Zweite Beilage zu M 5» Freitag? dm 6. Januar 1854:
Demonstrationen fleißig besucht, sondern sehr häufig benützen unsere hiesigen und selbst benachbarte Aerzte aller Altersstufen die schöne, wohleingerrchtete Anstalt zu eigenen Untersuchungen und Betrachtung der ausgestellten Präparate. Diese Anstalt hat nun kürzlich eine wesentliche Erweiterung erfahren, indem daS Anatomiegebäude theils durch Anbau, theils durch Ausbau fünf neue Zimmer erhalten hat, so daß für Arbeiten und Präparate nun genügender Platz mit gutem Licht gewonnen ist; auch ist der runde Hsrfaal heizbar gemacht worden. Eine Vergrößerung war schon lange wünschenswert!,, ist aber hauptsächlich dadurch unbedingt nothwendig geworden, daß Herr Dr. Sömmering die theils von ihm selbst, theils von feinem fel. Schwiegervater, dem verdienten Karl Wenzel, und von dessen Bruder mit großem Fleiß zusammengebrachte und sorgfältig erhaltene, höchst werthvolle anatomische Sammlung dem medizinischen Institute zum Geschenk gemacht hat.
Der große Schneefall hat auch auf den Schub tran Sport der Polizei Einfluß gehabt, indem die in der Neujahrsnacht eingefangenen zahlreichen Schüblinge wegen der verschneiten Wege nicht fortgebracht werden konnten und so bis jetzt hier gefüttert werden müssen.
Gestern Abend fiel ein Schlitten am Fürsteneck um. Die darin Sitzenden kamen jedoch mit leichten Verwundungen davon.
Im nahen Offenbach ist eine Landstreicherin aus hessischem Gebiete verhaftet worden, die eine unbekannte Sprache spricht, die kein Mensch versteht. Man schickte einen österreichischen Soldaten nach Offenbach, ab-r sie spricht nicht böhmisch; man sprach russisch, polnisch, englisch, italienisch, französisch mit ihr, aber sie versteht keine dieser Sprachen; sogar ein Zigeuner versuchte sein Glück, sie spricht auch nicht zigeunerisch. Die hiesige Polizei, der sie zugeschickt worden, kennt sie ebenso wenig, als die Behörden 10 Stunden im Umkreis. Es muß entweder eine große Verstellungskunst bei der sonst einfach aussehenden Person vorwalten, oder es ist ein ungelöstes Räthsel. Sie näht und strickt sehr schön und beträgt sich ruhig und anständig im Gefängnisse.
Gestern wäre fast ein armes Bäckermädchen, das um 5 Uhr Morgens an den Finkenhof hinaus mußte, im Schnee erfroren. Wimmernd lag dasselbe, vor Kälte und Müdigkeit erschöpft, an der Erde, als zufällig ein Mann das Fenster öffnete, durch dessen Wimmern aufmerksam gemacht wurde und eS in die warme Stube zog. Möchte doch die auswärts so gebräuchliche und auch hier von mehreren Bäckern bereits eingeführte Art, das Brod mit Wägelchen zu tranSporriren, Nachahmung finden! □
KtmA-, Literatur» rmd Ehester -Mytèzen.
Im Hofburgtheater zu Wien wird am 12. Januar ein neues Drama von Hebbel gegeben: „Magellona«.
Julius Mosen, der seit Jahren in Oldenburg krank an Körper darniederliegt, doch frisch an Geist, hat seinen „Herzog Bernhard« umgearbeitet.
L. Feldmann hat soeben ein breiartiges Lustspiel an die Bühnen versendet, welches den Titel führt: „Immer zu vorschnell«.
„Eine fire Idee« ist der Name eines dreiactigen Original-Lustspiel, welches Herr M. A. Grandjean vollendet hat.
Auber ist jetzt mit einer neuen Oper beschäftigt, zu der, wie gewöhnlich, Scribe daS Libretto verfertigt hat. Dieß soll, wie er sagt, sein Schwanengesang seyn. Bevor er aber daS jüngste Kind seiner Laune zum Vorschein bringt, ist er mit einer Umschaffung einer früheren Oper, dem „Cheval de Bronze“, beschäftigt, die auf die Akademie Jmpe/ riale gebracht werden soll.