Vierte Beilage zu M 3. Mittwoch, ioen 4, Januar 1854:
Ludwig Storch, der Innige Dichter und Sänger Thüringens, hat seine gesammelten Gedichte (Leipzig bei Keil) erscheinen lassen. Sie erregen in literarischen Kreisen einige» Aufsehen, weil'man kaum ahnte, daß der Dichter einen so reichen Liederschatz noch in seinem Pulte habe; man stellt sie den bessern poetischen Schöpfungen neuerer Zeit zur Seite. Der Dichter selbst, an einem hartnäckigen rheumatischen Uebel leidend und deS Gehörs beraubt, lebt zurückgezogen in Waltershausen, am Fuße des Tbüringer WaldèS.
Bon Ludwig August Frankl'S „HippokratcS, oder die moderne Medicin" hat der zweite Theil: „die Eharlatane", wie 'dèe Wiener Zeitung berichtet, soeben die Presse »erlassen.
Wilhelm AlcriS wird, wie eS heißt, zu Anfang deS Sommers seinen Wohnsitz in Berlin aufgeben und sich ganz nach Darmstadt zurückziehen, wo er sich seit längerer Zeit für den Sommerausenthalt eingerichtet hat.
Nachdem das Berliner Hoftheater kürzlich die Feier ZOOmaliger Aufführung deS „Don Juan" zu begeben hatte, ruckt eS jetzt einer gleichen Feier für Webers „Freischütz- nahe. Im Berliner Schauspiele hat die nächste Anwartschaft auf die 300ste Aufführung „die Jungfrau von Orleans". Nicht lobend, aber als für die Geschmacksrichtung der Zeit charakteristisch wollen wir es erwähnen, daß während Mozarts „Don Juan" nach 63 Jahren seine 300malige Aufführung in Berlin erreichte, ein zwei Jahre alteS Ballet „Satanella" bereits bk SOmalige Aufführung erreicht hat. Z.
Meneste MachrichèsR»
*** Wien. Einer telegraphischen Nachricht aus Konstantinopel vom 19. Der. zufolge haben die Türken das russische Gebiet in Asien gänzlich geräumt. Der englische Gesandte Lord Redcliffe soll die Unterhandlungen mit Aussicht auf guten Etfolg betreiben.
Bom Kriegsschauplätze sind keine weiteren Nachrichten eingelaufen. Der große Schneefall und die Stürme haben die Communèkationen erschwert, an vielen Orten gänzlich gehemmt, und dürften auch auf die kriegerischen Unternehmungen an der untern Donau von keinem fördernden Einflüsse gewesen seyn. '
Die „Oesterr. Corresp." berichtet: „Bom Kriegsschauplätze in Asien vernimmt mar; daß russisches Gebiet gänzlich von türkischen Truppen geräumt war, und daß die russischen Truppen sich Kars nähern. Die Anwerbung von Freiwilligen ist von türkischer Seite in Asien eingestellt worden."
Der Divan hat die Ermächtigung zum Friedensschluß ertheilt, wozu Halil Pascha besonders thätig war.
Der badische Gesandte am Berliner Hofe Baron v. Meysenbug hatte bereits eine Conferenz mit dem Grasen Buol-Schauenstein. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß der ba» dische Kirchenstreit Hauptgegenstand dieser Besprechung gewesen ist. Auch vernimmt man, daß^von hier aus eine Note in jener Angelegenheit nach Rom abgegangen und es soll dem päpstlichen Stuhle der freundschaftliche Rath gegeben worden seyn, in der beabsichtigten Allo» cution deS kirchlichen Conflictes in Baden in keiner die gegenseitige Berständrgung er» schwelenden Skife zu erwähnen.
%* Berlin. Die Bestätigung der Nachricht von dem in Polen ergangenen Ausfuhrverbot ist schneller erfolgt, als wir nach der Notiz der „Preußischen Corresp." voraussetzen durften. Schon unterm 26. Dec. schreibt man der „Schles. 3." aus Warschau: „Ein Erlaß des Berwaltungsraths macht bekannt, daß in Rücksicht auf die hohen Preise der Lebensmittel die Ausfuhr von Roggen, Gerste, Hafer, Erbsen, Mehl jeder Gattung, Grütze