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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

â 199

Dienstag den 24. August

1869.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und matmellen Interessen.

Wickelungen heraufbeschwören oder begünstigen wollten. Bei Beurtheilung der Aussichten in die Zukunft wendet sich begreiflicher Weise die Aufmerksamkeit besonders auf die im Mittelpunkt Europas gelegenen Mächte: Frankreich, Oesterreich und Preußen. Es lag in der Natur der Dinge, daß durch die gewaltigen Ereignisse des Jahres 1865 und die in Folge derselben unvermeidlichen Umgestaltungen die gegenseitige Stellung der drei genannten Mächte mancherlei Schwankungen und Anfechtungen erfahren mußte. Gerade die Empfindung eines solchen, noch vielfach ungeklärten Verhältnisses, welche bei einzelnen Zwischenfällen noch in erhöhte Spannung ver­setzt wurde, unterhielt eine dauernde Unruhe in den Gemüthern und ließ dieselben von der Besorgniß drohender Kriegsgefahr nicht frei werden. Indessen ist der Friedensstand zwischen den drei Mächten ungestört geblieben; die neue Gestaltung Deutsch­lands hat nicht nur im Völkerrecht, sondern auch im öffent­lichen Bewußtsein festen Boden gewonnen, und die allseitig wiederholte Betheuerung friedfertiger Absichten konnte umso­weniger ihren Eindruck verfehlen, als man nicht darüber in Zweifel war, daß allen Theilen die Fortdauer des Friedens zu Statten komme. In Frankreich haben sich freilid) zuweilen noch Stimmen hören lassen, welche im Geiste einer über­wundenen Vergangenheit für die französische Politik das Recht in Anspruch nehmen, über die Entwickelung der deutschen Ver­hältnisse Aufsicht und Vormundschaft zu führen. Glücklicher Weise sind diese Stimmen, deren Anmaßung das Nationalge­fühl des deutschen Volkes mit Entschiedenheit zurückweist, auch in Frankreich ohne tiefer greifende Wirkung verhallt. Die fähigsten und einflußreichsten Führer aller ' Parteien haben für das Recht der deutschen Nation, wie für die Vortheile eines freundschaftlichen Einvernehmens mit dem Nachbarvolk, ein offenes Verständniß gezeigt, und aus den jüngsten Wahlen für den gesetzgebenden Körper ist eine Mehrheit hervorge­gangen, welche sich zu der Losung: „Friede mit Deutschland" als zu einem leitenden Grundsatz für die auswärtige Politik Frankreichs bekennt. Der Kaiser Napoleon selbst hat bei allen Gelegenheiten feierlich seine Achtung vor dem Recht der Nationalitäten ausgesprochen und die Versicherung gegeben, daß seine Bemühungen auf die Erhaltung des Friedens ge­richtet seien. Die jüngste Wendung, welche in den inneren ; Zuständen Frankreichs eingetreten ist, erscheint ganz besonders geeignet, dem Glauben an die friedlichen Absichten des Kaisers eine festere Grundlage zu geben. Durch die einer nahen Ver- I wirklichung entgegengehende Umgestaltung des Sirafgrundge- setzes, welche der Volksvertretung einen gewichtigen Einfluß

Frankfurt. 24. August. (Die friedliche Lage

Europa'S.) Bei der jüngst erfolgten Vertagung des briti­

schen Parlaments gab die Königin Victoria in der an die

Landesvertretung gerichteten Abschiedsbotschaft die Versicherung,

„ihr Vertrauen in die Fortdauer des Friedens sei im Laufe des Jahres erhalten und befestigt worden." Diese Versiche­rung hat mit Recht einen günstigen Eindruck auf die allge­meine Stimmung in Europa, wie in Großbritannien gemacht, sucht nur weil sie in unzweideutige und bestimmte Worte ge- ist, sondern auch weil die englische Regierung seit längerer Zeit eine so unparteiliche und ruhig beobachtende Haltung den schwebenden Streitfragen gegenüber eingenommen hat, daß sie zu einem unbefangenen Urtheil vorzugsweise befähigt und durch keinerlei Nebenabsicht veranlaßt erscheint, den Ausdruck desselben durch eine berechnete Färbung zu trüben. Ganz besonderes Gewicht aber erhält die Kundgebung des englischen Kabinetè dadurch, daß sie in den allgemeinen Verhältnissen Europa's, wie in den eigenthümlichen Zuständen der leitenden Mächte volle Bestätigung findet. In der That, auf die Erschütterungen des JahreS 1866 ist nicht nur ein dreijähriger Zeitraum un­unterbrochenen Friedens gefolgt; auch die Aufregung und die Unsicherheit, welche mit jeder Neugestaltung verbunden sind, treten augenscheinlich immer mehr zurück. Das öffentliche Urtheil befestigt sich in der Ueberzeugung, daß bei der gegen­wärtigen Lage der Dinge die Bahn friedlicher Entwickelung für die europäischen Länder frei liegt; auf der politischen Tagesordnung, steht augenblicklich keine Streitfrage, welche zu der Besorgniß ernster Verwickelungen oder gar eines kriegeri­schen Zusamnlenstoßes Anlaß gäbe. Die Stellung Englands unter den Großmächten findet sich, wie schon angedeutet, mit den Anforderungen der gegenwärtigen Lage in vollem Einklang. Mehr und mehr kommt bei den leitenden Geistern, wie bei der Bevölkerung des Juselreichs der Grundsatz zur Geltung, daß die Förderung des nationalen Wohls nicht in einem Zu­wachs an Macht und Einfluß, sondern in dem Streben nach inneren Verbesserungen und in dem Aufschwünge des wirth- jchastlichen Lebens, unter Wahrung friedlicher und freund- ichaftlicher Beziehungen nach außen hin, zu suchen ist. In verwandter Lage befinden sich Italien und Rußland.

Staaten bedürfen der kräftigsten und nachhaltigsten An- M-Mngen, um ihre inneren Angelegenheiten und namentlich M Fmanzverhältnisse in eine gedeihliche Ordnung zu bringen; <rpcv, loemje uer -oorrsverlrerung einen gewicyngen Emsiutz ; daher mit ihren wichtigsten Lebensintercssen auf die auf die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten zuweist, ist . des Friedens hingewiesen und würden dieselben in eine Bewegung angebahnt, welche zunächst alle Aufmerksamkeit «iPIWidjer Weise schädigen, wenn sie kriegerische Ber- der Regierung und alle Kräfte der Station ausschließlich in

Verbesserungen und in dem Aufschwünge des Wirth­en Lebens, unter Wahrung friedlicher und freund-