Dritte Beilage zu' M 23. Freitag; den 27. Januar 1854.-
Kunst», Literatur- und Lheater-Wvtizsn.
DaS Hofburgtheater in Wien hat das Trauerspiel von Hermann Grimm in Ber- lin: „DemetriuS", angenommen. Dasselbe kommt noch in dieser Saison zur Aufführung. Von Otto Prechtler kommt gleichfalls ein neues Drama zur Aufführung: „Michel Colomb".
Mosenthal'S Drama der „Sonnwendhof" wird wahrscheinlich bald nach Hebbel's „Magellone" im Hofburgtheater zur Aufführung gelangen. Die Leseprobe ist bereits ad- gehalten. Dann folgen gegen Ende des CarnevalS einige kleine Novitäten, worunter „Schuldig" von Hackländer, ein „Erzieher" nach dem Französischen von Bahn, und der „Stiefvater" nach dem Französischen von Grandjean.
Von Dr. Lederer, dem Verfasser der Lustspiele „Geistige Liebe" und „Häusliche Wirren", wird ein neues Lustspiel im Wiener Hofburgtheater zur Aufführung vorbereitet.
Im Friedrich -Wilhelmstädtischen Theater zu Berlin gab man kürzlich ein einaktiges Lustspiel: „Graf ThyrstS" von Feodor Wehl, zum ersten Male, das geschickt und wir- kungSreich gearbeitet seyn soll.
In München ist gegenwärtig daS Modell des Bildhauers Hans Gaffer in Wien zur Wielandstatue für Weimar ausgestellt und erregt die allgemeinste Theilnahme. Allgemein bezeichnet man diese Arbeit als eine ungewöhnliche und bedeutende Erscheinung, in allen Linien von dem Scheitel zur Sohle das klarste Gefühl für Rhythmus und Zusammenhang und die besonnenste Ueberlegung, und doch eine Natürlichkeit und Ungezwungenheit der Darstellung, daß der Mann mit einem zu sprechen scheint. Wieland ist dargestellt im besten ManneSalter, in der Gesellschaftstracht seiner Zeit, erzählend oder vortragend, die Rechte wie zur Erklärung erhoben, die Linke auf ein Corivolut Schriften gestützt, die auf einem abgesägten Baumstamme liegen. Der schalkhafte Dichter, der feine Hofmann, der gemüthliche Freund und Gesellschafter sprechen auS jeder Miene und Bewegung, und die Andeutungen aus dem Walde oder Garten versetzen ihn in'S Freie, in den von ihm so geliebten Landaufenthalt.
„Der alte Fritz und die Jesuiten", Lustspiel von Eduard Boas, ist in Hamburg eine Art Caffenstück geworden; eS wurde daselbst im Laufe von zehn Tagen fünfmal gegeben. — Im Thaliatheater daselbst wird in diesem Augenblicke ein vieractigeS Lustspiel: „Die Gefangenen, oder eine Intrigue am Hofe Ludwigs XV.", von der talentvollen Dichterin Hedwig Henrich in Mainz einstudirt.
Varry, der bekannte Verfasser deS „Treffkönig", hat ein Trauerspiel in drei Acten; „Eine Magd" betitelt, vollendet.
DaS reiche Portal deS Brüsseler Stadthauses im Spitzbogenstyl ist jetzt aus'S Vollständigste in seiner ganzen Bildertracht restaurirt. Die Hauptconsole am ersten Gewölbe- bogen hat man mit einem Standbilde deS Architekten des Stadthauses, Jan van RuyS- bröeck, versehen. Die Bildsäule ist meisterhaft auSgeführt von dem Bildhauer Jacquet.
In der kaiserlichen Bibliothek zu Paris hat man ein kleines Buch gefunden, daS von Maria Stuart herrührt und in welches sie in ihrem elften Jahre (1554) die ihr von dem Lehrer aufgegebenen Arbeiten schrieb. Auf der einen Seite befinden sich die französisch-dictirten Aufgabe», die sie auf der Seite gegenüber in'S Lateinische zu übersetzen hatte. ES sind meist Briefe (29 an ihre spätere große Gegnerin Elisabeth), dann Erzählungen auS dem Leben der großen Männer deS Alterthums und vierzehn Aufgaben über berühmte Frauen der früheren Zeit. Die interessanten Autographen waren bisher völlig unbekannt.
Zum Vortheile deS Herrn Reger sahen wir am 24. d. M. zum ersten Male auf unserer Bühne den „Droschkenkutscher", Charaktergemâde in 6 Acten. Ein französische-'