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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M,

verbunden mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expeditton: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 197

Samstag den 21. August

1869.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Jutereffen.

Frankfurt, 21. August. (Die Schlacht bei Bergen.) DaS bevorstehende Schauspiel größerer militärischer Feldübungen wird am 3. September mit einer Nachahmung der am 13. April 1759 stattgehabten Schlacht von Bergen seinen Abschluß finden. Es mag für unsere Leser, von denen gewiß Biele die bevor­stehenden Manöver sich selbst mit ansehen werden, nicht ohne Interesse sein, wenn wir eine kurze Schilderung der in dieser Weise in die Erinnerung des lebenden Geschlechtes zurückge­rufenen Schlacht bei Berg« zwischen der Kaiserin Ml des Königs Ludwig XV.

Weise in die Erinnerung des lebenden Geschlechtes zurückge­rufenen Schlacht bei Bergen geben. In Folge des Bündnisses zwischen der Kaiserin Maria Theresia von Oesterreich und des Königs Ludwig XV. von Frankreich gegen Friedrich II. von Preußen , befand sich feit 1757 eine französische Armee in Deutschland, die mit abwechselndem Erfolge gegen die von dem Herzog Ferdinand von Braunschweig kommandirte sogen, alliirte Armee kämpfte, welche aus Hannoveranern, Braun­schweigern, Hessen, Bückeburgern, Gothaern, und später auch Engländern und Preußen bestand. Herzog Ferdinand vertrieb die Franzosen 1758 auS Hannover, gewann einen Theil der Rheinprovin^ wieder, mußte aber nach einem unglücklichen Gefecht bei Sandershausen, unweit Cassel, bei dem '.-er Prinz von Isenburg befehligte, über den Rhein zurückgehen. Die Franzosen besetzten nun die Rhein- und Maingegend, errichte­ten bedeutende Waffendepots und Magazine, um sich bleibend festzusetzen. Die Stadt Frankfurt war in diesen Kämpfen neutral geblieben und eine Zeit lang wurde ihre Neutralität auch respektirt. Als aber am 1. Januar 1759 ein größeres Corps Franzosen unter dem Oberbefehl des Baron v. Wurmser in die Stadt einrückte, wurden Plötzlich die Wachthäuser über­rumpelt, die geringe Mannschaft nach Hause geschickt, die Thore besetzt und dem Magistrat angekündigt, daß die Stadt besetzt bleibe, aber in ihren Rechten und Freiheiten geschützt werden würde. Die Frankfurter vertrugen sich mit ihren unfreiwilligen Gästen, die erst 1763 die Stadt wieder räumten, sehr gut. Die Franzosen hielten gute Mannszucht, bezahlten und brachten viel Geld in Umlauf. Ihr Oberbefehlshaber, Prinz v. Soubise, war ein sehr leutseliger und vergnügungssüchtiger Mann, Gastmahle, Bälle, Theatervorstellungen und Vergnügungen aller Art, nahmen kein Ende, woran die Frankfurter bald großen Gefallen fanden. Herzog Ferdinand hatte Anfang 1759 in der Gegend von Fulda feine Armee concentrirt, um gegen Frankfurt vorzurücken und die Franzosen aus dieser wichtigen Stellung zu vertreiben. Ueber die französische Armee hatte als Nachfolger des Herzogs Soubise der Herzog von Broglio, ein t"' “ ' * ' ' " ' ■ — ' -" "'

nommen

Widerstand. Er besetzte die ganze Umgegend von Frankfurt, beorderte das Fischer'sche Corps nach Friedberg zur Deckung der dortigen Fouragemagazine und verstärkte die Besatzungen von Gießen, Hanau und Gelnhausen. Benachrichtigt von dem Anmarsch der Alliirte«, zog er Anfangs April bei Bergen seine ganze Armee zusammen und ließ sie in der Nacht des 12. April eine feste Stellung einnehmen. In und um Bergen standen 8 Bataillone, hinter Bergen 14 Bataillone unter den Generalen von Orlik, v. St. Chamans und dem Prinzen Camille von Lothringen. Das Centrum von Bergen bis zur Berger Warte bildeten 32 Schwadronen Reiterei unter dem Chevalier Polletier. Vordemselben, längs des Hohlwegs, stand die Artillerie unter den Generalen de Beaugreau und de Castries. Den linken Flügel, vom Vilbeler Wald bis zur Friedberger Chaussee bildeten 24 Bataillone französische und sächsische In­fanterie und 12 Schwadronen Reiterei. In dem Vtlbeler Wald waren Jäger und Husaren vertheilt. Auf dem Vilbeler Berg war eine sächsische Batterie von 16 Kanonen aufgepflanzt. Die Gesammtmacht der Franzosen betrug etwa 35,000 Mann. Prinz Ferdinand marschirte in Eilmärschen auf Frankfurt zu. Am l(T April war seine Armee bis Freiensteinau, am 11. bis Büdingen, am 12. bis Windecken gerückt. Von da ging sie am 13. in aller Frühe gegen die feindliche Armee vor. Die als Avantgarde kvmmandirten Jäger und schwarze Husaren nahmen bei Kilianstädten das ganze Gepäck eines französischen Regi­ments weg und vertrieben die Franzosen aus Vilbel. Das Hauptcorps formirte sich Morgens zwischen 8 und 9 Uhr in dem Thalgrund zwischen Vilbel und Bischofsheim und drang wegen der grundlosen Wege langsam gegen die Berger Höhe vor. Die alliirte Armee bestand aus etwa 24,000 Mann Infanterie (nach Anderen 27,000 Mann) Han­noveraner, Braunschweiger und Kurhessen, 6000' Mann Dragoner, Husaren und reitenden Jägern—Engländer, Han­noveraner und Preußen. Die Armee rückte in drei von dem Herzog Ferdinand, dem Prinzen von Isenburg und von Holl- stein-Gottorp befehligten Colonnen vor. Nach mehreren Vor­postengefechten that die Avantgarde unter dem hessischen Ge­neralmajor von Gilsa den ersten Stoß gegen die französische Armee, wurde jedoch von dieser mit großem Verluste und der Einbuße der Artillerie zurückgeworfen. Nunmehr machte der Prinz von Isenburg einen Angriff, welcher besser gelang; trotz ihres heftigen Kartätsch-mfeuers mußten die Franzosen zurück­weichen und zwei hannoverische Cavallerie-Regimenter richteten große Verwirrung unter ihnen an. Der Herzog von Broglio , „ . . . . vefahl alsbald das Vorrücken des Centrums, ' sowie der im

Nachfolger des Herzogs Soubise der Herzog von Broglio, Vilbeler Wald stehenden Truppen und entstand jetzt ein heftiger tapferer, kriegserfahrener General, den Oberbefehl über-! und blutiger Kampf, der damit endete, daß die alliirte Armee lmen und traf mit großer Umsicht alle Maßregeln zuufisich zurückziehen und ihren Versuch, Bergen zu nehmen, auf-