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(Expedition: am H. Geistpförtcheu, SchlachthauSgasse 21.)
M 287 Samstag derr 4. December 1869,
UeberbliS der Ereignisse im Gebiete der politischer! Md materiellen Interessen.
Frankfurt, 4. December. (HinterladungS-Ar- meegewehrein Europa.) Von den mehreren Hunderten von Systemen für Hinterladung bei Kriegsgewehren, welche theils nur Projecte blieben, theils aber auch in mehr oder weniger ausgedehntem Maße erprobt wurden, sind die nachbezeichneten bet den verschiedenen Staaten Europas gegenwärtig eingeführt und und wird an deren Beischaffung überall mit großem Eifer gearbeitet: In Frankreich das System Chassepot für Neu-Erzeugungen und Snider für die Umgestaltung einer kleinen Anzahl der alten Percussionsgewehre. Da die Chafsepot-Pchnerpatrone sehr wenig befriedigte, wurden schon seit einiger Zeit Versuche wegen Anwendung der Metallpatrone bei dem genannten Gewehre vorgenommen, welche einem günstigen Abschlusse nahe sind. — Zn England das System Snider für Umgestaltung, Henri-Martiny für Neu- Erzeugung. Letzteres System wird von den Engländern als das non plus ultra aller Hinterladungsgewehre bezeichnet, ist aber erst im Jahre 1869 zu Stande gekommen. — Rußland hat nach langem Schwanken das System Kruka für Trans- formirungen angenommen, außerdem hat es in Amerika 80,000 Stück Berdangewehre bestellt, welche theils schon eingelangt, theils noch auf dem Wege sind. Nach dem System Karlè besitzt Rußland ungefähr 50,000 tranèformirte Gewehre; es wurde jedoch deren Erzeugung aus dem Grunde eingestellt, weil dieselben durchaus nicht befriedigten. — In Schweden und Dänemark das System Remington mit der österreichischen Laufconstruction im Principe. — In Norwegen sind die Versuche noch im Zuge; der einheitlichen Bewaffnung wegen hat aber daS in Schweden schon adoptirte Remington-Gewehr viele Aussicht zur Annahme. — Italien: System Pelitti, ähnlich Chassepot, für Umgestaltung. Bezüglich neuer Gewehre wurde noch keine Entscheidung getroffen. Unter den concurrirenden Systemen befinden sich auch .100 Stück Werndl- Gewehre, und hat dieses Gewehr viel Chancen für die Annahme. — In der Schweiz für Umgestaltung Milbank-Amsler, für Neu-Erzeugung das Vetterli-Repetirgewehr; letzteres wurde erst nach langem und heftigem Kampfe im Bundesrathe, wo sich eine starke Partei zu Gunsten des Betterli- Einladers gebildet hatte, angenommen. Die Schweiz hat außerdem noch 10,000 Stück Peabody-Gewehre. — In der Türkei, Systen Snider für die Umgestaltung. — In Belgien System Albim für Transformirungen und Neu-Erzmgung. — In Spanien System Remington. — Norddeutscher Bund Zündnadel, doch dauern die Versuche mit anderen Systemen fort. —In Bayern für Umgestaltung das System Lindner PodewilS mit separater
Kapsel-Aufsetzung, daS schlechteste aller bekannten Hinder- ladungS-Systeme; für neue Gewehre System Werder. — In Holland, System Snider für Umgestaltung. — Montenegro soll 2000 Kruka-Gewehre von Rußland erhalten haben. — Kirchenstaat: System Chassepot. — In Oesterreich für Umgestaltung der alten Infanterie-und Extracorps-Gewehre, dann Jägerftutzen das System Wänzl; für die neuen Jnfanterie- und Jägergewehre, Cavallerie-Carabiner und Pistolen, das System Werndl.
MMS der MSHe.
* Offenbach, 30. November. Nächsten Sonntag den ). December wird die neue evangelische Kirche (Kapelle) in dem nahegelegenen Bieber eingeweiht. Die Weihrede wird Prälat Zimmermann von Darmstadt halten. Die Einführung eines evangelischen Gottesdienstes an der Grenze des fast katholischen RodaaueS wäre wohl sobald nicht möglich gewesen, wenn nicht die Gustav-Adolf-Stiftung sich in's Mittel gelegt; denn wenngleich für Orgel und Glocken erhebliche Summen von der Sache freundlichen Händen bestimmt waren und eine Sammlung in unserer Stadt für den Bau der Kirche 1500 fl. ergeben hatte, so blieb immer noch eine bedeutende Capitalschuld, für d-ren Zinsendeckuna die genannte Stiftung aufkommt. Wie wir vernehmen, hat die Predigerstelle an der neuen Kirche der cand. theol. Theodor Walther, Lehrer an der hiesigen Realschule übernommen.
* Darmstadt, 28. November. Die Bank für Süddeutschland hat die definitive Concession der Großherzogl. Regierung erhalten, das Maximum ihrer Notenausgaben von dem seitherigen zweifachen, auf den dreifachen Betrag des eingezahlten ActiencapitalS zu erhöhen.
* Darmstadt, 30. November. Laut kreisamtlicher Bekanntmachung ist es von heute ab wieder gestattet, Hunde ohne Maulkorb frei herumlaufen zu lasten.
* Darmstadt, 30. November. Der Finanzaccessist Zimmer aus Lich ist zum Districtseinnehmer derDistricts- Einnkhmerei Ortenberg ernannt worden.
* Darmstadt, 30. November. Wie die Mümmling, so sind auch die übrigen Bäche desOdenwaldes in Folge von Schnee und Regen stark angeschwollen. Die Eisenbahnarbeiten in unmittelbarer Nähe der Gersprenz mußten unterbrochen werden. Auch der Rhein ist, nach hier eingetroffenen Nachrichten, gestern bedeutend gestiegen. Der Main ist im Laufe der einen Nacht von Sonntag auf Montag um 4 Fuß gestiegen.