Zntelltgenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 183
Donnerstag den 5. August
1869.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen nud mit einer Lokomotive von io Wagen; materiellen Interessen. ^n^t™^r™a „w^
Frankfurt, 5. August. (Der Brand von Gefle.) Die Stadt Gefle, die südlichste, älteste und bedeutendste in i Norrland (Schweden), belegen zu beiden Seiten des ziemlich bedeutenden Flusses Gaflea an der Mündung desselben in eine Bucht der Ostsee oder vielmehr des Bottnischen Meerbusens, ! zählte am Ende des vorigen Jahres 13,315 Einwohner; sie war also in dieser Hinsicht die sechste in Schweden, stand aber in merkantiler Hinsicht bedeutend höher, indem sie im Schiffbau die erste, in der Rhederei die zweite und im Handel die dritte Stadt des Landes war; auch in industrieller Hinsicht nahm sie einen hohen Platz unter den schwedischen Städten ein. Von dieser Stadt ist der bei Weitem größte, regelmäßigste und reichste, an der Nordseite des Flusses belegene Theil mit allen an der Mündung desselben belegenen Magazinen und Schiffswerften am 10. und ll. Juli ein Raub der Flammen ! geworden. Am 10. brach nämlich um die Mittagszeit in einer Tischlerwerkstätte durch die Unvorsichtigkeit beim Leimkochen Feuer aus und verbreitete sich bei dem herrschenden starken Westwinde mit unhemmbarer Schnelligkeit über den ganzen nördlichen Stadttheil und zwar nicht allein in der Richtung des WindeZ, sondern auch nach den übrigen Seiten, so daß am Sonntag Abend so gut wie gar nichts davon übrig war und es nur der auf der Eisenbahn und überhaupt aus der Umgegend angekommenen frischen Mannschaft mit der größten Anstrengung gelang, den kleineren, unregelmäßiger gebauten Stadttheil — kaum ein Drittel der Stadt — zu retten, was besonders dadurch erschwert wurde, daß der mit gleicher Stärke anhaltende Wind sich gegen Norden wandte und brennende j Trümmer über den Fluß trieb, die auch hier und da zündeten, aber glücklich gelöscht wurden; erst am Montag Morgen gegen 10 Uhr war alle weitere Gefahr vorüber. Gerettet sind außer ‘bem südlichen Stadttheile nur die Kirche, das Pfarrhaus, das Lazareth, einige wenige Höfe, das Stattonshaus der Eisen- bahn, das dabei gelegene Eisenbahnhotel, die Reparationswerkstätte und das Gütermagazin der Eisenbahn, sowie die bedeutenden Bretterhöfe. Abgebrannt sind: das Rathhaus (eines der schönsten in Schweden, in welchem bei dem letzten Reichstage unter Gustav IU. im Jahre 1793 der Bürgerstand seine Ueberlegungen hielt und dessen Brand am Längsten dem südlichen Stadttheile Verderben drohte) das Stadthaus, Zollhaus, Posthaus, Tele- graphenhaus, das Theater, die Druckerei ic., die Steffèn- buraischen Müblen die Kchiffswerste. in Westen n A im«
um uuu ^uivuivnvi uuu iu xouytu ; die Urkunden des Hypothekenvereins, obgleich in einem brandfreien Gewölbe verwahrt, sind mit dem Lokale desselben verbrannt, doch sind die Bücher desselben, so wie die Urkunden und Bücher der Filialbank, der Bank der Mälarprovinzen und der Sparbank, deren Lokale ebenfalls in Asche gesunken sind, gerettet und auf Fahrzeuge geschafft worden, welche auf der Rhede Sicherheit vor dem verheerenden Elemente gefunden haben; die bedeutende und werthvolle Bibliothek des Gymnasiums und das
naturhistorische Museum sind verbrannt; überhaupt hat außer den Magazinen, welche mehrere Reihen mehrstöckiger Gebäude bildeten, die Feuersbrunst 7—800 Häuser und Höfe verzehrt und über 8000 Personen, die von ihren Habseligkeiten wenig oder nichts gerettet haben, sind ohne Obdach uno suchen ein solches zum Theil in der Umgegend, oder sie campiren in den Zelten, die in aller Eile von den Regimentern aus der Um-
0 hingeschafft sind; zur Ausführung Provisioneller
'en werden die zu allem Glück verschont gebliebenen Bretterhöfe die erforderlichen Materialen liefern. Ein Glück bei allem Unglück ist es außerdem, daß nur wenige Menschen bei dem Brande verunglückt sind; die höchste Angabe ist vier, andere zwei und eins. Der Schaden läßt sich noch gar nicht berechnen, doch glaubt man, ihn wenigstens auf 10 Millionen veranschlagen zu müssen; Vieles davon ist nicht versichert, nach einem ungefähren Ueberschlage hat die Brandversicherung der schwedischen Provinzstädte allein über vier Millionen auszuzahlen. Der berühmte Ingenieur Nils Ericson ist beauftragt, für den Wiederaufbau der Stadt Risse zu liefern, und eS leidet keinen Zweifel, daß die Stadt sich schöner aus der Asche erheben wird, obgleich der erlittene Verlust immer schmerzhaft bleibt.
* Frankfurt, 4. August. (Assisen.) In der gestrigen Abendfitzung, sowie in der Sitzung von heute wurde mit der Vernehmung der verschiedenen Zeugen fortgefahren, die, wie in der Voruntersuchung, sich dadurch zu entlasten suchen, daß sie sich gegenseitig die Anstiftung rum Verbrechen zuschieben, besonders suchen Schneider und Stieglitz, die graoirtesten und intelligentesten Mitglieder der Bande, dies Manöver in großem
Maße zu machen, und überbieten sich gegenseitig nickt ohne große Gereiztheit und Heftigkeit in Vorwürfen und Beschuldigungen. Schneider erklärt, Stieglitz habe ihm gesagt, wenn sie frei ■ r7—,—, — -<>»•«> -v ~^vm 4V, v«. s_m111». !(iuiCH, wollten sie das Geschäft wieder fortsetzen, und alle fünf mrglfchen Mühlen, die SchiffSwerfte, in welchen u. A. zwesiSchritte von hier bis nach Caflel solle ein Todter liegen. Diese saft ganz fertige Fahrzeuge auf dem Stapel standen, die be- Bekenntnisse einer schönen Seele riefen große Aufregung im fänden Magazine der Kaufleute, in deren einem gegen Publikum hervor. Als Vertheidiger fungiren für Schneider io,wu Kumkfuß Roggen verwahrt wurde, der Lokomotivstall Hctr Dr. Reinganum jr., für Stieglitz Herr Dr. Var-