Erwiderung auf die russische Note, in welcher Explicationen in Bezug auf das Einlaufen der vereinigten Flotten in das schwarze Meer verlangt worden, dem russischen Gesandten, Hrn. v. Kiffeleff, zustellte.
Es ist aus London eine telegraphische Depesche eingetroffen, welche meldet, daß der russische Gesandte daselbst, Hr. von Brunow, eine abschlägige Antwort' der britischen Regierung auf die Erklärungsforderung Rußlands erhalten und sogleich seine Pässe verlangt habe. Es verbreitet sich so eben die Nachricht, und wir haben Grund, sie für wahr zu halten, daß Hr. von Kiffeleff von seinem Souverän beauftragt worden ist, dem Kaiser der Franzosen die Entscheidung des Kaisers Nicolaus zur Anzeige zu bringen, nach welcher Hr. von Kiffeleff mit dem. ganzen Personal der russischen Legation Paris verlaffen wird.
V Bukarest Wie man hier allgemein erzählt, hätten die Türken bei Turnu an der Aluta ein erneuertes Gefecht mit den Russen zu bestehen gehabt, wobei die Stadt Turnu hart mitgenommen worden seyn soll. Nachrichten aus Braila sagen, daß es bei Matschin fast täglich zu Kämpfen komme. Gestern hörte man außer den Barrieren Bukarests den ganzen Tag über Kanonendonner gegen die Donau hin, wahrscheinlich ist es wieder bei Olte- nrtza oder Giurgewo zu etwas Ernsthaftem gekommen. In letzterer Zeit ist überhaupt Giur gewo öfterer Beunruhigung durch die Geschütze der Strandbatterien Rustschuk's ausgesetzt. Auch das Wasserweihfest am 18. Januar soll durch eine scharfe Salve von jenseits der Donau gestört worden seyn. Hier in Bukarest geht die Werbung griechischer und gräco-slavi- scher Freiwilligen immer fort. Sonntags ist ein Detachement von 300 Mann dieser Volontärs nach einem nahen Gut des Bojaren Joanidi abmarschirt, um daselbst in den Waffen tingeübt zu werden.
*** Petersburg. Die Sendung des Grafen Orloff beschäftigt die politisirenden Kreise lebhaft. Man flüstert sich zu, derselbe habe den Auftrag, Rußland gegen den Westen mittelst der entschiedenen Bundesgenoffenschast Deutschlands zu verbarrikadiren. Wird das gelingen? Das ist die Frage, die zuversichtsvolle Russen mit Ja beantworten. Referent zweifelt daran. Wäre es so sicher, so hätte man gewiß nicht einen besonderen außerordentlichen Gesandten zu diesem Zwecke nach Deutschland geschickt. Seit dem Einlaufen der vereinigten Flotten ins schwarze Meer ist man kleinlauter geworden. Der schönste Theil der russischen Flotte, die besten Schiffe einem Conflicte und vielleicht der Vernichtung preisgegeben — das ist ein Alp, der auf der Brust des russischen Patrioten lastet, man mag sagen, was man will. Selbst die wiederholten Besprechungen der Schlacht bei Sinope, die durch das ausführliche Bülletin des Viceadmirals Nachimoff angeregt worden sind, sind nicht mehr im Stande, die Besorgniffe zu zerstreuen, die man in Betreff der zwei Divisionen im schwarzen Meere hegt.
*** Rom Unter dem schrecklichen Dreizack des Fallbeils starben hier drei Finanz- foldaten der Republik, welche sich an der vor vier Jahren stattgehabten Ermordung von