Fünfte Beilage zu M 1. Sonntag, den 1. Januar 1854.
land ist namentlich wegen der Vorgänge in Persien sehr gegen Rußland eingenommen. Von sonst gutunterrichteter Seite erfahren wir als zuverlässig, daß Kaiser Nikolaus mit vorläufiger Ausnahme der Garden den Befehl zur Mobilmachung sämmtlicher russischer Armeecorps ertheilt habe.
Nach zuverlässigen Nachrichten macht sich in neuester Zeit zwischen Sardinien und der Schweiz ein besonders intimer politischer Verkehr geltend, dem auch die französische Diplomatie nicht ganz fremd zu seyn scheint.
Der von dem Reichsverweser zur Zeit der deutschen Nationalversammlung als Marinerath angestellte Dr. W. Jordan hat, wie wir vernehmen, jetzt begründete Aussicht, in dem österreichischen Staatsdienst ein Placement zu erhalten.
Unterm 17. December hat der Finanzminister an die Regierungen eine Verfügung er« lassen, in welcher sie auf die mit dem 1. Januar ins Leben tretende Vereinigung des dermalen bestehenden Steuervereins mit den Staaten des Zollvereins zu einem Gesammt- Zollverein aufmerksam gemacht werden. Zugleich wird in der Verfügung mitgetheilt, daß Bier beim Uebergange aus den Steuervereins-Staaten in Preußen einer Abgabe von 7^2 Sgr. für den Gentner und der Branntwein beim Eingänge auS Preußen in Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe, so wie beim Eingänge aus diesen Staaten in Preußen einer Abgabe von 6 Rthlr. für die Ohm bei 50 pCt. Alkohol nach Tralles unterworfen werden wird. Mit Traubenmost und Wein so wie mit Tabak findet ein gegenseitig freier Verkehr statt. Außerdem ist in Ansehung der zum Regierungsbezirke Minden gehörigen Ge- bictètheile und Ortschaften, welche bisher dem Steuervereine angeschloffen waren, so wie in Ansehung der vom Zollverbande ausgeschloffenen Glasfabrik Gernheim bestimmt, daß dieselben mit dem 1. Januar unter sich und mit den übrigen Theilen des preußischen Staatsgebiets in völlig freien Verkehr treten.
Seitens der k. Bezirksregicrungen sind die Handelskammern aufgefordert worden, sich darüber zu äußern, welche Jndustriegegenstände vornehmlich in der nächstjährigen Industrieausstellung zu München zu vertreten seyn möchten. Dieselben Körperschaften sollen auch Gc- werbtrcibende für die Ausstellungs-Commissionen vorschlagen.
Ueber die Angelegenheit des belgischen Vertrages erfährt man, daß eine Prolongation des je^t bestehenden Verhältnisses noch nicht zu Stande gekommen ist. Belgischer Seits soll mit Eifer in dem neuesten Stadium der Verhandlungen eine Verlängerung, wenn auch nur für kurze Zeit, erstrebt worden seyn.
*** Königsberg. Die erste Abtheilung des königl. Kreisgerichts zu Löbau erläßt [unterm 20. December d. J. einen Steckbrief hinter dem Gutsbesitzer v. Puttkammer-Klef- , synski aus Trzyn, der der Theilnahme an hochverrätherischen Unternehmungen dringend ver« dächtig ist. Der rc. v. Puttkammer war einer der Haupttbeilnehmer der letzten polnischen Jnsurrection und namentlich des auf Preuß. Stargardt beabsichtigten Handstreichs.
*** Leipzig. Die mit dem 1. Januar 1854 eintretenden neuen Zollerleichterungen zwischen Oesterreich und den Zollverein sollen, wie es heißt, bereits jetzt günstige Aussichten für Leipzig als Meßplatz bieten, insofern nämlich, als eine nicht unbedeutende Anzahl österreichischer Industrieller ihren Besuch für die gegenwärtige Neujahrmeffe angekündigt haben. Die Meßbuden auf dem Marktplatze sollen dadurch so sehr in Anspruch genommen seyn, daß nicht alle Anforderungen zu befriedigen gewesen. Andererseits ist ebenfalls auch Aussicht, daß die Angehörigen des dem Zollverein beigetretenen ehemaligen Steuervereins in größerem Umfange als bisher an dem hiesigen Meßverkehr Theil nehmen werden.
%* Weimar Der Protest des Herzogs Bernhard gegen die im Jahre 1848 geschehene Ueberlaffung der Domänen an den Staat soll zugleich die Zusicherung aussprechen, daß es diesemAgnaten selbst nur um die Aufrechthaltung des Eigenthumsrechts an jenen Domänen zu thun, daß [er aber auch seinerseits die Nothwendigkeit anerkenne, daß in Betreff