Intelligenz Blatt
der freien MM Frankfurt.
(ExpeditionS-Tomptoir am hl. GeistpförtchrnM 214!)
M 30. Samstag, dm 4. Februar 1854.
NebeeblLE der GreigMffe im «Gebiete der politischen «nd MaterèeKen Jntereffen.
Wohin wir bei unseren Gebresten Uns im Augenblicke richten sollen? Denke immer nur an die Besten, Sie mögen stecken, wo sie wollen.
Göthe.
Frankfurt, den 4. Februar. Anknüpfend an den Schluß unserer letzten Uebersicht über den Stand der orientalischen Angelegenheit, welche am 29. Dezember in diesen Blättern erschien, theilen wir unseren Lesern zunächst mit, daß am 14. November bei Baindra, südlich von Blerandropol, am 18. bei Azdzur, am 26. bei Achalzik, am 1. Dezbr. auf dem rechten Ufer des Arpa Tschai die Russen auf dem asiatischen Kriegsschauplatz Siege über die Türken erfochten haben, welche aber von wenig Bedeutung gewesen seyn müssen, da nach den letzten Nachrichten die Russen sich innerhalb ihrer Gränzen zurückgezogen und nicht einmal die Veste St. Nikolaus (Schefketil) den Türken wieder abgewonnen haben. Die Mittelpunkte der türkischen Operationen in jenen Gegenden sind die starke Festung Kars, Hauptstadt eines Pascha- liks und der Hafen Batum. Die Sage von der Einnahme der ersteren durch die Russen hat sich als unbegründet herausgestellt und nach Datum ist den Türken die Seeverbin- dung durch den Schutz der vereinigten englisch-französischen Flotte gesichert. Der am Schluffe unseres früheren Artikels vorauggesehene Wiedereintritt Palmerstons ins Ministerium ist schon nach wenigen Tagen eingetroffen und die Hülfe Persiens gegen die Türkei durch englischen Einfluß beseitigt worden. Im Schooße des türkischen Ministerraths dauerten die Kämpfe der Kriegs- und Friedenspartei fort. Am 18. Dezember fand ein Ministerwechsel im Sinne der letzteren statt, aber die Aufregung unter den Sosta'S brachte den Sieg der Kriegspartei mit dem Seraskier (Kriegsminister) an der Spitze am 23., welcher seinen Ausdruck in der den Waffenstillstand ablehnenden Proklamation vom 26. fand. Doch nahm die Pforte am 30. die Wiener Vermitte- lungSnote an und erledigte die Beschwerde Rußlands, welche den Vorwand zu dem ganzen Kriege gegeben, indem sie die von Rußland für seine Glaubensgenossen verlangten Rechte allen Christen ihres Gebietes zusicherte, also den Hattischerif von Gülhane bestätigte, dadurch freilich ein ausschließlich russisches Protectorat ausschloß. Gleichzeitig wurde die stärkere Befestigung der Landseite von Konstantinopel beschlossen. Am 3. Jan. fuhren die Flotten inS schwarze Meer ein; die türkische, theilweise von denen der Westmächte begleitet, brachte KriegSvorräthe und Truppen nach Batum; dann kehrte die erstere nach Konstantinopel zurück, die letzteren lagen am 16. bei Varna. Die zur Anzeige dieses