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Jntelltgeuz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse.F1.)

M 181 Dienstag den 3. August 1869. ■ ■

Ueberblick der Ereigniffe im Gebiete der politischen und matmetten Jatereffen.

Frankfurt, 3. August. (Die Finanzlage Indiens.) Nachdem durch das Vordringen Rußlands gegen die indo- britrsche Grenze durch die große Rolle, welche Indien jetzt als baumwollUefernder Staat spielt, und durch die mit raschen Schritten der Vollendung entgegengehende europäisch-indische Telegraphenverbindung das Interesse für die politischen und finanziellen Zustände des großen asiatischen Staates nicht blos in England, sondern auch auf dem Festlande gestiegen ist, dürfte es an der Zeit sein, die finanzielle Lage Indiens übersichtlich ins Auge zu fassen. Die Angaben des indischen Ministeriums bieten dafür erwünschte Anhaltspunkte. Seit

dem Jahre, welches dem großen Aufstande vorherging, bis aus den heutigen Tag haben sich die Staatseinnahmen Indiens von 33,330,000 auf 48,500,000 L., sowie um 45l/3 pCt. ge­hoben, doch stiegen in demselben Zeitraume die Ausgaben in gleichem Maßstabe, nämlich von 33,000,000 auf 49,500,000 L. Die eine Hälfte der gestiegenen Einnahmen verdankt ihr Da­sein neuen Steuerauflagen', die andere Hälfte dem größeren Ertrage der Bodensteuer (um 2 Mill. L.), der Opiumsteuer (um 4 Mill. L.) und dgl. mehr. Im Jahre vor dem Auf­stande hatte die Einfuhr den Werth von 29 Mill. nicht er­reicht, ini Jahre 1866—67 war sie bereits auf 44 Mill, an­gewachsen, was eine Steigerung von 55 pCt. ausmacht, während gleichzeitig die Ausfuhr von 26,500,000 auf 50,200,01'0ß., somit um nahezu 90 pCt. vermehrt worden war. Hier haben wir somit Licht und Schatten gepaart, in so fern als gleich­zeitig mit den Staatseinnahmen und dem Verkehre auch die Staatsausgaben gleichzeitig anwuchsen. In der That hatte das gewohnte Defizit während eines Zeitraumes von sieben Jahren nur dreimal einem bescheidenen Ueberschusse Platz ge­macht, und ist die Staatsschuld Don 53,500,000 auf 96,250,000 2. an geschwollen. Die Veranlassung dazu lag nun allerdings in der großen Rebellion, aber von einer namhaften Ermäßigung des Budgets ist leider noch heute keine Rede. Letzteres klingt wenig trostreich, doch ist andererseits hervorzuheben, daß die Defizits der letzten Jahre sich allesammt auf die Anlage der Eisenbahnen, Kanäle und anderen öffentlichen Bauten zurückführen lassen, somit auf Ausgaben, die in anderen Staaten gewöhnlich durch Anleihen, nicht aber durch die ordentlichen Staatseinnahmen gedeckt werden. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet und in Erwägung, daß die erwähnten Bauten zur raschen Ent- wmelung der Hülfsquellen des Landes dienen, sehen sich die

Regierung zu dem Entschlusse gelangt, den Weiterbau derselben von nun an selber in die Hand zu nehmen. Es ist dies ein sehr gewaltiges Unternehmen, denn um das projektirte Bahn­netz zu vollenden, bleiben noch an 7000 Meilen zu bauen übrig. Bisher lag der Bau in den Händen von Privatgesell- schasten , denen ihr Anlagecapital von der Regierung mit 5pCt. garantirt wurde. Die Folge dieser Garantie war, daß die Ge­sellschaften bei dem Baue recht verschwenderisch verfuhren, und daß die Regierung ein viel größeres Kapital, als bei guter Verwaltung zum Baue der Bahnen von Nöthen gewesen wäre, mit 5 pCt. verzinste, während sie selbst das Geld zu 4 pCt. aufnehmen könnte. Um nach beiden Seiten hin zu sparen, will sie, wie bemerkt, von nun an den Bau selber leiten und ge­denkt, das Netz in etwa 10 Jahren vollendet zu haben. Zu­nächst soll die Strecke von Bombay nach dem Pendschab aus­gebaut werden, theils um die dazwischen liegenden Gebiete dem Verkehre zu erschließen, theils aus strategischen, dem russischen Vordringen gegenüber sehr begreiflichen Gründen. Dann werden die anderen Linien an die Reihe kommen.

Aus der Nähe

* Oberlah n stei n, 27. Juli. Ein hiesiger Elementar­schüler wurde vor wenigen Tagen von seinem Lehrer in der Schule so mißhandelt, daß ärztliche Behandlung des Kindes nöthig wurde und Anzeige bei Königl. Polizeianwaltschaft er­folgt ist. Der Kopf des armen Kindes war voller Beulen und Geschwulst, der Rücken ein rohes Fleisch.

* Bad Kreuznach, 24. Juli. Nicht die besten waren die Aussichten, mit welchen wir in die heurige Saison ein- traten. Die ungewöhnlich strenge Frühlingswitterung erlaubte und ließ auch für die Folge nur eine geringe Frequenz unseres Badeortes erwarten. Nun, da der Sommer eine um so heiterere Miene macht, ist auch unser reizendes Nahethal belebter ge­worden; der Fremdenverkehr ist stark, und es verspricht über­haupt die Saison sich zu einer ausgezeichneten ju gestalten. Sie bietet auch in künstlerischer Beziehung reiche Genüsse. Die Concerte beginnen jetzt regelmäßiger und häufiger zu werden. Sie nahmen mit einer Soiröe des Herrn Concertmeister Wolff aus Frankfurt einen würdigen Anfang und es folgten darauf in kurzen Unterbrechungen Concerte des preußischen Violinvirtuosen Vesekirsky, Jaell's mit seiner Gattin, Angela Baldi's und Vieuxtems'. An diese Aufführungen reihte sich am 22. d. M. ein von der Kur-Administration zum Benefice des . „ — ---------------------- ,-, ... hiesigen ausgezeichneten Kapellmeister Burckhardt veranstaltetes

indischen Defizits so häßlich gar nicht an und liegt in ihnen Concert an ; die Piècen, welche zum Vortrag kamen, zeigen, Grund, an einer gedeihlichen Zukunft der indischen Finanzen daß auch hier gediegene Musik eine empfängliche Aufnahme zu verzweifeln. Was speciell die Eisenbahnfrage betrifft, ist die findet. Beethoven's H.-äur-Symphonie, von unserer hiesigen