In den letzten Tagen des abgelaufenen Jahres ist im Hamburger Stadttheater ein neues dreiactigeS Drama von Roderich Benedir zur Aufführung gekommen. ES führt den Namen „Paula", beruht auf dem Motiv der corstfchen Blutrache und hat sich den lebendigen Beifall der Hamburger erworben.
Die in Paris so viel Aussehen erregenden „Kosacken" werden jetzt auch in Brüssel ausgeführt. Man hatte wegen der starken russensrefferischen Farbe deS Stückes lange mit der Aufführung gezögert; das allgemeine Verlangen des Publikums und die Aussicht auf volle Häuser haben jedoch endlich die Bedenklichkeiten der Direction besiegt.
Zu den werthvollern und zugleich gemeinnützigen Erscheinungen der Gegenwart gehört Kleines „VolkSkalendcr und Jahrbuch für Israeliten auf daS Jahr 5614 — 1854", mit Beiträgen der bekanntesten israelitischen Gelehrten und Schriftsteller, wie auch mehrerer Christen, als Fr. Rückert, W. O. von Horn u. A. Der Inhalt, theils geschichtlich, theils belletristisch, theils Zeitfragen lehrreich besprechend, verdient allseitige Beachtung und zeigt, wie der Herausgeber in diesem zwölften Jahrgang wiederum bemüht war, die schönsten Kräfte für sein Unternehmen zu gewinnen. Freunden der Tageslitera- tur darf dieser sehr unterhaltende Kalender um so mehr empfohlen werden, als darin Stoffe behandelt werden, die sonst nur selten und sehr vereinzelt vorkommen.
Man schreibt auS Bad Homburg: DaS Concert am vergangenen Mittwoch im Saale des ConversationShauses war ein sehr glänzendes und von der Elite unserer Gesellschaft besucht. Die trefflichen Leistungen der rühmlichst bekannten Altistin Fräulein Christine Diehl, sowie deS Herrn Herger vom Theater zu, Mainz fanden lebhafte Anerkennung. Die Herren Freibier und Burckard, Mitglieder unserer Kurkapelle, unterstützten daS Concert durch ihre schönen Vorträge. Ebenso war Garbe'S Kapelle wie immer ausgezeichnet.
Unser Landsmann, der beliebte k. preußische Hosschauspieler Hendrichs, hat für nächsten Winter eine Einladung zu Gastrollen an das kaiserliche Hoftheater zu Petersburg erhalten.
In Kreisen, die sich für das Theater besonders interesstren, ist man auf daS neueste Werk des Dichters der „Deborah" (S. H.Mosenrhal), „der Sonnenwendhof", Original- VolkSdrama in 5 Acten, ganz ausnehmend gespannt.
In einer englischen Novelle: „Charles Äuchester", die kürzlich in London erschienen ist, spielt als „Seraphael" Mendelssohn-Bartholdy die Hauptrolle; auch Hector Berlioz und Jenny Lind kommen darin vor.
Am zweiten Weihnachtsseiertage öffneten sich wieder die Pforten des Münchener Hostheaterö, nachdem dieselben behufs einer Restauration und der Einführung der Gasbeleuchtung geschloffen waren. DaS colossale Theater hat sich in einen Prachtbau verwandelt. Der herrliche Plafond deS Auditoriums ist ein Meisterstück deS Malers Schwarzmann und der Münchener Dekorationsmalerei. Der prachtvolle Lüstre aus Zink, der in Berlin gegossen und in München vergoldet wurde, bringt mit feinen 400 Gasflammen die edlen architektonischen Verhältnisse deS riesigen Hauffs erst zur völligen Erscheinung. Roth, weiß und gold sind die Gründliche deS Ganzen. In rother Sammthülle prangen die Möbelgarnituren von den Fauteils deS Parquets bis zu den Bänken der Gallerie; mit purpurnen Arabesken auf blasserem Grunde sind die Logenwände überzogen. Die Ornamente auf dem weißen Grunde der fünf Logenreihen sind golden; an dem zweiten Range strahlt noch in azurnen Medaillons der NamenSzugS des Königs; weiß mit goldenen Sternen befâet ist auch die Gardine, welche in den Zwischenacten Herabgelaffen wird; prächtig, ernst und erhebend ist aber der Eindruck des Ganzen. Zur Eröffnung wurde „Faust" gegeben.
Die in der Nicolaischen Buchhandlung in Berlin erscheinende Kaulbach'sche ShakeSpeare-Gallerie, woran renommirte Kupferstecher arbeiten, wird in ihrem ersten Heft enthalten: Macbeth und die Heren, ausgeführt von Eichens; daS ergreifende