Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M, verbunden mit den Kraukfttrte» Nachrichten als Extrabeilage.
—— —-—
(Expedition: am ^ Getstpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 263 Samstag dm 6, November 1869.
Allgemeinen nimmt man daS Doppelte an), so wird man begreifen, daS der Halbmesser deS Kreises, innerhalb dessen die Erschütterung fühlbar ist, mindestens 24—30 Meilen lang sein muß. Die Erschütterungen der letzten Tage aber erstrecken sich nur über einen Kreis von circa 8 Meilen Halbmesser, indem Wiesbaden ungefähr den Mittelpunkt bildet, während Gießen an der nördlichen und Mannheim an der südlichen Peripherie liegt. Wir können es demnach hier nur mit Brüchen innerhalb der Erdkruste selbst zu thun haben, 2 höchstens 3 Meilen unter deren Oberfläche. Daß aber solche Erdstürze gerade hier häufig vorkommen müssen, liegt auf der Hand. Die vielen Mineralquellen des TaunuS saugen die Gesteine stark aus und eS entstehen so nach und nach große Höhlen. Von der Decke dieser Höhlen lösen sich dann von Zeit zu Zeit Stücke los, und dies dringt die Vibrationen der oberen Schichten hervor, wie wir sie hier verspürten. Hat die Adlätterung einmal begonnen, so dauert sie so lange bis wieder solide, wenig ausgelaugte Felsmassen das Dach der Höhlen bilden, daher die Wiederholung der «Stöße während mehrerer Tage. Daß aber derartige Vibrationen keine bedeutenden sein können, ist klar, höchstens wird hier und da ein schlecht fundamentirter oder gemauerter Schornstein cinstürzen. Je nach der Beschaffenheit der obersten Schichten ist die Erderschütterung stärker oder schwächer fühlbar, so war sie in Groß-Gerau, weil dies auf reinem Sandboden steht, scheinbar stärker als in Frankfurt.
Ueberblir! der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Urankfurt, 6. November. (Erdbeben.) Die Erder» schütterungeu, die unS die letzten Tage brachten, haben bei Bielen Schrecken verbreitet Die Verwüstungen, welche daS Erdbeben einst in Lissabon, Mexiko und anderen Orten hervorrief, mochten als Sckreckbilder vor ihnen stehen, aber mit Unrecht! denn unsere Erschütterungen haben nichts mit jenen großartigen, vulkanischen (resp. platonischen) Erscheinungen zu thun. Man könnte sie im Gegensatz zu jenen neptunische nennen und liegt eS glücklicherweise nicht im Bereiche der Möglichkeit, daß diese die Großartigkeit jener erreichen. — Legen wir unS nun die Frage vor, was eigentlich ein vulkanisches Erdbeben ist, so werden wir in der Beantwortung derselben den Beweis finden, daß die jetzigen Erderschütterungen nicht dazu gehören. Die Erde besteht auS einem feuerflüssigen Kern und einer festen Rinde, und die Erdbeben entstehen nun, indem in Folge irgend einer Ursache plötzliche Gasentwickelungen zwischen beiden statlfinden, wodurch die Erdkruste gehoben wird. Die Gasentwickelung aber rührt in der Regel aher, daß große Wasserquantitäten (auS dem Meer) durch Risse plötzlich in die Tiefe gelangen, wo sie dann rasch in Dampf verwandelt werden, oder, waS am allergewöhnlichsten ist, daher, daß sich in Folge Geringerwerdens des Druckes auS der feuerflüssigen Masse selbst Wasserdämpfe entwickeln. Diese Masse, daS sogenannte Pyriphlegeton, enthält nämlich Wasser chemisch gebunden, jedoch nur ganz lose, so daß es beim Nachlassen des Druckes gasförmig entweicht. Ein Nachlassen des Druckes kann aber entstehen 1) durch Zurücktreten des Pyriphlegeton'S (meist Wirkung anderer Weltkörp.r), 2) durch Bildung von Riffen, welche Wasser nach innen treten
k ' so daß eine Abkühlung entsteht, oder endlich 3) durch «iloung von hohlen Räumen in den untersten Schichten der Erdkruste. Der plötzlich frei werdende Wasserdampf treibt Kern und Schale auseinander, letztere in die Höhe schnellend, während das Pyriphlegeton in Schwingungen geräth, welche sich wellenförmig verbreiten, und auch auf die feste Kruste übertragen werden. — Die Bedingungen zur Entstehung derartiger Erdbeben finden sich ganz besonders in vulkanischen Gegenden, wo die Erdkruste stark zerklüftet, ja mitunter ganz perforirt ist. Hier ist nicht nur der Zutritt des Wassers nach Innen leicht möglich, sondern auch die lokale Abnahme der Spannung in der Berührungsfläche von Kern und Kruste. In unseren Gegenden sind derartige Ereignisse zwar nicht unmöglich, aber höchst unwahrscheinlich. Wir sagten also, daß die Erdbeben Hebungen der ganzen Kruste sind, bedenkt man aber, daß diese wenigstens 8 Meilen stark ist, (im
«N» der Nähe.
* Hochheim, 30. October. Seit gestern ist hier allgemeine Traubenlese; nur die Forensen warten noch bis zum nächsten Montag.
* Mainz, 2. November. In der Nacht von Samstag auf Sonntag starb dahier in hohem Alter der Domcapitular und Geistliche Rath, Dr. Markus Adam Nickel.
* WormS, 1. Nov. Da das Rechnungswesen deSLuther- denkmal-Vereins nun seinem Abschlusse nahe ist, so begab sich gestern, am Tage deS Reformationsfestes, eine Deputation, bestehend auS dem Präsidenten, dem Vicepräsidenten und einem Comitemitgliede, im Namen und Auftrage des Ausschusses und Gesammt-Comite'S, in die Wohnung des Vereinsrechners, Herrn Kaufmann C. Mayer dahier, um demselben für seine uneigennützige und verdienstvolle Thätigkeit, mit welcher er dreizehn Jahre lang auS Liebe zur Sache die übernommenen mühevollen Arbeiten besorgte, den Dank und die Anerkennung deS Vereins auszusprechen und ihm zugleich alS äußeres Erinnerungszeichen an die in gemeinsamem Streben verlebte Zeit ein Ehrengeschenk, bestehend in einer prachtvollen Pendule und zwei Candelabern, nebst einem von dem Aus-