ZutelltgevzBIatt
der MM FrankfM a. M^
Verbund« mit dm Frankfurter Nachrichten als ExtrabeUage.
(Expedition: am H. Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
M 257
Samstag dm 30. October
1869;
die Durchführung der großen Aufgaben Preußens auch die finanzielle Kriegsbereitschaft für alle Fälle zu sichern, trat Freiherr von der Heydt wiederum voll Muth und Hingebung in die Regierung ein und beseitigte durch seine Zuversicht und Energie bald alle Zweifel und Bedenken in Bezug aus unsere finanzielle Le stungsfähigkeit. Für die Leitung unserer Politik war es von der größten Wichtigkeit, daß sie mit voller Beruhigung und Sicherheit in jeder Beziehung vorgehen konnte. ES durfte dem muthigen Minister zur Genugthung gereichen, daß beim AuSaange des gewaltigen und folgenreichen Kampfes die Finanzen Preußens sich in günstigster Lage und in der alt begründeten Ordnung befanden. Wenn inzwischen durch die Ungunst ätßercr Verhältnisse augenblickliche Schwierigkeiten entstanden sind, deren Lösung noch bevorsteht, so darf der Minister doch auS seiner Wirksamkeit mit der Ueberzeugung scheiden, daß die soliden Grundlagen unserer Finanzverwaltung unerschüttert sind. Das Verdienst aber, das sich der Freiherr von der Heydt in einer großen und denkwürdigen Zeit um das Vaterland erworben hat, ist von feinem Königlichen Herrn stets in ehrendster Weise anerkannt worden und sichert ihm in weiten patriotischen Kreisen dauernde Dankbarkeit.
UeberHid der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 30. October. Der bisherige Finanzminister Freiherr von der Heydt hat bei Sr. Majestät dem Könige (eine Entlassung erbeten, welche ihm am 26. d. M. durch folgende Allerhöchste Ordre ertheilt worden ist: Auf Ihren bestimmt und wiederholentlich ausgesprochenen Wunsch will Ich Sie von der Leitung des Finanz-Ministeriums entbinden, unter Belassung deS Titels und Ranges eines Staats- Ministers. Ich werde nie vergessen, mit welcher Hingebung Sie in schwerer Zeit Ihre Kraft wieder dem Staate gewidmet und mit welcher Treue Sie mir stets gedient haben. Als Zeichen Meiner Dankbarkeit und fortdauernden Gnade verleihe Ich Ihnen Meinen Schwarzen Adler-Orden. Zu Ihrem Nachfolger habe Ich den Präsidenten der Seeyandlung, Wirklichen Geheimen Rath Camphausen, ernannt und dem StaatS-Ministerium dies bekannt gemacht.
Berlin, den 26. October 1869.
(gez.)jWilhelm.
(ggz.) v. Roon.
Herr von der Heydt hat zweimal in schwerer Zeit seine Dienste dem Könige und dem Staate gewidmet. Im November des Jahres 1848, als es galt, die Grundvesten der Monarchie nach langer Erschütterung neu zu sichern, war von der Heydt unter den entschlossenen Männern, welche unter der Führung deS Grafen von Brandenburg das Königliche Banner wieder muthig entfalteten, um unter demselben eine neue Entwickelung auf den Grundlagen gesicherter Ordnung und verfassungsmäßiger Freiheit anzubahnen. Die Dienste, welche er sodann in seiner Stellung als Handels- Minister während der ganzen weiteren Regierungszeit des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm IV. dem Vaterlande leistete, waren so bedeutend und so allseitig anerkannt, daß unser jetziger König, als er im Jahre 1858 die Regentschaft antrat, den trefflichen Fachminister auch in daS damals neu gebildete Ministerium Hohenzollern aufnahm. Bei der Auflösung dieses Ministeriums und bei der Bildung eines neuen Ministeriums unter Prinz Hohenlohe im März 1862 übernahm Herr von der Heydt das Finanzministerium und und nach der Erkrankung des Prinzen Hohenlohe den interimistischen Vorsitz im StaatSministerium, welchen er bis zum Eintritt des Minister-Präsidenten von Bismarck führte. Nach zwölfjähriger ununterbrochener Thätigkeit als Staats- Mtnister trat er damals zurück. Das Jahr 1866 rief den erfahrenen Staatsmann zu den Geschäften zurück.
In den ersten Tagen des denkwürdigen Juni 1866, inmitten cer Vorbereitungen zu dem drohenden Kriege, als eS galt, für
Bu« der Nahe.
* Höchst, 25. Oct. Herr Obersteuer-Controleur Schüler von Homburg, früher in kurhessischen Militärdiensten und eine in hiesigen Kreisen sehr beliebte Persönlichkeit, ist nach dreiwöchentlichem Krankenlager im 43. Lebensjahre an der Nervenkrankheit gestorben.
* Darmstadt. (Zum 50jährigen Jubiläum des Großherzoglichen Hoftheater«). Die bevorstehende Jubiläums-Aufführung der Spontini'schen „Cortez" läßt es interessant er- scheinen, die Besetzung der Oper vor 50 Jahren und die jetzige zusammen zu stellen. Wir thun dieses in Folgendem, indem wir die dermalige Vertheilung eingeklammert beifügen. Cortez Hr. Neukäufler (Hr. Mayr), Telasko Hr. Wild (Hr. Beck.r), Alvaro Hr. Markwort (Hr. P^cz), Amazilly Madame Louise Frank (Frl. Mahlknecht), Oberpriester Hr. Hannwacker (Hr. Dr. Pockh), Moralez Hr. Delcher (Hr. Bögel), erster und zweiter spanischer Osficier Hr. Mickler, Hr. Lang (Hr. Reichhardt, Hr. Leib), Anführer der Mexikaner Hr. Mehlig (Hr. Mendel), Gefährtin der Amazilly Dem. Krug (Frl. Reitz). In der ursprünglichen ersten Composition des „Cortez", die hier vor 50 Jahren und später zur Aufführung kam, existirl die Partie deS Montezuma gar nicht. Diese kam erst in der Umarbeitung der Oper, welche hier am 24. Juli 1825 zuerst ausgenommen wurde, zum Vorschein. Da sang dieselbe Hr. Delcher (jetzt Hr. Greger), während die früher von Hrn,