der MM Frankfurt a. M^
verbunden mit dm Krankfnrte» Akschrkchte» als Extrabeilage
(Expedition: am H. Geistpsörtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 265
Dienstag dm 9. November
1869
Ueberblick der EreiMiffe im Gebiete der politischen and matmellen Jutereffeu.
Frankfurt, 9. November. (Die Kriegs Häfen deS Norddeutschen Bundes.) Die natürliche Beschaffenheit der langgestreckten, meist flachen und sandigen norddeutschen Küstenstriche weist darauf hin, für die Kriegsmarine nicht allein Häfen anzulegen, sondern sich an minder wichtigen Stellen mit der weniger kostspieligen Einrichtung von Marine- stationen und Marinedepots zu begnügen. Es sind dies Anlagen, welche den Zweck haben, den Kriegsschiffen einen unter allen Witterungsverhältnissen sicheren, durch Batterien gedeckten Ankerplatz zu gewähren, sie in den Stand zu fetzen, kleine Reparaturen auszuführen und die Vorräthe an Proviant, Munition und Kohlen zu ergänzen. Die eigentlichen KriegS- Häfen bedürfen auch von der Landseite der strategischen Deckung und müssen deshalb nicht nur für temporären Schutz und leichtere Ausbesserungen der Kriegsschiffe genügen, sondern auch vollständige Reparaturen zulassen, sowie alle für den Neubau nöthigen Einrichtungen enthalten. Erforderlich sind außerdem hinreichende Wassertiefe, Raum zur Aufnahme der Flotte, also ein großer Binnenhafen, der durch einen Kanal mit der See verbunden und um welchen sich die Magazine mit Borräthen aller Art für Ausrüstung der Flotte, die Werkstätten, die Docks und die Werften gruppiren. Die Sicherheit gegen einen Angriff oder ein Bombardement des Feindes von der Seeseite wird durch Anlage von Strandbatterten und Forts, durch große Entfernung des Hafens von der See und große Länge des verbindenden Hafenkanals erreicht. Um den Hafen von der Landseite, sei es gegen Bombardement, sei es gegen einen überraschenden Angriff, geschützt zu wissen, muß ein KreiS detachirter FortS und eine Umschließung des ganzen HafenS mit Wall und Graben angelegt sein. Die Kriegshäfen sind unentbehrlich für die rasche Ausrüstung der Flotte, sie bilden den Ausgangspunkt aller Operationen, und nur sie sind Punkte, auf welche sich die Flotte in Sicherheit zurück- Lkhen kaum Ihre Größe und Gestalt richtet sich nach der Zahl und Größe der Schiffe, welche sie aufzunehmen bestimmt sind, wobei namentlich die Dimensionen der Panzerfregatten der Neuzeit bedeutend ins Gewicht fallen; so faßt das Hafen- vassin des Jadebusens z. B. allein 20 Panzerschiffe von der ^be deS „König Wilhelm", während der Berbindungskanal des Bassins und der Borhafen Raum für kleine Schiffe gewährt. , Werbung des Jahdebusens datirt aus dem Jahre 1854, IL = ^6”1 Jahre Preußen mit Oldenburg einen Vertrag ab-
K.b'duach an Preußen die Benützung des JahdebusenS ms KnegShafen überlassen und zur Anlage von Marine-Eta- vlifiements ein Territorium an der westlichen Seite bei HeppenS,
so wie ein kleineres am östlichen Ufer bei Eckwarte abgetreten wurde. Nach Ueberwindung mannichfaltiger und erheblicher Schwierigkeiten hinsichtlich der Herbeischaffung des Baumaterials in Betreff der ungünstigen Bodenverhältnisse und des Kampfes gegen die Meeresfluth ist das Werk so weit gefördert, daß am Ende des nächsten Jahres der Vollendung des Hauptkriegs- hafenS der norddeutschen Kriegsflotte entgegengesehen werden darf und derselbe als Stützpunkt der norddeutschen Kriegsmarine deren Schiffe aufzunehmen vermag. Der ganze Bau besteht aus der Einfahrt, dem Vorhafen, dem Verbindüngs- kanal und dem inneren Hafen. Der Hafen von Geestemünde, welcher im Jahre 1862 vollendet worden, hatte in commer- cieller Beziehung durch die schnelle Entwicklung Bremerhafens eine nur geringe Bedeutung. Für die kleineren Kriegsschiffe ist aber jetzt ein vortrefflicher Stationsort, da der Jahdebusen noch nicht vollendet und der erstere eine große Anzahl von Docks, Schiffbau-Etablissements und ein Marinedepot besitzt, welche für die Reparaturen und sonstigen Bedürfnisse die nöthigen Mittel gewähren. Immerhin reicht das Hauptbassin, an welches sich noch zwei Seitenhäfen schließen, aus, eine nicht unbeträchtliche Zahl von Schiffen aufzunehmen. Der Haupt- kriegS und Constructionshafen für die Ostsee ist Kiel, doch wird noch einige Zeit vergehen, bis er in allen seinen Theilen vollendet ist. Die Vorzüge dieses Hafens bestehen hauptsächlich in der Geräumigkeit der Kieler Föhrde, welche in dieser Hinsicht alle anderen deutschen Häfen übertrifft und Flotten jeder Größe aufzunehmen gestattet. Die Kieler Föhrde ist nämlich eine weit in das Land hineinreichende Bucht, etwa 2 Meilen lang, bei einer Breite, die zwischen einigen Tausend Schritten und einer halben Stunde variirt. Ferner sind als Vorzüge des Kieler Hafens hervorzuheben: eine gleichmäßige Tiefe und vollständige Sicherheit gegen alle Stürme. Friedrichsort und StrandfortS schließen den Hafen, dessen Eingang bei Friedrichsort nur 1250 Schritt beträgt. Der Festung gegenüber liegen auf den am meisten vorspringenden Landspitzen die Forts Moellenort und Laboe; neue Werke sind noch im Entstehen begriffen. DaS linke Ufer wird nicht minder stark befestigt durch die Erweiterung und Verstärkung von Friedrichsort und ein seewärts gelegenes starkes Fort, welches 1864 begonnen und an welchem noch gearbeitet wird. Danzig, bisher von allen anderen preußischen Häfen der am günstigsten situirte, ist insofern von historischem Interesse, als sich dort die preußische Marine entwickelt hat. Wenn auch die geringe Wassertiefe in der Weichsel dem Einlaufen größerer Schiffe Schwierigkeiten enlgegenstellt, so können doch kleinere Schiffe stets bis zur Werst gelangen. Deshalb wird auch Danzig, bis jetzt die einzige preußische Werft, vorläufig Con- struclionShafm für kleinere Kriegsschiffe bleiben. Zum Schluffe