Intelligenz-Blatt
der MM Frsnksm! S. M,
verbrrnben mit dm Fra«kf«rte8 Rachrichten als Extrabeilage«
(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 267
Donnerstag den 11. November
1869.
Ueberbliâ der Ereignisse im Gebiete der politischen vnd materiellen Interessen.
Frankfurt, 11. November. (Peabody.) Die Bereinigten Staaten und England haben einen ihrer besten Bürger ver-
loren: George Peabody ist am Abend des 4. d. in seiner: Wohnung zu London am Eaton Square gestorben. Er war i 74 Jahre alt. Seine Familie stammte von einem der alten ' Pügerväter ab, welche in der ersten Hälfte des 17. Jahr-, hunderts die neu-englischen Ansiedelungen gründeten und stärk-: ten. Geboren zu Danvers im Staate Massachusetts, begann I George Peabody im Alter von elf Jahren seine kaufmännische1 Laufbahn in einem Spezereigeschäfte, trat aber vier Jahre später als Handlungsgehülfe bei seinem älteren Bruder in Newbury Port ein. Er war 17 Jahre alt, als er bei dem Ausbruche des Krieges mit England in ein Freiwilligen-Regi- ment eintrat und 1812 bei Fort Warburton mitkämpfte. Nach hergestelltem Frieden gründete er mit einem Herrn Rigg ein Handlungshaus in Baltimore, welches sich bald nach Philadelphia und Newyork verzweigte. Im Jahre 1830 übernahm er das Geschäft auf alleinige Rechnung und siedelte 1837 nach London über, wo er ein großes Bankhaus gründete. Die Londoner Firma George Peabody u. Co. in Warnford-Court stand zwar an Größe und Ausdehnung einem oder zweien anderen Häusern der City nach, keinem jedoch an gutem Ruf und Vertrauen. Ihr vornehmstes Gebiet waren Geld- und Börsengeschäfte mit Amerika; 1848 sprach ihm die Legislatur von Maryland ihren besonderen Dank aus, weil er durch seine Manziellen Unterhandlungen den größten Theil an der Wiederherstellung des Credits jenes Staates hatte. Bet der ersten großen Ausstellung in London trug er die ganzen Nffbn für die Ordnung und Ausstattung der amerikanischen Füllung; ein Jahr später entschuldigte er sich, zu oem hundertjährigen Gründungsfeste seiner Geburtsstadt
8 eingeladen, mit einem Briefe, der 20,000 _für Erziehungszwecke enthielt — noch Gaben folgten in späterer Zeit, im Ganzen 500,000 » deren Ergebniß in Danvers das Peabodytnstitut Mst zur selben Zeit spendete er große Beiträge zu M Expedltwn, welche Kane zur Aufsuchung Franklin's aus- ; und unter den Entdeckungen Kane's verzeichnen unsere - ?, a auch ein Peabodyland. Nach zwanzigjähriger Abwesen- hnfi fachte er seiner überseeischen Heimath einen Besuch; und â dieser nicht vergessen wird, dafür sorgt das literarisch- Institut in Baltimore, welches er mit nnn.f” Ellars gründete. In Amerika hat er, um dieß hier Eriken, f^"dem noch über zwei Millionen Dollars für die «rzieyung von Negerkindern ausgesetzt. Die That, welche den
Namen Peabody zuerst in England ruhmreich über das ganze Land hin trug, war im Jahre 1864 ein Geschenk von 25,000 Lstr., welches zur Erbauung gesunder und heimischer Arbeiterwohnungen in verschiedenen Vierteln der Hauptstadt bestimmt war. Dieser Handlung „fürstlicher Freigebigkeit", wie die Königin sie in einem eigenhändigen Schreiben an den Geber nannte, folgte im vorigen Jahre noch eine Gabe von 100,000 Lstr. zu gleichem Zwecke. Die letzten Jahre verbrachte er hauptsächlich in Amerika, wo er der Harvarduniversität 150,000 D. zur Gründung eines archäologischen und ethnologischen Museums überwies. Im Jahre 1867 sprach ihm der Congreß der Vereinigten Staaten seinen Dank aus; in England wurde ihm vergolten durch das Ehrenbürgerrecht, welches viele Städte ihm verliehen und durch eine Bildsäule, die ihm in der City errichtet worden ist. Vor wenigen Wochen kehrte der Fürst der Wohlthäter aus Amerika nach London zurück; eine Krankheit streckte ihn aus's Todtenbett. Sein Andenken wird nicht erlöschen.
Nrr» der Rkuhe.
* O ffenbach, 8. November. Bor wenigen Tagen ist der Reisende einer Portefeuillefabrik aus und davon gegangen, nachdem er zwei hiesige Geschäftshäuser mittels falscher Wechsel, das eine um 1900 st, das andere um 200 fl., betrogen hatte. Beide Wechsel waren auf ein Frankfurter Haus gezogen, aber nicht acceptirt, und als sie einige Tage nach dem in blindem Glauben erfolgten Ankauf zum Accept vorgezeigt wurden, ergab sich ihre Werthlosigkeit. Der Flüchtling ist als Reisender mit Legitimationspapieren versehen und bis heute sein Aufenthalt noch nicht ermittelt.
* Darmstadt, 5. November. Die Generalversammlung der Biehversicherungsanstalt für das Großherzogthum Hessen wird am 15. d. M., Vormittags 10 Uhr, im Saale des „Hotel Drexel" in Frankfurt stattfinden. Da die theilweiseMer- änderung der Statuten beabsichtigt und es wünschenswerth ist, die Ansichten einer größeren Anzahl der Betheiligten Oberhessens kennen zu lernen, so hofft man auf eine lebhafte Theilnahme.
* Mainz, 7. November. Vorgestern erlag längeren körperlichen Leiden Dr. PH. H. Külb, früher Stadtbibliotyekar und städtischer Historiograph. Wenn auch gerade kein Gelehrter ersten Ranges, ist er doch in größeren Kreisen durch feine Mitarbeiterschaft an mehreren bedeutenden Encyclopädien und einigen kleineren geschichtlichen Werken vortheilhast bekannt. — Eine sehr bedeutende Anzahl Industrieller in Deutschland wird 1 die heute hier eingetroffene Nachricht von dem in Karlsruhe i erfolgten Ableben des Hrn. Fr. Sonntag, des aus beschränkten