günstigt werde. Selbst die öffentliche Meinung in England, der schließlich auch das Ministerium daselbst sich zu fügen scheine, ebenso wie die Frankreichs, schöpfe aus dieser Unentschiedenheit Hoffnungen, welche mit dem aufrichtigen Bestreben der deutschen Mächte, die orientalische Frage nicht bis zu einem europäischen Brande gedeihen zu lassen, unvereinbar seyen. Es wird ferner versichert, Graf Orloff solle auf die Gefahren aufmerksam machen, welche die Neutralität für die beiden Mächte selbst herbeiführen könne und auf eine Entscheidung darüber dringen, welche Stellung dieselben bei etwa fortgesetzten Vermittlungsversuchen England und Frankreich gegenüber einzunchmcn gesonnen sind.
*** Von der russisch - polnischen Gränze. Die Gerüchte vom Abmarsche der Garden von Petersburg, findet man gegenwärtig nach den Erklärungen der skandinavischen Staaten weniger glaubhaft, da im Falle eines umfangreicheren Krieges der Norden Rußlands nicht von Truppen völlig entblößt werden dürfte. Dazu kommt auch der Umstand, daß das Corps Paniutin immer noch nicht seine Bewegung nach dem Süden angetreten und das Corps Siewers ebenfalls seine Standquartiere noch nicht verlasten hat. Dagegen sind die Reservebataillone der Militärcoloniecn, so wie die schwere Cavallerie in den südlichen Wilitärcolonicen in Bewegung gesetzt worden. — Die Anwesenheit des Kaisers in Petersburg scheint im gegenwärtigen, gewiß sehr kritischen Augenblicke zu nöthig, als daß man dem Gerüchte von dessen baldigem Eintreffen in Warschau Glauben schenken könnte.
Auch in Odessa wußte man bis zum 20. Jan. nichs von Conflicten. Man schreibt von dort unter diesem Datum, daß die russische Flotte nicht mehr in Sebastopol, sondern theils in andern Häfen der Krim lag, theils längs der Küste kreuzte.
* ** Petersburg. Der General-Adjutant Fürst Woronzow berichtet unterm 28. December, daß an der gurischen Gränze eine türkische Abtheilung, in der Nacht vom 19. auf den 20. December (31. Dec. — 1 Jan.), den Posten bei Kakuti überfiel, jedoch mit großem Verluste zurückgeschlagen wurde. — In der Nacht vom 20. auf den 21., vor Tagesanbruch, griff daselbst eine andere türkische Abtheilung, von 1000 Mann, den von imeretischer und gurischer Miliz besetzten Posten bei der Brücke von Tschechat an. Die tapfern Milizen schlugen die Türken mannhaft zurück, nöthigten sie zur Flucht und verfolgten sie lebhaft. Der Feind verlor hierbei über 80 Mann .an Todten und Verwundeten. — An den übrigen Punkten der türkischen Gränze ist Alles ruhig.
* ** Aus Smyrna wird uns berichtet, daß daselbst am 17. Januar der köuigl. Commodore Schröder von Konstantinopel angelangt war und die Schiffe Sr. Majestät segelfertig vorgesuuden hatte, der Gesundheitszustand der Mannschaften war, wie bisher, ein vollkommen befriedigender. Die Umgegend von Smyrna war in der letzten Zeit wieder vollkommen sicher geworden. Anfälle auf die Christen oder sonstige Ercesse hatten nirgends stattgefunden und auch von Seeräubereien war nichts bekannt geworden.
* ** Bern. Sechs Stunden lang wurde im Stände rath über die Frage gesprochen, ob man in die Berathung des vom Nationalraih angenommenen Hochschul-Gesetzes eintreten wolle; acht Redner haben vorzugsweise vom kantonalen Standpunkt aus den Gegenstand beleuchtet; aber man kam zu keiner Abstimmung; die Discussion wird morgen fortgesetzt. Während im Nationalrath bei der gleichen Verhandlung von 118 Mitgliedern 111 anwesend waren, hatten sich alle 44 Ständeräthe cingefundcn. Der gr. Rath von Zug hatte sich sogar vorige Woche extra versammelt, um an die Stelle eines beurlaubten Ständeraths schnell noch einen Gegner der Hochschule zu wählen. Die aus vier Mitgliedern bestehende Commissionsmehrheit beantragte durch ihren Berichterstatter Kappeler Eintreten, die Minderheit, drei Mitglieder stark, wollte nicht in die Berathung eintreten. Unter den Rednern herrschte eine sehr gereizte Stimmung.
Ein unbestellbares Packet blieb zur Weihnachtszeit auf der Berliner Post liegen. GS ist ohne Signatur, enthält einen alten Rock, Strümpfe, Kuchen und einen Brief mit der Adresse: „An Albert Büttner tn der Fremde".