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M 297 Donnerstag den 16 December 18M
Ueberbliâ der GreiZviffr im Gebiete der politische« Md matmelleN Zutercheu.
Hravk^rrt, 16. December. In dem ganzen Verkehr deS westlichen Asiens und des östlichen Afrikas begegnen wir immer nur, und zwar auf allen Plätzen und Rheden in dem ganzen Bereiche des indischen Meere-, mit alleiniger Ausnahme Ostindiens, nur französischen und englischen Importen; mit keiner Sylbe wird der deutschen Waaren gedacht und kein deutsches Schiff wirft in Maskat oder Aden, in BaSrah oder im Hafen von Perim seine Anker aus, um zu löschen oder zu laden, oder Proviant einzunehmen, oder auch nur Einige von den Hunderttausenden, die Jahr aus Jahr ein diePilger- straßen nach Metta und Medina betreten, über das Persische oder Rothe Meer zu führen. Sogar Oesterreich, dessen Häfen am adriatischen Meere vorzugsweise die Bestimmung haben, in
der Levante und in den HandelSgebieten Asiens und Afrikas, die wir in der vorstehenden Uebersicht nannten, ihre Thätig, keit zu entfalten. unterhält nur in zwei oder drei Plätzen bedeutungslose Konsularbeamte und von seiner Rhederei ist keine Planke in den Gewässern des persischen oder rochen Meeres zu erblicken; sogar der österreichische Lloyd hat eS vorgezogen, sich auS StaatRnitteln unterstützen zu lassen, statt durch die Meerenge von Gibraltar zu geben und in Concurrenz mit den französischen und englischen Rhedereigesellschaften zu treten, oder nur mit den italienischen und egyptischen Compagnien zu rivalistren. Für Deutschland liegen die Dinge anders, als für Oesterreich. DaS letztere ist seinem ganzen Character nach ein Binnenstaat, ein Binnenland, wâS nur und allein, bei der unpraktikabeln Entwickelung der Dalmatinischen Küste und dem tiefen Bildungsstande der Bevölkerung in Dalmatten, in Triest einen Ausgang zur See besitzt; es ist daher ganz entschieden auf daS Mittelmeer und auf die Benutzung der Vortheile gewiesen, welche der Suezkanal in Aussicht stellt. Deutschland dagegen hat eine Küstenentwickelung von Memel bis Emden an der Ost- und Nordsee mit einer langen Reihe von
Ost- und Nordsee mit einer langen Reihe von tnb Seehandelsstädten Memel, PMan, Königs-
großen Häfen und
berg, Elbing, Danzig, Swinemünde, Stolpemünde, Colberg, Wolgast, Stralsund, Stettin u. s. w. bis zu dem Dollart. Alle seine Handelsströme führen bis in die Ost- und Nordsee und weisen dem auswärtigen Verkehre die Richtung an, in welcher er sich zu bewegen hat. Der deutsche Handel ist seinem ganzen Character nach, ein atlantischer und Amerika und Australien mit allen zwischenliegenden Ländern und Inseln sind die Zielpunkte, wohin der deutsche Verkehr von Natur
stet bleiben wird. Nichtsdestoweniger
Umschwünge begleitet sein wird, mit strengster Aufmerksamkeit und Prüfung zu verfolgen. „Mit Recht," so lautete neuerlich eine Auslassung über den Kanal, „dringen die Sachkundigen darauf, daß Deutschland dm bevorstehenden Umschwung des Hand.:lsweges zeitig begreifen lerne und sich darauf einrichte, in Benutzung des neuen WegeS einen Vorsprung vor Oesterreich und Frankreich zu gewinnen" — vor Frankreich leider ist kein Vorsprung mehr möglich, weil daffelbe unS längst voraus ist und in seinen Mittelmeerhäfèn die reichsten Anstalten besitzt, die Deutschland nie erreichen wird. „Unsere Beziehungen zu Italien bieten uns die Möglichkeit, sobald nur Deutschland durch die Gotthardt-Bahn erst mit Italien direkt verbunden ist. Die * Herstellung dieser Bahn ist daher ein dringendes Bedürfniß ie für Deutschland. Sie muß womöglich beschleunigt werden. - Inzwischen aber ist es nöthig, daß Deutschland dre Dampf- i schifffahrt kräftiger entwickle und sich durch Erwerbung von . Grund und Boden auf dem neuen Handelswege festsetze. Auf der arabischen Seite des Rothen Meeres ist die Aussicht hierfür eine jetzt noch sehr günstige. Eine Handelscolonie daselbst gegründet, würde nicht blos als Statjon für den Welthandel vortheilhaft sein, sondern auch einen direkten Verkehr mit Arabien einleiten, daS keincsw-gs unproduktiv ist. Bon dorther sind mit Bonheil zu beziehen: Kaffee, Gummi, Straußfedern, Pferde, Datteln, Perlen, Schwefel, Edelsteine, Wech« rguch, Tabak, Aloe u. s. w. Mit nicht minderem Vortheil lassen sich dort von unseren Erzeugnissen verwerthen: Werkzeuge, Messer, Feilen, Kattun, Glocken, Stahl-und Eisendraht, Nürnberger Spielzeuge, Spiegel, Holzwaaren, Hornwaaren, Glaswaaren, Porzellan, wie Waffen aller Art. Eine Handelsniederlassung auf geeignetem Punkte, die zugleich die Sorge übernimmt für gute Kohlenstationen auf dem neuen HandelL- wege, wie für Versorgung der Dampfschiffe mit allen nöthigen Reisebedürfnissen, würde uns den Schaden ersetzen, welchen wir zuverlässig an der Nordsee-Schifffahrt erleiden werden, und den Vortheil bieten, im Wetteifer mit den anderen Nationen das Neue richtig gewürdigt und ergriffen zu haben." Natürlich sind zur Durchführung solcher Pläne die Kräfte eines einzelnen Handelshauses zu schwach. Auch wenn der günstige Erfolg mehrere Handelshäuser zur Ausbeute treibt, wirkt Concurrenz und Handelsneid öfter störend als fördernd ein. Hier ist es nöthig, daß sich in der Kaufmannswelt Deutschlands eine Handelsgesellschaft zu Dem Zwecke bilde, die mit reichen Mitteln ausgestattèt, die Vortheile schnell ergreifen und die Gunst der Zeit auSnützrn kann, ehe Andere ihr zuvor- kommen. ^ --- ^^ -■’ ■'" — ‘ " '"" - —
nächst Venedig
M* Auge
hat Deutschland die wirthschaftliche Pflicht, die neue Richtung, fassen. Ankauf, Miethe und Bau von Dampfschiffen, Her- welche für die Länder des Mittelmeeres von einem merkbaren stellung von Kohlenmagazinen und Waarenlagern auf der neuen