Zntelligenz-Blatt
der MM Franksurl a. M.,
verbmidm mit dm Krankfarter Nachrichten als Extrabeilage.
•—
(Expedition: am H. Geistpförtchen, SchlachthauSgasie 21.)
M 251 Samstag dm 23. October 1869
Ueberblick der Ereiguiße im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Fraukfurl, 23. Octvber. Wir haben seiner Zeit mit» gelheilt, daß der in London statlfindenden Weltausstellung im Jahre 1871 eine internation ale Arbeiterausst ellung in 1870 voraufgehen soll. Die Vorbereitungen za dieser sind bereits in vollem Gange, und allenthalben, nicht nur in England, sondern auch auf dem europäischen und amerikanischen Continente, in Asien und in Afrika sind Connte's zur Förderung deS Zweckes gebildet worden. Mr. Gladstone ist der Präsident d.S Unternehmens, als Vicepräsidenten stehen ihm angesehene Persönlichkeiten deS Adels und Bürgerstander ohne Rücksicht auf Parteistellung zur Seite, und der Geschäftsausschuß ist aus Leuten von Stellung und Handwerkern zusammengesetzt. Unter den Bestimmungen bezüglich der Ausstellung sind folgende hervorzuheben: Alle ausgestellten Gegenstände tragen die Namenèunterschrift deS Arbeiters, welcher sie angefertigt hat; Gegenstände, bei deren Herstellung »ne Theilung der Arbeit herrscht, werden in einer Weise ausgestellt, daß d e Arbeit eines jeden Arbeiters erkenntlich ist. (So würde eine Uhr oder ein Piano in einer Serie der verschiedenen Bestandtheile, welche bie einzelnen Arbeiter herstellen, und der verschiedenen Processe, wodurch es sich der Vollendung nähert, ausgestellt werden.) Um einen Vergleich in den verschiedenen HerstellungSweisen der Ausstellungsgegenstände zu ermöglichen, sollen die Produkte der verschiedenen Nationen nebeneinander aufgestellt und Vorlesungen über die relativen Vortheile der einzelnen Methoden gehalten werden. Lord Clarendon hat den Vertretern Englands im Auslande aufgetragen, die nöthigen Schritte zur Publicirung deS Planes und zur Bildung von Ortsausschüssen zu thun, und bisher hai sich die Betheiligung alS eine ungemein zahlreiche erwiesen. Außer den Comite'S zu Hamburg, Berlin, Frankfurt, Mainz, Darmstadt, Offenbach, Stuttgart, Karlsruhe, München und Pesth sind zumal in Italien und Rußland zahlreiche Ausschüsse erstanden. «uS Italien werden 20 geschickte Arbeiter zur Ausstellung nach London geschickt werden, und das Londoner Comite wird Sorge tragen, ihnen außer der Hauptstadt noch einige größere Fabrikstädte uut ihren Etablissements zu zeigen. Einem Wunsche der Russischen Regierung zufolge sollen Vorkehrungen getroffen werden, daß die Gegenstände der Petersburger Arbeiterausstellung (welche im Mai kommenden Jahres stattfinden wird) auch in London zur Ausstellung Öen. Um mit der großartigen Betheiligung des ndeS Schritt halten zu können, haben sich in Großbritannien und Irland nicht weniger alS 70 Comite'S gebildet, so daß die Ausstellung in jeder Beziehung Aussicht auf Er
folg hat. Mit den Eigenthümern der Agricultural Hall in Islington, welche 30,000 Personen zu fassen vermag, sind die nöthigen Unterhandlungen Behufs Ueberlaffung der Räumlichkeiten bereits zum Abschlusse gediehen. — Der „ Great Eastern" wird heute mit dem anglo-indischen Kabel von SheerneS nach Aden in See gehen. Bis jetzt hat daS Riesen- sch'.ff über 1700 Meilen des Kabels an Bord genommen, welches letztere, den beständig vorgenommenen Experimenten zufolge, sich in ausgezeichnetem Zustande befindet. Inzwischen hat der Rumpf des Schiffes einen radicalen Reinigungsproceß durchgemacht; mehrere Taucher haben von demselben unter der Wasserlinie mehr als 50,000 Gallonen Muscheln und Unrath abgelöft, welche sich an einigen Stellen über einen Fuß' dick angesetzt hatten. Der Rumpf selber befindet sich noch gut im Stande. — Aus Konstantinopel, 17. October, wird geschrieben: „Gestern fand zu Ehren der Kaiserin der Franzosen auf der Ebene von Beikos in Asien eine große Truppenschau statt. Der Sultan bot der Kaiserin den Arm und führte sie zu einem Pavillon von augenverblendender Pracht. Omer Pascha führte das Commando über die 25,000 Mann , welche die Ehre hatten, die Revue zu passiven. Die Menschenmenge, die dem Schauspiele beiwohnte, war ungeheuer. Am Abend strahlte der Bosporus von Licht; auch das Lager von Unkiar- Skelessi war prächtig illuminirt. Heute (Sonntag) begab sich die Kaiserin mit Gefolge in acht Gallawagen zur Messe in die mit den französischen Farben geschmückte armenische Kirche und von dort in daS festlich beflaggte Gebäude der französischen Botschaft, wo sie das Frühstück einnahm. Pera war reich geschmückt, unter einem Triumphbogen begrüßte der Gemeindevorstand den hohen Gast. Heute Abend großes Galla-Diner beim Sultan.
Nu» der Nähe.
* Mainz, 17. October. In der am 13. d. M. anberaumten Sitzung des mittelrheinischen Fabrikantenvereins wurde über die Anstellung eines ständigen Secret ärS verhandelt. Anträge darüber waren gestellt von Professor EmminghauS und von Dr. Weidenbusch. Ersterer wollte nur einen Secretär für die Bearbeitung der Arbeiterfrage. Letzterer einen Secretär für alle VereinSangelegenheiten. Beide Anträge wurden auch später vereinigt. Gräff aus Bingen entwickelte die Nothwendigkeit eines Secretärs; wenn die Anstellung möglich sein sollte, so müßten die PUtgliederbeiträge von 1 auf 5 bis 10 Thlr., die Mitgliederzahl müßte von 130 auf 3-400 steigen. Dr. Kalle bemerkt, daß er eine geeignete Persönlichkeit dem Verein vorschlagen könne, dieselbe sei mit 6000 Thlr. zufrân; der Verein möge daher seinen Betrag vorläufig zeichnen. Direktor