ZuteNtgeaz-Blatt
der MM Frankfurt s. M^ verbundm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage»
(Expeditton: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasie 21.)
M 215 Samstag den 11. September 1869.
tündlich sich weiter zu vervollkommnen. Keine Mühe wird gespart, die Erfahrungen der größten wie der kleinsten Natton werden benutzt, um etwas Nützliches zu lernen, und vom Prinzen bis herab zum Gemeinen strebt Jeder, seine militärische Tüchtigkeit täglich zu vermehren. Der König geht mit gutem Beispiele voran. Es ist in der That eine wunderbare Nation." — Die Beziehungen zwischen der türkischen Regierung und dem zur Pforte im Lehnsverhältnisse stehenden Vicekönig von Aegypten haben seit einiger Zeit eine gewisse Spannung angenommen. Die Pforten-Regrerung glaubte in dem Verhalten des Vicekönigs Anzeichen zu finden, daß derselbe über daS Maß der ihm eingeräumten Selbstständigkeit hinaus nach völliger Befreiung von der Oberlehnsherrlichkeit der Türkei trebe, und hat schließlich bestimmte Forderungen gestellt, von denen sie die Fortdauer der dem Vicekönig bisher zugestandenen Vorrechte abhängig macht. Mehrfach ist die Ansicht laut geworden, es sei von Seiten des Vicekönigs eine ablehnende Antwort und in Folge dessen ein ernstes Zerwürfniß zwischen der Türkei und Aegypten zu besorgen. In den bisherigen Nachrichten von zuverlässiger Seite findet diese Besorgniß zur Zeit keine Bestätigung. Man darf vielmehr auf eine friedliche Regelung der bezüglichen Verhältnisse hoffen, und diese Hoffnung wird durch die That sacheverstärkt, daß alle Großmächte in dem Wunsche übereinstimmen, die Ruhe im Orient ungestört zu erhalten.
UeberbliL der Ereignisse im Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.
Frankfurt, 11. September. Die diesjährigen großen Uebungen der preußischen Armee erfreuen sich besonders lebhafter Aufmerksamkeit von Seiten des Auslandes. Aus den bedeutendsten Militärstaaten sind hochgestellte und durch Sach- kenntniß ausgezeichnete Offiziere erschienen, um im Gefolge Sr. Majestät des Königs den Manövern beizuwohnen. Das angesehenste englische Blatt, die „Times", bringt aus kundiger Feder eingehende Berichte, in welchen folgende'Stelle enthalten ist: „Es ist wirklich wunderbar, die Fortschritte zu sehen, welche daS preußische Heer seit 1866 gemacht hat. Die damals gemachten Erfahrungen sind augenscheinlich für die preußischen Heerführer nicht verloren gegangen. Weit entfernt vielmehr von dem Gedanken, daß der Erfolg eine Bürgschaft der Vollkommenheit sei, sind sie eifrig bemüht gewesen, die Fehler
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* Friedberg, 6. September. Nach länger als dreimonatlichem Aufenthalte in unserer Stadt, hat S. K. H. der Grobherzog dieselbe heute in der Frühe verlassen, um sich in die Residenz zurück zu begeben. Für die Bewohner Friedbergs und Umgegend muß eS erfreulich sein, zu vernehmen, daß S. K. H. im Laufe des nächsten Sommers wiederum für längere Zeit seinen Aufenthalt in unserer Stadt zu nehmen gedenkt. Dem hiesigen Jägerbataillon, welches am SamStag in seine Garnison wieder einmarschirt war, wurde gestern Vormittag eine bis jetzt noch entbehrte, sehr schöne neue Fahne mit einer Ansprache von Seiten des Herrn Major An schütz auf dem !Paradeplatze in feierlicher Weise übergeben, worauf S. K. H. der Groüberroa in der Uniform der Jäaer erschien und mit
ihres Heerwesens hervorzusuchen und zu verbessern, und man muß es anerkennen, ihre Anstrengungen in dieser Richtung sind mit Erfolg gekrönt worden. Man könnte vielleicht einwenden, es sei nicht ganz unparteiisch, das dritte ArmeecsrpS als Muster dessen hervorzuziehen, waS die ganze preußische Armee sei, indem jenes Corps von einem Prinzen kommandirt wird, der selbst bei Friedensübungen unter den Vorposten auf Stroh schläft, der als hervorragender Offizier bekannt ist und dreimal mit gutem Erfolg eine große Armee vor dem Feinde kommandirt hat; allein selbst mit solchen Vortheilen kann das dritte Armeecorps den übrigen Heerestheilen nicht so weit überlegen sein. Die Kavallerie, welche aus Mannschaften re- krutirt ist, die von Kindesbeinen an die wilden Pferde in den Ebenen von Westpreußen getummelt, geht über Hindernisse in einer Weise, welche die Äewunderung und den Neid der berittenen Corps einer Nation erregen muß, die den Ruhm ihrer Reitergeschicklichkeit als Erbstück betrachtet. Der Infanterist trägt seinen schweren Tornister und marschirt unter einer Last von im Ganzen 60 Pfd. nicht nur während dieser Uebungen täglich viele Meilen zum Sammelplatz, sondern betheiligi sich auch dabei an diesen Manöverkämpfen und rennt über durchschnittenes Terrain, Sturzacker und Kartoffelfelder in einer Weise, welche den fremden Zuschauer mit Ueber- r „ , , „ , raschung erfüllt. Dabei sieht man niemals Nachzügler und der Großherzog in der Uniform der Jäger erschien und mit nach einer verlorenen Schlacht oder einem gefährlichen Rück- der Suite die Fronte der im Paradeanzug aufgestellten K gewahrt man den Soldaten mit Spate und Schaufel Bataillons passirte. Am Mittage erfreute sich die Mannschaft it, die Schwäche an Zahl aufzuwiegen und durch taktische eines festlichen Mahles, während das Offiziercorps zur groß- Geschicklichkeit die Vortheile wiederzugewinnen, welche ihm herzoglichen Tafel befohlen war. Am Abend fand großer durch die Ueberzahl entrungen wurden. Allein obschon die ^Zapfenstreich statt. — Die Uebergabe einer Fahne an das Preußen sich für gute Soldaten ansehen, so ruhen sie doch zweite Jägerbataillon erfolgt heute in Offenbach.
darum nicht auf ihren Lorbeeren, sondern suchen täglich undl