Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbmrdm mit dm Frankfurter ^la^ti^ttn als Extrabeilage.
(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
J2 247 Dienstag dm 19. October 18 69,;
Ueberblick du Ereignisse im Gebiete du politischen und materiellen Interessen.
Häuser abgebrochen sind und grelles Licht in breiten Streife, gerade da sich über das Pflaster legt, wo früher unheimliches Halbdunkel herrschte. Schon nach der Zählung von 1864 war die größte Hälfte der Bevölkerung der Jud'engasse christlich, und seitdem ist in dieser Richtung ein weiterer Schritt ge« chehen, indem der Magistrat eine Anzahl von der Stadt zum Abbruch angekaufte Häuser, der obdachlosen christlichen Bevölkerung zu einstweillger Wohnung eingeräumt hat. Dennoch bietet die Gasse dem Fremden auch "jetzt noch des Interessanten genug, wenn er sich nicht darauf beschränkt, das Rothschild'sche Stammhaus (Nr. 148) und Börne'S Geburtshaus (No. 118) von außen anzusehen, sondern in irgend ein Haus hineintritt und die Trümmer früherer Herrlichkeit betrachtet. Die große Mehrzahl ist außerordentlich schmal, 2—3 Fenster breit; wo sie breiter erscheinen, sind meistens mehrere, innerlich getrennte, unter dem Dache vereinigt. Eine Ausnahme macht daS sogenannte „Steinerne HauS" (No. 109), welches nach dem „großen Judenbrand" von 1711 außerordentlich fest aus rothem Bruchstein erbaut und mit eisernen Läden verwahrt wurde, während die übrigen ganz in früherer Weise wieder aus Fachwerk aufgeführt wurden. D e Häuser haben zwei Thüren; während die eine den Eingang in's Haus bietet, diente die andere häufiger als jetzt zum Aushang der Waaren geringster Art; zuweilen lugt auch die niedrigste Klasse der Prostitution aus ihr hervor. In Folge der geringen Breite der Häuser ist nur ein Vorder- und ein Hinterhaus auf jedem Stockwerk, die Treppe also ganz dunkel, die Küche unter der Treppe angebracht. In diesen beschränkten, unbequemen Räumen haben bis zum Anfang dieses Jahrhunderts die reichsten Leute gewohnt. War die Enge der Häuser nicht zu beseitigen, so suchte man sie wenigstens auszuzieren. Hotzg-täfel und künstliche Elsengitter zeugen auch in ihrer jetzigen Verwahrlosung noch von besseren Zeiten. Die Häuserreihe, welche nach dem Viehhofe hinausgeht, war wegen der besseren Luft gesucht; der Viehhof heißt heute noch: „zur goldenen Luft", einen Ausdruck, der höchstens relativ gelten kann. Auf der Mauer, die hier die Trennung bildet, wurden Lusthäuser erbaut, welche beim Fest als Lauberhütten dienten und innen mit Gemälden geschmückt waren deren Reste noch heute verblichen aus dem Trödel herausleuchten, welcher diese Gemächer jetzt erfüllt.
Frankfurt, 19. October. Der alte israelitische Begräbnißplatz von Frankfurt a.M. ist weniger berühmt als der von Prag, aber nicht weniger bemerkenSwerth. Seine ältesten Grabsteine reichen inS 13. Jahrhundert, geschloffen wurde er 1828 bei der Eröffnung des neuen, vor der Stadt angelegten Friedhofs. Er zieht sich, wenig östlich von der alten Judengasse, in einem länglichen Viereck hinter der jüdi-1 schm Realschule und dem Gebäude der Krankenkassen hin und hat seinen Eingang von dem Hofe des jüdischen Hospitals. Die Oberfläche des Begräbnißplatzes ist durchaus uneben, waS dm malerischen Charakter der in den mannichfaltigsten Stellungen eingesunkenen, unregelmäßig zusammengruppirten, von dichten Fttederbüschen beschatteten Grabsteine noch vermehrt. Die Stellung dieser Grabsteine ist so unregelmäßig, weil man gewöhnlich die Insassen eines Hauses, oder, was häufig gleich- bedeuiend, die Angehörigen derselben Familie — denn die Hausnamen wurden zu Familiennamen — an dieselbe Stelle begrub, und auch verheirathete Frauen ihrer ursprünglichen Familie zutheilte, ohne Rücksicht auf Reihen und Zwifchen- räume. Nach 50 Jahren durfte ein Grabstein dicht neben feinen Vorgänger gesetzt werden. Die Platten, ursprünglich senkrecht aufgestellte, dann aber in Folge des EinsinkenS der Gräber oft halb oder ganz umgesunkene Grabsteine, deren kräftiges Roth (Sandstein) sich gut von dem Grün des Bodens abhebl, bilden, in den mannichfaltigsten Größenverhältnissen, ein längliches Viereck und enthalten über der durchweg Hebräi- schen Inschrift in Relief daS Familien- oder HauSwappen. Da sieht man die Häuser oder Familien zur Kanne (Kann), zur Flasche (Flesch), zum Schloß, zum Bär, zum OchS, zum Löwen, zum Drachen, zum Paradies (Adam und Eva), zum Spiegel, zur Reuße (Reiß), zum Apfel, zum Stern, zum rothen und schwarzen Schild (Rothschild und Schwarzschild), zum Hut, zur Sichel, zum Stiefel (Stiebel), zum Schuh :c„ deren nicht wenige mit ihren Häusern, welche die „Judenbrände" von 1711 und 1796 verzehrten, durch Aussterben oder Auswanderung hier nicht mehr existiren, während andere in der Finanzwelt oder den Wissenschaften einen weltbekannten liamen sich erworben haben. — Die Judengasse in Frankfurt ?• ist, trotz der Veränderungen der letzten Jahre, wodurch sie ihren eigenthümlichen Charakter verloren hat, wlmer noch viel von Fremden besucht. Sie ist nämlich nicht mehr eine geschlossene Gasse und nur zum geringsten Theil von tn»r*n dewohnt. Ihr eigenthümlichst düsterer Charakter, WiW ^tvpm vc» ^uuvgeoiclcs gkpacyiel yur, vcmiqi 'te /"El in der Mitte, wo kein Licht einfallen konnte, allwöchentlich mehrere größere Jagdausflüge und den hier zur Schau trug, ist dadurch beseitigt, daß manche baufällige weilenden Fremden ist die Theilnahme mit Vergnügen gest
Mu» der Skâhe
*Homburg. Für Liebhaber der Waldjagd ist eben hier fröhliche Zeit. Die Kurhaus-Administration, welche bekanntlich einen großen Theil deS Jagdgebietes gepachtet hat, veranstaltet
ver-
ist die Theilnahme mit Vergnügen gestattet.