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ZnteNtgenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M,

verLwrdm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. '^^WVWM#tM*AA/v»—^

(Expedition: am H. Geistpförtchm, Schlachthausgasse 21.)

^2 249 Donnerstag dm 2L October 1869,?

UebnbliS der Ereignisse iw Gebiete der politischen and materiellen Interessen.

Frankfurt, 21. October. Wir sind in den Stand gesetzt worden, daS Rundschreiben des Fürsten Hohenlohe vom 29. Mai d. J. zu veröffentlichen. Ist dasselbe nun auch ver­altet durch die inzwischen erfolgte Auflösung der Abgeordneten­kammer, deren Parteigruppirung ihm zum Ausgangspunkt dient, so enthält es doch auch verschiedene gerade für den gegenwärtigen Augenblick sehr werthvolle Kundgebungen über die Politik des Fürsten Hohenlohe, weßhalb wir die Haupt­stelle daraus mittheilen: „Unter diesen Umständen ist dem

gegenwärtigen Ministerium sein Verhalten klar vorgezeichnet Dasselbe hat keine Veranlassung so lange Seine Majestät der König ihm sein allerhöchstes Vertrauen bewahrt, die Geschäfte niederzuleaen, und noch viel weniger, eine andere, als die biShmge Politik im Innern sowohl, als nach Außen einzu­schlagen. Was insbesondere die Gesetzgebung in inneren An­gelegenheiten betrifft, so ist allerdings bei der voraussichtlich schwankenden Majorität zur Zeit ein weiteres Vorgehen in den Reformbestrebungen nicht wohl thunlich; eS ist dies aber auch keineswegs nöthig. Denn eS wird nur zum Besten deè Landes dienen, wenn die vielen umfangreichen neuen Gesetze allmählig sich in dem socialen Leben einzubürgern Zeit haben, wenn eine Pause in der bisherigen Fruchtbarkeit der LegiS- lanon eintritt, und wenn man eine Konsolidirung der bis- hmgen Erfolge abwartet, ehe man mit Neuerungen voran- h u Daß aber die bisherigen Errungenschaften wieder auf­gehoben würden, und eine den Bestrebungen der letzten Jahre entgegenarbeitende Strömung in der Gesetzgebung Platz greifen tonnte, dazu reicht die Macht der klerikalen Parte: mcht aus; ganz abgesehen davon, daß sich jetzt schon Anzeichen finden, es werde sich alsbald innerhalb dleser 77 klerikalen Gewählten ^ Scheidung vollziehen, indem hierunter eine große Anzahl wvhldenkender, ruhiger und patriotischer Männer zu zählen Md, welche keineswegs geneigt sein werden, die Zwecke der kktremen Parteiführer mitzuverfolgen. Die äußere Politik hat Muell die Zustimmung des Landes gefunden, und eS wird Malb das Ministerium wie bisher auch fortan bestrebt sein, nL ^lbstständigkeit der Krone im vollsten Maße zu wahren, Me dabei die Aufgabe aus dem Auge zu lassen, welche die N^enrverträge deS JahreS 1866 für künftige Entwickelung »lMlandS ausgesprochen hat, die Aufgabe, die Trennung dem Norden und Süden Deutschlands durch ein -,, ^kHeS Band wieder aufzuheben, welche Macht und An-

Paterlandes gegen fremde Angriffe sichert, ohne der traa Berechtigung der Stämme und ihrer Fürsten einen Ein-

N zu thun.

Mu» der Nähe.

* Vom Main, 18. Oct. Am großherzoglichen Land­gericht Seligenstadt ist dermalen eine Untersuchung wegen Brandstiftung anhängig, deren Motiv von psychologischem Interesse und gewiß noch kaum dagewesen ist. In dem zum Gerichtssprengel gehörigen Orte Oberroden brach kürzlich in einer Scheune ein Feuer aus, und war einer der ersten, der zu dessen auch glücklich bewerkstelligten Dämpfung herbeieilte, ein gerade anwesender Schornsteinfegergeselle. Verschiedene Umstände weisen aber in Überzeugenoer Weise ans ihn als Brandstifter hin. Der Schornsteinfeger, der sich bei mehreren Feuersbrünsten durch seine werkthätige und erfolgreiche Thätig­keit im Löschen ausgezeichnet hatte,' war deßhalb von Seiten der Behörden öffentlich belobt worden und hoffte, wenn er sich abermals hervorthue, daß ihm das bekanntlich bei unS noch monopolisirte Gewerbe eines Schornsteinsegermeisters für einen bestimmten Bezirk selbstständig übertragen würde. AuS diesem Grunde, so lautet wenlgftens die Anschuldigung, hatte er den Brand in Oberroden gelegt, um einer der ersten beim Löschen zu sein.

* Höchst, 18. Oct. Wiewohl die Urwahlen für einen neu zu wählenden Bürgermeister für uns so zu sagen vor der Thüre sind, so wird doch über diese höchst wichtige Angelegen­heit kaum ein Wort in öffentlichen Kreisen verloren. Dies ist um so bedauerlicher, da unser alter Herr Bürgermeister eine Neuwahl nicht mehr annehmen wird, sondern vorzieht, seine Pension zu nehmen; die richtige neue Persönlichkeit zu treffen, aber immerhin sehr schwierig sein wird.

* Höchst, 18. Oktober. Die Errichtung einer Realschule in dem Badeorte Soden ist so weit beschlossene Sache. End­gültiges hierüber soll in der nächsten GemrinderathLsitzung noch festgestellt werden. — Wie vom Taunu« dem „RH. K." gemeldet wird, waren die altehrwürdigen Häupter des Fcld- bergeS und deS Altkönigs heute früh mit Schneebedeckt. Auch hat es vergangene Nacht sogar Eis gefroren. In Schwalbach fiel Sonntag Abend der erste Schnee und die Kemeler Haide ist mit einer leichten Schneedecke überzogen. Man erinnert sich seit langen Jahren keines so frühen Schneefalles.

* Wehrheim, 17. October. Eine Seltenheit ereignete sich gestern hier. Eine Kuh nämlich, dem Herrn Louis Ällen- dörfer dahier gehörend, gebar 4 lebende Kälber. Sämmtliche Prachtexemplare sind vollkommen und stark ausgewachsen; von Nah und Fern eilen Neugierige herbei, um diese Wunderthiere zu sehen.

* Mainz, 15. October. Gestern Nachmittag fand eine Probefahrt mit dem vergangene Woche hier eingetroffenen Trajectboot der Ludwigsbahn nach dem Rheingau statt, an