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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. Mi

verbundm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 221

Samstag dm 18. September

1869.

gleich man von zuverlässiger Seite wiederholt die Versicherung erhielt, daß der leidende Zustand des französischen Herrschers keineswegs die ernste Bedeutung habe, welche demselben durch unverbürgte Gerüchte zugeschrieben wurde, so fanden letztere doch vielen Glauben. Diese Gerüchte sind jetzt in über­zeugendster Weise durch die Thatsache widerlegt, daß der Kaiser wieder öffentlich in der Hauptstadt erschienen ist, täglich Ausfahrten macht und bereits mehrfach Be­suche empfängt. Die neuesten Berichte melden, daß die Genesung des Kaisers in erwünschter Weise fortschreitet. — Ueber die preußische Cavallerie bemerkt der militärische Be­richterstatter eines englischen Blattes, welcher den Herbstübungen des 3. Armeecorps beigewohnt hat: „Bei Reitern wie Fuß« truppm zeigen die Manöver die gleiche Gelassenheit und Ruhe; Aufregung und Verwirrung werden überhaupt im preußischen Heere sogleich vermieden. Den Officieren wird ganz besonders eingescharft, eine ruhige gesammelte Haltung zu bewahren, da man mit Recht von der Ansicht ausgeht, daß Unruhe und Hitze bei den Vorgesetzten in der Schlacht sich sehr bald bei den Mannschaften wiederspiegeln würde. Nur wenige Worte werden außer den nothwendigen kurzen scharfen Commandos während der Manöver gesprochen. Vorwurf und Tadel werden dort, wo sie erforderlich sind, ruhig nach Beendigung der Uebungen des Tages ertheilt und mit besonderer Sorgfalt wird darauf gesehen, daß Befehle und Weisungen von den höhern an die ihnen unterstehenden verantwortlichen Befehlshaber, nicht aber direkt an Personen gelangen, welche kleine Abtheilungen kommandiren. So weiß jeder Führer vollkommen, was von ihm erwartet wird, und Alle arbeiten ruhig und gesammelt dem gemeinsamen Ziele entgegen. Auf diese Weise ist es auch dazu gekommen, daß bei der preußischen Cavallerie bei viel geringerer Haft beträchtlich größere Geschwindigkeit erzielt wird als bei den Reitern anderer Nationen. Die Commando- worte sind ebenfalls kürzer und schärfer als in anderen Heeren, und die langathmigen Befehle, von denen daS englische Regle­ment überströmt, sind hier unbekannt. Sieht man auf die be­endeten Manöver zurück, so bleibt am lebhaftesten der Eindruck, welchen die ausgezeichnete Cavallerie auf den fremden Besucher macht. Die Intelligenz der Offiziere, die vom ersten bis zum letzten eine vollkommene Schule in den Dingen besitzen, die der Reiteroffizier wissen muß, die Schnelligkeit, mit der sie sich in dem Terrain zurechtfinden, die gewandte Beurtheilung der Verhätnisse, die zu raschem Entschluß und schleuniger Ausführung leiten, alles gibt Veranlassung zu eingehender ^Beobachtung und Erwägung. Dabei ist das Reiten der Mann­schaften bemerkenswerth gut, was auch von der Art und Weise gilt, wieder Vorpostendienst betrieben wird und darin Meldungen 'erstattet werden. Es gibt nnr wenige Offiziere in England,

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und matenellen Interessen.

Fraitkfurt. 18. September. Die Truppenübungen des 1. Armeccorps vor S. M. dem Könige haben am 13. d. mit der großen Parade zwischen Heiligenbeil und Schirten be­gonnen, der sich die Feldübungen der Truppen anschließen. Am Nachmittage fand auf dem Schlosse in Königsberg ein Festmahl statt,' bei welchem S. M. nach der Ansprache des kommandirenden Generals von Manteuffel folgenden Trink­spruch ausbrachte: „Ich erhebe Mein GlaS, um dem ersten Corps Meine Anerkennung für die Art auszusprechen, wie es heute vor Mir erschienen ist. Zugleich trinke Ich aber auch auf das Wohl der Provinz, aus der dieses Corps hervorge­gangen ist. Das Armee-Corps und die Provinz haben zu allen Zeiten, in guten und bösen Tagen, Meinem Hause und dem Vaterlande treue Hingebung und Aufopferung bewährt. Diese Treue und Hingebung hat das Corps in jüngstver­gangener Zeit auch mit Ausdauer in ernsten Stunden zu paaren gewußt, und dies gibt Mir Bürgschaft dafür, daß der Geist, welcher einst in Tagen schwerer Prüfung die Provinz in dieser Richtung belebt hat, sich auch wieder bewähren wird, wenn gewichtige Momente an uns herantreten sollten. Somit trinke Ich auf das Wohl des ersten Armeecorps und der Provinz, und fordere Sie auf, auch Ihre Gläser zu leeren, um Ihre Wünsche mit den Meinigen zu vereinen." Die schöne Feier in Königsberg, bei welcher die patriotische Theilnahme der Bevölkerung sich überall in lebhaftester Weise kundgab, ist leider durch'einen schweren Unglücksfall getrübt worden: durch den Bruch des Geländers auf der Brücke des Schloß­teichs in Folge starken Andranges wurde ein Theil des darauf befindlichen Publikums in das Wasser hinabgestürzt. Die Zahl der Verunglückten ist noch nicht festgestellt; doch ist schon jetzt eine Anzahl von Leichen aufgefunden worden. — Die Königin Augusta ist von Schloß Mainau, nachdem sie zu­vor noch einen kurzen Aufenthalt in der Schweiz genommen hatte, am 10. d. in Baden zur Herbstkur eingetroffen und hat daselbst am 12. den König der Belgier empfangen. — Während des Aufenthalts des Königs in Schloß Pansin, bei Stargard, traf auch der Bundeskanzler Graf Bismarck, daselbst ein. Der hohe Staatsmann wohnte im Gefolge S. M. den Truppenübungen bei und nahm auch an dem zu Ehren des Königs von den Ständen des Saatzger Kreises veran­stalteten Festmahl Theil. Nach der Abreise des Königs von Pansin ist Graf Bismarck wieder auf sein Gut Varzin zurück­gekehrt. — Seit einigen Wochen sind über das Befinden des Kaisers Napoleon III.Nachrichten verbreitet worden, welche in weiten Kreisen Unruhe und Besorgniß erregt haben. Ob­