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Intelligenz Blatt der MM Frankfurt a. M^ verbmldm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

'-^o^*^^*VWIOIMVWV^z^^^x-> (Expedition: am ^ Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 239 ' Samstag den 9. October 1869.

Prinzessinnen jetzt müde zu sein und unterhält ihre Gläubigen anstatt von jenen, jetzt von verwunschenen Ministern." Unter Andern hatten Garde-Offiziere eS nicht unglaublich gefunden, daß der Bundeskanzler seine Varziner Muße mit der Pflege des Velocipede-Sports zubringe und es darin zu einer eminenten Fertigkeit gebracht habe. Wir glauben aus guter Quelle ver­sichern zu können, daß daran nicht zu denken ist. Graf Bis­marck reitet zwar, aber die häufigen Witterungswechsel haben seinen nervus ischiaticus doch schon vielfach provocirt, so daß er gegen eine Anstrengung, wie sie die Handhabung des Velo- cipede erfordert, wohl sehr entscheidenden Einspruch erheben würde. Im Uebrigen wird unS Graf BiSmarck als ganz munter geschildert. Die frühen Morgen- und die späten Abendstunden finden ihn am Schreibtisch, die Tagesind ländlichen Geschäften und heiterer Geselligkeit gewidmet.

Ueberblick der Ereiguiffe im Gebiete der politischen und materiellen Jutereffen.

Frankfurt, 9. October. Die „Times" berührt mit großer Vorsicht die von der kontinentalen Presse hier und da angeregte Frage, ob England dem Norddeutschen Bunde im Frieden seinen guten Willen bezeugen, im Kriege seinen Bei­stand angedeihen lassen werde? — Was den ersten Theil der Frage angehe, so stehe es über jedem Zweifel, daß England für die wachsende Größe Deutschlands nur die wärmste Sym­pathie empfinden könne, und daß, falls je Frankreich und Rußland sich dazu vereinigen sollten, Deutschland zwischen zwei Mühlsteine zu pressen, es der unverhehlte Wunsch des englischen Volkes sein würde, Deutschland ohne Schaden aus solcher Prüfung hervorgehen und zu einem eben so einigen und compakten Körp-r wie Frankreich werden zu sehen. Eng­land wünsche ein kräftiges und blühendes Deutschland sogar noch dringender als das jeder anderen Nation, aus dem ein­fachen Grunde, weil man wisse, daß eine Angnffspolitik nie den Deutschen in den Sinn komme. WaS jedoch den zweiten Theil der Frage von „einer eventuellen militärischen Allianz" betreffe, so werde daran zu denken Zeit genug sein, sobald ihrer bedürft würde. ES sehe überall friedlich aus. Somit könne die Frage über die eventuelle Stellung Englands im Kriegsfalle kaum zu praktischer Wichtigkeit gelangen und Eng­land nicht in die Lage versetzt werden, zwischen zwei Nationen wählen zu müssen, deren Freundschaft es sich zu erhalten wünsche. — „König Thomas der Erste von Spanien" — welcher Titel dem Herzog von Genua bei seiner etwaigen Thronbesteigung zufallen würde—erscheint der „Times" nichts weniger als geeignet, in Spanien Ruhe zu stiften. Spanien habe schon so viel unter unmündigen Schattenkönigen und Regentschaften gelitten, daß eine Wiederholung solcher Inter­regnums in der That als eine Grausamkeit gegenüber einem blutjungen Prinzen erscheine, der sich im stillen Frieden in Harrow glücklicher fühlen müsse, als in der glänzenden Oede des Königspalastes in Madrid. Wenn man einmal einen Minorennen wählen wollte, fei wahrlich kein Grund gewesen, den 12jährigen Prinzen von Asturien in den gegen seine Mutter in Kraft getretenen OstracismuS miteinzuschließen. Die „Times" versichert außerdem, daß der junge Herzog von Genua hinlänglich über die Lage der Dinge "unterrichtet sei und mit Bangigkeit an die ihm drohende Größe denke. Aberder M des Königs Victor Emanuel sei dem Projecte günstig.— arzin caculiren in der höheren Gesellschaft Berlins o zahlreiche und wunderliche Anekdoten, daß Graf Bismarck elbst, als ihm Einiges davon kürzlich hinterbracht wurde, uchend sagte: „Die Märchenwelt scheint -er verwunschenen

Aus der Nähe.

* Darmstadt, 4. October. Gestern Abend wurde der in der Altstadt wohnende Fuhrmann F., der seinen bei ihm zu Besuch anwesenden Bruder uach der Bahn begleiten wollte, in der Nähe des Marktes von drei Individuen angefallen und mit verschiedenen Messerstichen in den Kopf tractirt, so daß derselbe heimgebracht und sofort in wundärztliche Behandlung genommen werden mußte. Hoffentlich wird eS der Thätigkeit der Polizei gelingen, den bis jetzt vollständig unbekannten Thätern auf die Spur zu kommen, um gegen solche die volle Strenge des Gesetzes in Anwendung zu bringen.

* Wiesbaden. Wie der „Ällg. Ztg." aus Jerusalem berichtet wird, ist der Prediger der dortigen deutschen Ge­meinde, Lic.theol. Hoffmann, nach Wiesbaden als Direktor des daselbst neu errichteten Predigerseminars berufen.

* Gießen, 1. Oktober. Am heutigen Tage sind eS vierzig Jahre, seitdem der auch in entfernten Kreisen als hervor­ragender Kanzelredner rühmlichst bekannte Großh. Rabbiner der Provinz Oberhessen, Herr Dr. Levi, sein Amt in hiesiger Stadt angetreten hat. Der Vorstand der israelitischen Ge­meinde dahier hatte beabsichtigt, diesen Tag in würdiger an­gemessener Weise zu feiern, und vermittelst Circular sowohl die Gemeindemitglieder als auch die Gemeinden der Provinz zur Betheiligung eingeladen. Allein auf ausdrücklichen Wunsch des Jubilars selbst, unterblieb die Ausführung der projektirten Festlichkeiten, und begnügte sich der Vorstand damit, daß er in corpore an bestimmtem Tage, den Jubilar beglückwünschte. Möge eS Herrn Dr. Levi vergönnt sein, auch daS 50jährige Jubiläum bei gleicher körperlicher und geistiger Frische zu begehen und seine Zuhörer noch lange Jahre durch feine geist­reichen und erhebenden Borträge zu erbauen.