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Intelligenz Blatt

“ der Stadt Frankfurt a. M., verbmrdm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. '^■^■^^<^^ti^^\^^^^^^^i^^^\^y^^i^

‘ (Expedition: am H Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

’ M 231 Donnerstag den 30. September 1869.

• Einladung zum Abonnement.

Mt dem 1. October 1869 beginnt ein neues Vierteljahr-Abonnement für das Frankfurter eZntelligenz-Blatt, Amtsblatt und Anzeiger für dm Stadtkreis Frankfurt a. M., Anzeige­nblatt der städtischen Behörden zu Frankfurt a. M. und die Frankfurter Nachrichten.

. Der Abonnementspreis dieser sämmtlichen fünf Blätter beträgt hier in Frankfurt von der Expedition bezogen, für das Vierteljahr fl. 1. 45 kr.

t Durch die Post bezogen kosten dieselben für das Vierteljahr in Preußen: Thlr. 1. 153/< Sgr. «ider fl. 2. 41 kr., außerhalb Preußen: Thlr. 1. 2 7* Sgr. oder fl. 1. 53 kr.

Leberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und (matmellen Interessen.

Frankfurt, 30. September. (Der wahre Mörder Der Familie Kink.) Man schreibt aus Paris, 25. Sept.: Es bestätigt sich, daß das in Havre verhaftete Individuum keineswegs Gustav Kink, sondern ein gewisser Troppmann oder Traubmann, ein Elsässer, ist. Man hegt mit Grund jetzt starke Zweifel, daß Johann und Gustav Kink überhaupt sich bei der Mordthat betheiligt haben, und man fängt an zu glauben, daß sie selbst zu den Opfern gehören, d. h. noch vor der Mutter und ten übrigen fünf Kindern ermordet wurden. Ein Berichterstatter des Figaro (wahrscheinlich einer der von der Polizei nach Roubaix gesandten Agenten) meldet in dieser Beziehung wie folgt: „Ich reiste zuerst nach Guebwiller, wo das Gut liegt, welches Johann Kink kürzlich gekauft. Ich er- fuhr dort, daß Johann Kink schon seit längerer Zeit nicht in diesem Orte gewesen sei. Zugleich theilte man mir mit, daß derselbe nur einmal verheirathet gewesen und daß der älteste Sohn, den man des Verbrechens anklagt, erst 16 oder 17 Jahre alt sei und seiu Signalement nicht mit dem correspondirte, welches der Wirth des Hotel du chemin de fer du Nord von dem Mörder gegeben habe. Daß ein Kind von 16 Jahren seine Mutter und seine fünf Geschwister ermordet haben soll, erscheint unmöglich. Uebrigens ist Gustav Kink ein guter Sohn; man citirt einen Brief an seinen Vater, worin er ihm die Ab­sendung der aus der Bank von Roubaix herausgezogenen 5500 Francs ankündigt und worin er schreibt: „Bring' ein Spielzeug für Achilles mit und eine Puppe für Marie; ver­giß es ja nicht." In Roubaix sah man ihn täglich mit seiner Schwester Marie spielen; er war ein zärtlicher Sohn; er hätte kein Glas Bier getrunken, ohne seine Mutter um Er­laubniß gefragt zu haben. Er war keineswegs mit ihr ent­zweit, war immer bei ihr, und hatte sie nur verlassen, um zu seinem Vater abzureisen. Da Johann Kink schon seit längerer Zeit nicht in Guebwiller gewesen, so erkundigte ich mich, wer

die 5500 Francs, welche von Roubaix dorthin gesandt worden waren, abqeholt habe. Die 5500 Francs befinden sich noch auf dem Postbüreau. Da man nun nicht annehmen kann, daß ein Mann, der einen Mord begehen will, sein Geld auf einem Postbüreau versteckt, so ziehe ich den Schluß, daß Johann Kink ebensowenig schuldig ist, wie Gustav Kink. Dafür spricht übrigens noch folgender Vorfall: Der Director des Post- büreau'S von Guebwiller erhielt nämlich den Besuch eines jungen Mannes von 22 Jahren, der die an Johann Kink ge­sandten 5500 Francs abholen wollte. Der Director fragte ihn: „Sind Sie Johann Kink?" „Ja" — war die Antwort des jungen Mannes. „Aber Johann Kink ist ja 45 Jahre alt." Der junge Mann machte sich sofort aus dem Staube, aber nicht fo schnell, daß man seine Züge nicht hätte sehen können, die große Aehnlichkeit mit dem Manne des Hotel de chemin de fer du Nord haben. Der Mann, welcher auf dem Postbüreau war, und der, welcher im genannten Hotel wohnte, sind also eine und dieselbe Person. Der Postdirector ist in Verzweiflung, daß er ihn nicht hat verhaften lassen. Von Guebwiller ging ich nach Roubaix. Dort bestätigte man mir Alles, was ich im Elsaß gehört. Gustav Kink ist in der That 16 Jahre alt. Er steht dem Manne, der sich der Papiere seines Vaters bedient hatte, nicht im Geringsten ähnlich, und Jedermann spricht von ihm in belobenden Ausdrücken. Auf welche Weise hat man sich in Besitz der Papiere des Vaters gesetzt? Wenn ich Ihnen sofort sagen würde, was ich voraus­setze, so würden Sie es nicht glauben. Kink Vater reiste mit seinem Sohne von Roubaix nach Guebwiller, wo sie jedoch nicht angekommen sind. Die Mutter entschloß sich höchst un­gern, sich in Guebwiller, wie es Kink wollte, niederzulassen. Es war ihr deßhalb schmerzhaft, die 5500 Francs dorthin zu senden. Die 5500 Francs wurden in Guebwiller nicht erhoben; man verweigerte sie einem Unbekannten, der sie abholen wollte. Aber zu gleicher Zeit erhielt Frau Kink aus dem Elsaß und aus Paris Briefe, die nicht von der Hand ihres Mannes ge- schrieben waren. „Ich bediene mich der Hand eines Freundes,"