Intelligenz-Blatt
der MM Frankfurt a. M^
verbmldm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am h, Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
M 235
Dienstag den 5. October
1869;
selbst an die Voraussetzung, daß Oesterreich jeden Einspruch gegen die Entwickelung der deutschen Verhältnisse aufgegeben habe — die Frage, ob nun die Ueberschreitung des MainS nicht erfolgen werde . . . Die staatsrechtliche Einigung bleibt das unverrückbare Ziel der Zukunft und ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber je weniger man sich der Ueberzeugung verschließen kann, daß zur Zeit noch die Abneigung des süddeutschen Volkes gegen eine politische Verschmelzung mit dem Noroen Hand in Hand geht, mit der gleichen Abneigung der Regierungen, um so mehr mag man sich freuen, daß Badens Regierung und Badens Volk inmitten der süddeutschen Stämme mit so großer Energie die Fahne der nationalen Politik aufgepflanzt, deren stärkste Anziehungskraft in dem Gesetze ihrer Nothwendigkeit liegt. Dem deutschen Patriotismus ist die Ungeduld über den etwas langsamen Gang der nationalen Entwickelung verzeihlich, aber er sollte doch die Verzögerung leichter ertragen, weil er gewiß sein darf, daß je unwiderstehlicher die Einsicht in ihre Nothwendigkeit geworden ist, die Einigung auch um so fester, inniger und befriedigender für Alle sein werde!
Ueb erblick der Ereigm^e im Gebiete der politischen und matmellell Jatereffen.
Kraukfurt, 5. October. „Nachdem die jüngste Reise deS Grafen Beust nach der Schweiz, mit einem Abstecher nach Straßburg, einen Augenblick die Meinung erweckt hatte, daß es sich dabei nm den Versuch handle, eine Triple-Alliance zwischen Oesterreich, Frankreich und Rußland zu Stande zu bringen, ist die öffentliche Meinung plötzlich umgeschlagen. Man spricht von einer Annäherungspolitik Oesterreichs und der angekündigte Besuch deS Kronprinzen von Preußen in Wien gilt als Beweis dafür, daß diese Annäherungspolitik Erfolg gehabt habe... Wir glauben nicht, daß Diejenigen die Situation vollkommen richsig lvürdigen, welche den BestimmungSgrund für die Wendung der österreichischen Politik lediglich in der Krisis suchen, in b een Gefahr Frankreich jetzt eingetreten zu sein scheint und deren Ueberwindung auch in Wien zu einem neuen Wechsel der Entschließungen führen könnte. Wir glanben vielmehr, daß der kurze Depeschenwechsel, daß namentlich die preußische Depesche vom 4. August cr. für das Wiener Cabinet zum Ausgangspunkt einer Wendung seiner Politik geworden ist, und daß die französische Krisis nur dazu gekommen ist, um den Grafen Beust in der neu eingeschlagenen Richtung zu bestärken. In der August-Depesche des Herrn von Thiele wurde die Stellung Preußens zum Prager Frieden und dessen viel berufener Artikel IV. mit einer Offenheit ausgesprochen, welche nichts zu wünschen übrig ließ, wegen ihrer Offenheit aber auch der preußischen Politik eine Verbindlichkeit auferlegte, von welcher sie nicht mehr zurücktreten kann. Indem Preußen erklärte, daß der Prager Frieden vor allen Dingen die Ausschließung Oesterreichs aus Deutschland festgestellt, und daß Art. IV gar keine andere Bedeutung habe, als daß ihm dadurch die Verpflichtung auferlegt würde: die Dinge in Deutschland gehen zu lassen, wie sie wollen — war für Oesterreich der Augenblick gekommen, ernstlich mit sich zu Rathe zu gehen, ob man noch fernerhin in Deutschland eine Politik der Intrigue, des versteckten Angriffs und der hinterlistigen Aufreizung verfolgen wolle,welche zum thatsächlichen Conflictmit Preußen führen müsse. Und nicht mit Preußen allein, sondern auch mit Ungarn, welches einstimmig jede „deutsche Politik Oesterreichs" ‘ per- horreècirte. Die Frage konnte nur zu Gunsten einer Politik der Versöhnlichkeit entschieden werden und ist also von selbst klor, wenn in Folge dieser Entschließung eine Annäherung Oesterreichs an Preußen stattgefundcn hat, diese das Ge- währenlassen Preußens in Deutschland zur nothwendigen Voraussetzung haben müßte; während Oesterreich durch die Versöhnung mit Preußen in seiner orientalischen Politik de- gagirt wird . . . Eine andere Frage aber knüpft sich von
Ans der Nähe.
* Cronberg, 29. September. Nachdem zur Zeit der Frankfurter Messe der größte Theil der Kurgäste den hiesigen Ort verlassen hatte, brachte daS schöne Wetter der letzten Woche aus's Neue Leben in unsere Straßen. Unter diesen Nachzüglern befand sich auch die Wittwe des Präsidenten Lincoln, welche in der an der Königsteiner Chaussee gelegenen Cottage des Hrn. Aumüller Wohnung genommen hatte; ihre Anwesenheit lührte häufige Besuche der in Frankfurt und den benachbarten Badeorten wohnenden Amerikaner herbei.
* Mainz, 28. September. Von der Ladung eines vor einiger Zeit in Caub gesunkenen Schiffes lagerten 140 Ctr. Reis und circa 40 Centner Kaffee im hiesigen Freihafen, welche gestern zur Versteigerung gebracht werden sollten. Auf Einschreiten der Sanitätsbehörde wurde indessen die Versteigerung inhibirt und die Nahrungsmittel dem Wasenmeister zur Vernichtung übergeben. Der Reis soll zu Dung verwendet, der Kaffee verscharrt werden. Wie man hört, waren die Nahrungsmittel nicht bloß verdorben, sondern auch mit gesundheitsschädlichen Stoffen untermischt.
* Mainz, 1. October. Von heute ab ist das Brückengeld auf einen Kreuzer herabgesetzt. Zur Feier dieses Ereignisses spielte gestern eine Militärkapelle gratis hier und in Câstel.
* Wiesbaden, 1. Oct. Die mit dem heutigen Tage ins Leben tretende neue Gewerbeordnung für den norddeutschen