Intelligenz Blatt der MM Frankfurt a. M., drrLtmdm mit dm Ur-»«kf«rte« MsHrichtO« «IB Extrabeilage.
(Expedition: am h. Geistpsörtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
H77 Dienstag den 23. November 1869
Alß Jordanus Brunus Nolanus Philosophiae Naturalis Studiosu8 gepetten, daß man Jme Vergünstigen wölle etlich Wochenlang allhie in Johann Wechsels Buchtruckerhauß sein Vffenthalt Zu haben: Soll mann Jme sein pitt abschlagen Vnd sagen, daß er sein Pfenning anderstwo verzerr." Die Schlußwendung dieses Rathsbescheides kommt nicht selten auch bei ähnlichen Ausweisungen dahier vor. Hierauf gedachte Ebenderselbe weiter zweier geschichtlichen Vorgänge, welche sich in der hiesigen Salvatorèkirche zugetragen haben: es ist dieß zuvörderst der von ihm schon in seinen „Dombildern" berührte Ausbruch von Wahnsinn bei Karl dem Dicken, welcher Vorgang vor Kurzem auch in der Beilage zum „Frankfurter Anzeiger" ganz gründlich behandelt worden sei, sodann der zu Weihnachten des Jahres 941 in derselben Kirche stattgehabten Aussöhnung Otto's des Großen mit seinem aufrührerischen, der Haft entflohenen Bruder Heinrich, einem tüchtigen und tapferen Manne, welcher hier wiederholt Verzeihung erhielt und von nun au seinem kaiserlichen Bruder mit unwandelbarer Treue ergeben : blieb. Es wurde dabei auf ein neueres Gedicht von einem : nur zu vermuthenden Verfasser hingewiesen, was diesen Vor- : gang in die Kirche von Quedlinburg verlegt und zur Lösung i des Zweifels über den Ort des Vorganges auf die Quellen : zurückgegangen, unter welchen die Nonne Hroswitha in ihrem : Gedichte über die Thaten Otto's I. die „königliche Stadt", ; der Fortsetzer der Chronik des Regino geradezu Frankfurt, andere Quellen gar keinen bestimmten Ort nennen. Zum Beweise, welch tiefen Eindruck dieser Vorgang zwischen den beiden > Brüdern im Volke gemacht habe, wurde weiter ein Gedicht in halb lateinischen, halb deutschen Versen vorgetragen, das jenen ; Vorgang zum Gegenstände hat und schon durch seine Sprach- । mengerei den volksthümlichen Character ausprägt, welchen die ; Sache selbst angenommen hatte. Es wurde dabei hervorge- ; hoben, daß das nächst dem Ludwigsliede älteste volkSthümliche : Lied dieser Art sonach einen Vorgang verewige, der sich in । Frankfurt zngetragen habe. Schließlich wies Herr Dr. Scharff - noch auf ein in den dreißiger Jahren auf Veranlassung patriotischer Bürger dahier von A. Rethel gemaltes Bild hin, welches > eine Versöhnungsscene zwischen Otto und Heinrich darstellt und nunmehr im Römer ausbewahrt wird. (Fr. Z.)
UeberbW der Ereignisse im Gebiete der politischen nnd matenellen Zutereffen.
KrmrZfurt, 23. November. (Aus dem historischen Verein in Frankfurt.) Die om 9. November abgehaltene Sitzung des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde eröffnete der Vorsitzende, Herr Dr. Euler, mit einer Mittheilung über die eben obschwebende Frage der 1 Gründung eines Museums für Kunst und Alterthum vorerst durch Vereinigung der an verschiedenen Orten dahier aufbe- i wahrten Alterthümer und Kunstgegenstände in einem Locale, 1 indem er zugleich das lebhafte Interesse des Vereins bei dieser; Frage selbstverständlich voraussetzte und dessen Bereitwilligkeit zur Förderung eines von allen Freunden der Kunst und des Alterthums längstgehegten Wunsches, sowie die Hoffnung aussprach, daß dabei auch die Sammlung des Vereins weitere Verwerthung finden möchte. Nachdem hieraus Hr. Senator von Oven noch über den augenblicklichen amtlichen Stand dieser Frage Auskunft gegeben und Herr Professor Dr. Becker darauf hingewiesen hatte, daß durch das Zustandekommen der Sache auch die Aussicht eröffnet werde, einzelne Sammlungen von Privatbesitzern für die Stadt erhalten zu sehen, sprach die Versammlung allseitig ihre lebhafteste Zustimmung dahin aus, daß sie die alsbaldige Vereinigung der dahier zerstreuten Gegenstände der Kunst und des Alterthums zur Begründung eines bezüglichen Museums, im Interesse sowohl der Alterthums- und Kunststudien, als Frankfurts, seiner Vergangenheit und Gegenwart für höchst wünschenswerth erachte und nach Kräften mitzufördern bereit sei. Möge es demnach auch aus diesem Gebiete zu einer Concentration kommen, deren Bedürfniß auf wissenschaftlichem Gebiete jetzt dahier überall so tief empfunden wird. Wir sind überzeugt, daß auch das Städel'sche Institut und das Senckenbergische Museum die in ihren Sammlungen bewahrten Gegenstände antiquarisch-ethnographischen Charakters einem solchen Museum für Kunst und Alterthum nicht vorenthalten würden. — Nach Erledigung dieses Gegenstandes erinnerte Herr Professor Dr. Creizenach an den Aufenthalt der berühmten Philosophen Giordona Bruno ln Frankfurt, welcher angeblich gegen Ende des 16. Jahrhunderts einige Zeit als Corrector in der Johann Wechsel- fch-n Buchdruckerei thätig gewesen sein sollte. Zur Feststellung des wahren Sachverhalts theilte der Vortragende jedoch nachstehenden Bescheid mit, welchen er in den hiesigen Rathsprotokollen aufgefunden hatte; es wird durch diesen urkund- uchen Nachweis ein interessantes Datum aus dem Leben des berühmten Denkers zweifellos festgestellt. Der er- wahute Eintrag in dem Rathsprotokolle lautet nämlich folgendermaßen: „Donnerstags den 2. Juli 1590.
«AS der NkSH-.
* Wallerstädten, 19. November. Es dürfte für manche Leser dieser Blätter von Interesse sein, auch aus dem Orte Wallerstädten bei Groß-Gerau eine Notiz über das Erdbeben zu finden, zumal dasselbe hier von recht Übeln Folgen begleitet gewesen ist. Man hat bisher noch jeden Tag, und namentlich während der Nachtzeit, 6-8 Stöße von größerer oder