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Anteilige nz-BIatt

der MM Franksutt n. M.,

verbundm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 213

Donnerstag dm 9. September

1869.

iS der Ereigniße im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

aus den Häfen des schwarzen Meeres beziehen muß. Mr die zahlreichen Landesprodukte, Wein, Oliven, Orangen und Wolle, ist, mit Ausnahme des Seetransports, keine nennenswerthe Gelegenheit zum Absatz vorhanden. Durch die fehlenden Com- mumcationswege wird das Emporkommen eines blühenden Handels daher vollständig unmöglich gemacht. Der Industrie gegenüber kommt noch ein anderes Hinderniß hinzu. Es ist dies der Mangel an Brennmaterial. Spanien hat bekanntlich keine großen Wälder. Nur 51/2% seiner Oberfläche können als Waldboden gelten. Es ist demnach auf die Steinkohle an­gewiesen. Die eigene Production ist eine kaum bemerkenswerthe; sie beträgt 450 Millionen Kilogramme, während diejenige der 272 Quâdratmeilen großen Sachsens auf 1850 Millionen

Kilogramme veranschlagt wird. Demongeachtet wurde seither, um die einheimische Production nicht zu benachtheiligen, die eingeführte Kohle mit einem Zolle von $>% Realen per Tonne (ungefähr 39 kr.) belegt. Es ist daher begreiflich, daß von einer spanischen Industrie kaum die Rede sein kann, und die großen Mineralschätze des Landes, Silber, Kupfer, Quecksilber, Blei, Eisen u. s. w. liegen nutzlos im Boden. Ganz Spanien hat nur 39 Hochöfen aufzuweisen. Deu Arbeiterstand kennt Spanien so gut wie nicht. Es sei denn, man rechne hierzu die Maulthiertreiber und herum- wandernden Hausirer. Drese herumwandernde Bevölkerung ist auf 459,000 Menscheti zu veranschlagen; sie macht 3% der der 15% Millionen betragenden Gesammtbevölkerung aus und aus ihr recrutiren sich die Räuber und Schmugglerbanden und die Haufen, die zur Zeit von Bürgerkriegen das Land beun­ruhigen. Der Stand der Ackerbauer ist es, der von einem weiteren Uebel, welches das Emporkommen Spaniens hindert, mit empfindlich getroffen wird. Wir meinen die allgemeine Unwissenheit. Nach dem annuario estatistico, einer officiellen Zeitschrift, wurden im Jahre 1860 unter 15,673,000 Spaniern 11,837,000 gefunden, die weder schreiben noch lesen konnten. Lesen, aber nicht schreiben konnten 705,660 Personen. Der Adel hat einen großen Theil des Grundbesitzes in Händen. Er ist sehr zahlreich (am Ende 1856 zählte man 1356 Granden von Spanien, worunter 75 Herzoge, 516 Grafen, 648 Mar­quisen, 65 Viscontes und 55 Barone) er kann aber nicht wie

grautf urt , 9. September. (Die Ursachen der spanischen Revolutionen.) Wenn es richtig ist, daß die materielle Wohlfahrt eines Landes eine Garantle für die, geregelte Entwickelung seiner politischen Zustände bietet, und i daß ohne diese eine dauerhafte politische Ordnung nicht be- i gründet werden kann, so liefert uns Spanien hierzu ein in die Augen fallendes Beispiel. In den civilisirten Staaten sind । es drei Stände, welche an der Erhaltung des Bestehenden. vorzugsweise ein Interesse haben. Es sind dies die Ackerbauer, die Handel- und Gewerbtreibenden und der Arbeiterstand. Wie es mit diesen drei Classen der Gesellschaft in Spanien beschaffen ist, dafür Folgendes. Gewerbe und Handel be­dürfen, wenn sie emporkommen sollen, vor Allem der Verkehrs­wege. Diese beschränken sich in Spanien auf ein Minimum.

Das 9071 Quadratmeilen große Spanien besaß im Jahr 1864 14,571 Kilometer Straßen; nicht viel mehr als das

454 Quadratmeilen umfassende Würtemberg, und es ist That­sache, daß unter diesen Straßen die mit unseren Staatsstraßen rangirenden Straßen erster Classe vielfach in einem so ver­wahrlosten Zustande sich befinden, daß die Fuhrleute sich ge­zwungen sehen, auf dem nebenanliegenden Felde einen besseren Weg zu suchen. Noch kläglicher sieht es mit den Eisenbahnen aus. Man rechnet in Spanien 0,44 Kilometer auf die Quad­ratmeile, während in Belgien 4,79 Kilometer auf dieselbe Fläche entfallen. Der Mangel an Straßen hindert wieder das Emporkommen der Eisenbahnen und noch heute muß die Regierung diesen eine große Subvention bewilligen. Der

Staat und die Provinzen zahlen den Eisenbahnen Subventio­nen im Betrage von mehr als 50 Millionen Realen. Der Nutzen einer Station vermag sich nur in ihrer nächsten Um­gebung fühlbar zu machen, da man zum Transporte der Waaren m Folge des Zustandes der Straßen beinahe ausschließlich auf Maulesel angewiesen ist. Ein Eisenbahnwagen wird durch­schnittlich mit 200 Centnern befrachtet; es sind also, da man rmem Esel nicht mehr als 2 Centner aufladen kann, minde­stens 100 dieser Thiere erforderlich, um die Belastung für einen Waggon herbeizuschaffen. Es ist ferner begreiflich, daß,anderwärts als ein Träger des conservativen Princips gelten, eine Reihe Industriezweige, so lauge man auf diese Art des da derselbe bereits lange vollständig seines Einflusses beraubt Transportes angewiesen ist, vollständig unmöglich siizd. Durch ist. „Denn", sagt ein vortrefflicher Aufsatz über Spaniens den Mangel, man könnte fast sagen, durch die vollständige politische Lage in der Zeitschrift „Welthandel", „das Patro- Abwesenheit aller Verkehrswege, geschehen in Spanien die ex- natswesen ist es, was in Spanien das politische System er» orbltantesten Dinge, und es kann vorkommen, daß man in setzt. Das Patronatswesen herrscht in der Administration bis “er Provinz Estremadura aus Mangel an Transportmitteln zur höchsten Sprosse der hierarchischen Leiter hinauf, so daß

Korn den Schweinen füttert, während man in Murcia, bei einem Ministerwechsel alle Beamten, vom höchsten bis zum ! â einer Hungersnoth zu steuern, das Getreide massenhaft letzten, ihre Stellen verlieren und durch neue ersetzt werden