Intelligenz-Blatt
der Statt Frankfurt a. M.,
verbunden mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am h, Geiftpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 243
Donnerstag dm 14» October
1869.
des „Herald", und ein lebendiges Bild des Elmdes, welches wildes Spiel mit sich bringt. Die „Bulls" waren wüthend, während die „Bears" in ihrer Freude herumtanzten; bald aber leerte sich die Börse; die Leute strömten heraus, um die Kunde zu verbreiten, und warfen die vor dem Gebäude stehenden nieder, wobei arge Verlegungen vorkamen. Das Agio war sofort auf 138 gefallen, und nun verlangten die Verkäufer wieder sofortige Zahlung von dem Makler, der sie kurz zuvor darum gedrängt hatte. Da erklärte dieser, er könne nichts bezahlen, da die Deckung, die er von seinem Committenten erhalten, dazu nicht ausreiche und sie weiter nichts bezahlen wollten; als seine Committenten nannte er JameS Fisk jun. und William P. Belden; „er habe gehört, sagte er, daß man ihn erschießen wolle; er sei bereit sich erschießen zu lassen". Dies geschah nun zwar nicht, allein die Menge strömte nach den Bureaus von Belden, Smit, Fould und Martin u. Comp. und der Gold-Exchange-Bank, und starke Piquets Polizei« Mannschaft wurden requirirt, um diese Häuser zu schützen. Zwei Brooklyn-Regimenter erhielten Ordre, sich bereit zu halten, um Wall Street zu besetzen. Abends strömte die Menge vor das Clearinghaus und die Gold-Exchange-Bank. Gegen Letztere hatte das dabei betheiligte Haus van Schaick u.Comp. einen richterlichen Befehl erlangt, welcher ihr verbot, Zahlungen zu leisten, ehe die ihr übergebenen Cheques eingegangen seien. Sie erließ darauf eine Bekanntmachung, daß sie nach ihren Statuten nur solche Zahlungen leisten dürfe, wofür sie das Geld in Händen habe; nun aber seien mehrere Fallimente bereits eingetreten, sie werde daher erst nach geschlossener Abrechnung und zwar so rasch wie möglich bezahlen. Im Coal Hole, wo Abends das Gold bis 131V«, dem niedrigsten Stand, den eS im laufenden Jahre noch gehabt hatte, zurückgegangen war, wurden weitere Transactionen fuspendirt, bis das Resultat der Liquidation der Gold-Exchange-Bank bekannt sein würde. So Wett reichen die uns vorliegenden Berichte. AuS Washington wird gemeldet, daß die Goldkäufer auf eine frühere Aeußerung Grants, die Regierung müsse sich in dieses Spiel nicht einmischen, stark gerechnet hatten. Schon am frühen Morgen waren aber bei Boutwell Deputationen der Kaufleute erschienen, welche ihn dringend um Abhülfe baten, sie konnten aber von ihm keine bestimmte Antwort erlangen, da er fürchtete, daß Einzelne daraus Vortheil ziehen würden. Um 11 Uhr ging er zum Präsidenten und erlangte dessen Zustimmung zum Einschreiten. Von dieser Zeit an ließ er keine Deputation, n mehr vor sich und diese erfuhren erst von Newyork auS, daß der Schlag gefallen war. (Frankf. Zeitung.)
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.
Frankfurt, 14. October. (Die Goldpanique in New York.) Berichte über die Vorfälle an der Newyorker Goldbörse vom 24. Sept, liegen endlich in den Blättern vom 25. vor. Schon mehrere Tage warm Gerüchte verbreitet, daß Fisk sen. und Belden u. Co. an der Spitze eines Consortiums stünden, welches die Verkäufer von Gold in einen Winkel (corner) drängen und zum Rückkauf zwingen wolle. Zu diesem Zwecke hatten sie ein neueS Reglement in der Goldbörse durchgefetzt, nach welchem die an jedem Tage eintretende Differenz sofort ausgeglichen werden mußte. Am Donnerstag den 23. Sept. Abends deutete so manches darauf hin, daß der Coup am nächsten Morgen zur Ausführung kommen werde, da bis spät Nachts im Fisk Avenue Hotel Geschäfte gemacht wurden. Am Freitag Morgen um 9 Uhr waren die Straßen vor der Goldbörse von einer dichten Menge angefüllt. Die ersten Kaufleute, sagt ein Bericht, standen hier neben Sansculotten, Advokaten neben Wall Street Ziegen ( Goata), Schuhputzern und Literaten. Als um 10 Uhr das Geschäft eröffnete und die an dem Gebäude angebrachte Uhr den Goldcours 150 zeigte, entstand auf der Straße ein solches Geschrei, daß man selbst das Toben im Coal Hole nicht länger hörte. Langsam aber fortwährend bewegte sich der Zeiger vorwärts; als es 11 Uhr schlug, hatte er 155 */4 erreicht; von da an sprang er rasch auf 16272, dem böchsten von der Uhr angezeigten Stande, während in der Börse bis 164 bezahlt wurden. Dort war ein Makler, ein alter Mann, als Käufer für das Eonsortium aufgetreten, er nahm alles Gold, was zu den steigenden Preisen angeboten wurde und bestand darauf, daß bei jedem Preisaufschlag frühere Verkäufer die eingetretene Differenz mittelst Cheques auf ihre Banquiers sofort auS- glichen. Dies geschah, besser als eS zu erwarten war, und bei weitem die meisten leisteten pünktliche Zahlung. Mittlerweile hatten sich viele eingeschüchterte Kaufleute eingefunden, welche ihren Bedarf für Zölle um jeden Preis decken wollten, und die Aufregung hatte den höchsten Grad erreicht, als sich die Scene plötzlich änderte. Einige Minuten nach 12 Uhr trat der Agent des Finanzministers, Butterfield, in dm Saal, und affichirte eine aus Washington erhaltene Depesche: „Verkaufen Sie morgen 4 Millionen Dollars Gold und kaufen Sie dafür 4 Millionen Bonds." WaS nun vor- S'ug. ist nur mit dem Fall einer Lawine zu vergleichen. Zunächst trat eine Todtenstille ein, dann brachen die Käufer in ein Wuthgeheul aus, während Andere ein Freudengeschrei er- yoben, das sofort bei den Massen vor dem Gebäude ein Echo fand. Es war eine schreckliche Scene, sagt der Berichterstatter