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Intelligenz-Blatt

der MM Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichte.n als Extrabeilage.

(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 187

Dienstag den 10. August

1869.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 10. August. Die Nachricht von den Zwistig­keiten zwischen dem Sultan und dem Vicekönig von Egypten und von der Drohung des ersteren, das durch die Verträge von 1841 geschaffene Verhältniß zu brechen, erregt die ernsten Besorgnisse der Times: sie verlangt, daß die europäischen Re­gierungen einschreiten sollen, damit nicht der Friede im Orient gebrochen werde. „Als Theilnehmer an den Abmachungen von 1841, als Unterzeichner des Vertrages von 1856, welcher dem türkischen Reiche eine neue Lebensfrist gab, politisch und finanziell interessirt an dem Wohlergehen der Türkei und Egyptens, haben wir und unsere Nachbarn, die Franzosen, nicht zu reden von anderen europäischen Mächten, ein Recht, zu verlangen, daß ein Streit, welcher sich hauptsächlich auf Fragen der Form und der Etiquette bezieht, nicht bis zu einem Bruche getrieben werde. Wir wollen es gerade heraus sagen, daß England niemals irgend eine Intrigue dulden und noch weniger ermuthigen wird, welche gegen deS Sultans Oberherrschaft gerichtet ist. Aber was auch immer an des Vicekönigs neuerlichem Betragen zu tadeln sein mag, so wird er sowohl wie jeder Andere die Vortheile seiner gegenwärtigen Stellung und die Gefahren einer ehrgeizigen Politik kennen. Vor allen Dingen ist Egypten jetzt sicher,' da es mit einge­schlossen ist in die allgemeine Garantie für die Integrität des ottomanischen Reiches. Es bedarf keiner Flotte und kann seinen Bedürfnissen mit einer kleinen Armee genügen. Der Vicekönig und fein Volk können ihr Geld verwenden, wie sie wollen, während die Unabhängigkeit sofort Regimenter und Panzerschiffe in üblicher Menge mitbringen würde. Die Unabhängigkeit würde über­dies ganz gewiß die elenden Streitigkeiten der europäischen Diplomatie wieder in's Leben rufen und alle Welt mit der Meinung erfüllen, daß Egypten der Boden sei, auf welchem unvermeidlicher Weise England und Frankreich um den vor­herrschenden Einfluß kämpfen müssen. Sollte Jen

käme, würde ein politisches Verfahren sein, über welches ganz Europa ein Recht zu klagen hätte. .... Wir haben gezeigt daß cs nicht im Interesse des Vicekönigs sein kann, des Sultans Autorität abzuwerfen, und wir können hinzufügen, daß er den europäischen Regierungen erklärt hat, er habe keine solche Ab­sichten, wie sie ihm unterstellt werden. Unter solchen Um­ständen würde es von Seiten der Pforte gar nicht zu recht- fertigen sein, die Welt durch übereiltes Vorgehen zu beun­ruhigen; es ist schon mehr als genug geschehen.

Aus der Mähe

* Bad Soden, am Taunus. Die bisherige heiße, trockene, mit Staub gefüllte Atmosphäre war dem Kurge­brauche nicht günstig. In der letzten Zeit war daher der Ab gang der Kurgäste größer als der Zugang.

* Darmstadt, 5. August. Gestern Abend beschlossen so­wohl die Maschinenbauergenossenschaft, wie der Arbeiterverein, den Eisenacher Congreß zu beschicken. Die erstere übertrug ihr Mandat dem Fabrikanten Stuttmann aus Rüsselsheim, der Arbeiterverein schickt eines seiner Mitglieder Dönges. Beide werden die Schweitzer'sche Richtung bekämpfen.

* Mainz, 30. Juli. Nachdem wir nun zum dritten Male die parodistische Operette: „Die Meistersinger, oder das Judenthum in der Musik" von Franz Bittong gehört, können wir uns ein Urtheil über das jüngste Erzeugniß des pro­ductiven jungen Dichters (ein Mainzer), welcher bereits unter dem Pseudonymen Namen Oscar Stern verschiedene Stücke geschrieben, schon erlauben. Die Idee, gerade im Augenblick, wo R. Wagner die unbegreifliche Taktlosigkeit begangen, die Juden für einige seiner Mißerfolge verantwortlich zu machen und zu verhöhnen, eine Parodie auf das bekannte Pamphlet zu schreiben, war eine recht zeitgemäße und bewies der große Erfolg, welchen die Operette, trotz der mangelhaften Auf- „ _ . c „ führung davon getragen, am Besten, daß der Dichter mit seinem ollte Jemanden Egypten Opus dem Publikum aus der Seele gesprochen.

oder anderswo träumen, daß die Politik Mchemed Ali's^ * Mainz, 5. August. In Wiesenau hat sich heute Vor- noch einmal versucht werden könne, so ist er sehr im Irrthum. Zmittag der traurige Fall ereignet, daß ein Kind erstickte, und Die Autorität des Sultans, damals in dem tiefsten Verfall zwar unter folgenden zur Vorsicht mahnenden Umständen. Die und moralisch erschüttert durch lange Mißregierung, ist jetzt Eltern waren auf dem Felde und ließen ihre drei Kinder zu anerkannt als die wesentlichste Bedingung der Sicherheit, und Hause. Das jüngste schrie, als die beiden älteren Geschwister keine Klasse des egyptischen Volkes würde dem Vicekönig bei- sich entfernen wollten, um dem zur bevorstehenden Kirchweihe stehen, wenn er sie herausfordern wollte. Diese Betrachtungen stattfindenden Aufschlagen des Caroussels beizuwohnen. Sie sollten die Pforte dahin führen, die Schwierigkeiten mit deckten daher das Kind mit einem Oberbette zu, um es am Mäßigung zu behandeln. Dem Zorn nachzugeben und den Schreien zu verhindern. In Folge dessen dasselbe den Tod Frieden des Orients zu gefährden durch Zurücknahme des durch Ersticken gefunden haben soll.

Fermans von 1841 oder was noch schlimmer wäre, durchs * Wiesbaden, 3. August. Für die Einweihung der , irgend einen Schritt, der einer feindlichen Demonstration nahe, neuen Synagoge ist hiesigen Blättern zufolge, nachstehendes

* Mainz, 5. August. In Wiesenau hat sich heute Vor.