Vierte Beilage zu M 29. Freitag, dm 3. Februar 1854;
%* Darmstadt. Die hiesige Zeitung widerspricht der Nachricht der „N. P.Z.", als sey am 24. Jan. hier ein Tagesbefehl verkündet worden, wonach bis auf weiteres irgend welche Beurlaubungen von Militärs durchaus nicht ferner gestattet werden dürften. An dieser Nachricht sey kein wahres Wort.
%* Aus Baden Man erfährt nachträglich Näheres über die in geheimer Sitzung geschehene Berathung beider Kammern wegen der Dankadresse; besonders ist cs die Stelle über den Kirchenstreit, welche die Gesinnungen der Mitglieder am besten charakterisirt. In der zweiten Kammer herrschte, mit Ausnahme einer einzigen Stimme hierüber (Kieser), die vollständigste Uebereinstimmung; es war daher weniger eine Debatte, als eine Aufmunterung vorhanden, daß die Regierung von dem betretenen Wege nicht abstehen möge; auch waren es die Umtriebe von außen, welche einem hochstehenden Abgeordneten Anlaß gaben, eine geharnischte Rede im Interesse der Würde unserer Regierung zu halten. Dagegen fand in der ersten Kammer der aus den kirchlichen Conflict sich beziehende Passus und namentlich die Stelle, welche von dem mit der Staatsordnung nicht vereinbarten Vorschreiten deS Erzbischofs handelt, eine sehr heftige Opposition.
London. Lord Russell hofft im Unterhause, daß Oesterreich und Preußen sich an das Verfahren von England und Frankreich anschließen. Die Adresse an s ie Königin erregte keine Debatte. DaS Ministerium erklärte im Unterhause, Prinz Albert habe sich nicht verfassungswidrig in die auswärtige Politik eingemischt.
Die „Times" (ein Morgenblatt) theilen ein Resumö der Thronrede der Königin mit. „Die Königin sagt, daß ihre Hoffnungen, den Frieden wiederherzustellen, bis jetzt gescheitert find, daß fie aber ihre Bemühungen in derselben Richtung fortsetzen wird; sie verlangt aber, um ihren Vorstellungen Gewicht (efiect) zu geben, eine Vermehrung ihres Land- und Seeheeres (her naval and military forces to be strengtened). Sie beschränkt sich bei dieser Erklärung darauf, nur Das anzuführen, was nothwendig ist, um die Unterstützung des Parlaments zu beanspruchen. Im Uebrigen verläßt sie sich, ohne ein Wort beizusügen, auf das Urtheil Europas und auf die erleuchtete Einsicht ihrer Völker. Ohne prahlerisches Gelüste, ohne Begier nach Machtvergrößerung zieht England mit der Allianz der • benachbarten großen Nation gegen den gemeinschaftlichen Feind, und die beiden Nationen sind völlig überzeugt, daß sie, indem sie so handeln, nur einem Kampfe vorgreifen, der, wenn er jetzt verschoben würde, später mit demselben Feinde unter weit weniger vortheilhaften Bedingungen sich entspinnen würde. Die Rede drückt nicht die aufgeregten Leidenschaften des Augenblickes aus; sie rechtfertigt aber die Stellung, welche die Nation mit ruhiger Würde und mit überzeugender Klarheit genommen hat. Wir drohen nicht, aber wir rüsten; wir machen keine großen Worte, wir sind aber vollkommen bereit, durch Unterhandlungen die Worte zu unterstützen, die wir aussprechen." (Es ist wohl kaum nöthig, zu bemerken, daß offenbar nur die erste Phrase dieser Depesche wirklich der Thronrede selbst entlehnt ist, und daß der ganze übrige Theil der Depesche Aeußerungen und Betrachtungen der „Times" enthält.)
*** Madrid. Die Regierung legt jetzt die letzte Hand an wichtige administrative Reformen. Das Decret für Abschaffung der Pässe wurde von der Königin unterzeichnet; eS wird sofort in der osficiellen Zeitung verkündet werden. Diese veröffentlicht den Text der Uebereinkunft zwischen Frankreich und Spanien über den gegenseitigen Schutz des literarischen Eigenthums, deren Ratificationen zwischen den beiden Regierungen jüngst ausgewechselt worden find. General Armero wird Madrid verlassen, um sich nach Leon, dem von der Regierung ihm angewiesenen Aufenthalte, zu begeben.
*** Warschau. Sind die mir gemachten Mittheilungen gegründet (schreibt ein hiesiger Correspondent der „Nat.-Ztg."), so ist Graf Orloff beauftragt, in Wien und Berlin besonders darauf Accent zu legen, daß die Kühnheit der Gegner Rußlands und der revolutionären Propaganda in Europa durch die unentschiedene Haltung der deutschen Mächte be-