%* Kartsruhe. Gir entnehmen, sagt die „Neue Preuß. (Kreuz-) Ztg.", der D. Allgem. Zlg. folgenden Artikel, dessen Thatsachen wir nicht kennen und somit ihrer Verantwortung überlassen. Joseph Chowanetz, alias Julian Chownitz, welcher in der letzten Zeit sich in unserer Stadt aufhielt, ist vor einer drohenden Untersuchung entflohen. (Von einigen Seiten wird er als Verfasser der Flugschrift: „Katholiken vaßt auf!" bezeichnet.) J. Chowanetz, ein Jude aus Ungarn, dann zur katholischen Kircye überge- getreten, schrieb von 1842 bis 1845 frivole Romane, welche zu Leipzig und Braunschweig erschienen. Dann siedelte er nach Ulm über, wo sein Roman: „AuS dem Leben eines Abenteurers" 1845 erschien. In demselben Jahre trat er zur deutschkatholischen Kirche über und wurde Stifter und Geschichtschreiber der ersten deutschkatholischen Gemeinde in Schwaben; aber noch in demselben Jahre trat I. Chowanetz zum römischen KaihoiiüS- muS zurück und ließ zu Mainz „Meine Aussöhnung mit der Kirche" erscheinen. Im folgenden Jahre erschien, ebenfalls zu Mainz, ein Buch im österreichischen Sinne: „Oesterreich und seine Gegner." Beim AuSbruch der ungarischen Bewegung schloß er sich derselben an, redigirte zuerst eine Zeitung in Pesth und ließ, von dort flüchtig, 1849 mehrere Brandschriften gegen Oesterreich erscheinen, wovon die Titel zur Charakteristik genügen mögen. „Ungarns Recht zum Einbruch in die österreichischen und russischen Nachbarländer. Darstellung und Aufruf an die Oesterreicher" , und „Ungarns heiliges Recht zum Kampfe gegen Oesterreich und zur Thronentsetzung des Hauses Habsburg-Lothringen." Diesen beiden Schriften von 1849 setzte er 1850 folgende beide entgegen: „Die Lehre vom christlich-katholischen und monarchisch- konstitutionellen Staate als einzige Garantie für Gegenwart und Zukunft" (Aachen) und „Oesterreichs Mission alS katholische Weltmacht und alS europäische Völkermonarchie" (Schaffhausen).
*** London. Die neuesten Berichte aus Newyork theilen mit, daß sich in San Francisco eine Actiengesellschaft mit einem Capitale von 10 Millionen Dollaren gebildet hat, um einen Dampsboöldienst zwischen dieser Stadt und China einzurichten. — Aus Washington wird gemeldet, daß Koßta gleich nach seiner Ankunft daselbst eine Unterredung mit dem Präsidenten der Vereinigten-Staaten und einigen Ministern hatte.—Aus Mexiko wird mitgetheilt, daß in' der Provinz Senora reiche Goldlager entdeckt worden sind. Nach einem noch unverbürgten Gerüchte hätte der Präsident Santa Anna den Entschluß gefaßt, am 12. Dec. den Titel „kaiserliche Majestät" anzunehmen.
%* Paris Die „Patrie" bringt in ihrer jüngsten Nummer das Gerücht, daß die Russen großartige Vorbereitungen zum Uebergange über die Donau träfen. Aus St. Petersburg sollen Befehle ergangen seyn, nach welchen das Operationsheer in der Walachei auf 240,000 Mann gebracht werden würde.
Kriegsgerüchte aller Art durchkreuzten sich. So wollte man wissen, eine abschlägige Antwort des russischen Cabinets bezüglich der neuesten Vergleichsvorschläge der Wiener Con- ferenz sey eingetroffen. Ferner wurde behauptet, es stehe in Frankreich eine Aushebung von 150,000 Mann bevor.
*** Madrid, Eine Deputation von Senatoren und Deputaten der liberalen Partei hatte den Justizminister gebeten, der periodischen Presse einen gewissen Grad von Freiheit rinzuräumen. Der Minister erwiderte, daß das Cabinet nicht eher darüber Beschluß fassen könne, als bis der Ministerpräsident, der seit einigen Tagen sich unpäßlich befindet, wiederhergestellt seyn würde.
V Frankfurt, den 7. Januar. In Paris werden 40,000 Mann von der Dienstklasse des Jahres 1852 zur Ausfüllung der Lücken im Heere einberufen. Sie müssen bis 1856 dienen. Die Aussichten auf Frieden mindern sich von Stunde zu Stunde. Man spricht von einer eventuellen Kriegserklärung des Kaisers von Rußland an England und Frankreich. Doch ist dieß noch Gerücht.