Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. Mi
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 173
Samstag den 24. Juli
1869.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und' matmellen Interessen. ‘
Frankfurt, 24. Juli. Die Beurlaubung des Minister- Präsidenten Grafen von Bismarck bildet fort und fort den Gegenstand widersprechender Erörterungen in den Tagesblättern: abgesehen von den Vermuthungen, welche daran in Betreff der i zukünftigen Entwickelung der preußischen Regierungsverhältnisse' Seknüpft werden, wird schon die augenblickliche Bedeutung des । irlaubs sehr verschieden aufgefaßt und dargestellt. In denselben Blättern, welche jüngst behaupteten, es handele sich gar nicht blos um einen Urlaub, sondern um den völligen und; dauernden Austritt des Grafen Bismarck aus dem preußischen ' Staats-Ministerium, findet sich jetzt dagegen die ebenso be- stimmte Versicherung, schon mit dem vorübergehenden Urlaube i sei es gar nicht so ernst gemeint, vielmehr werde Graf Bis-' marck auch jetzt an allen bedeutenderen Entschließungen des Staatsministeriums durch mündliches oder schriftliches Benehmen beteiligt bleiben. Es ist leicht zu erkennen, daß diese widersprechenden Deutungen lediglich für die Zwecke der politischen Parteierörterungen aufgestellt werden, daß denselben dagegen eine ruhige Würdigung der thatsächlichen Verhältnisse nicht zu Grunde hegt. Die wirkliche Bedeutung der gegenwärtigen Beurlaubung des Ministerpräsidenten ergibt sich einfach und klar aus der Allerhöchsten Ordre, durch welche dieselbe ausgesprochen worden ist: der Wortlaut dieser Ordre läßt erkennen, daß die Beurlaubung als eine vorübergehende, für die Zeit ihrer Dauer aber als eine vollständige aufznfassen ist. Dieselbe ist erfolgt „in Hoffnung auf die baldige völlige Wiederherstellung und den damit verbundenen Wiedereintritt en den ganzen Umfang der Geschäfte", — bis dahin aber ist Graf Bismarck nicht blos „von dem Vorsitze im Staatsministerium", sondern auch „von der Betheiligung an den Berathungen desselben" ausdrücklich entbunden worden. Wäre dies nicht beabsichtigt gewesen, hätte vielmehr die Stellung des Ministerpräsidenten zu den wichtigeren Entscheidungen des Staatsministeriums während seiner' zeitweiligen Entfernung von Berlin ganz die selbe sein sollen, wie in früheren Jahren, so wäre überhaupt die förmliche und feierliche Entbindung von den Geschäften im Staatsministerium eben so wenig' nöthig gewesen, wie eine solche in Bezug auf die Geschäfte des Grafen BiSmarck als Bundeskanzler ausdrücklich erfolgt ist. Es kam, wie an dieser Stelle von vornherein angedeutet wurde, eben darauf an, dem Staatsmanne, dessen Kraft und Gesundheit durch die fortgesetzte Wahrnehmung der verschiedenen Stellungen an der Spitze des preußischen Staatsministeriums, der Verwaltung des Norddeutschen Bundes und des Zollbundes rustlicher Gefährdung ausgesetzt schien, in der Erfüllung seines
Berufes bis auf Weiteres Erleichterung zu verschaffen, soweit es das Staatsinteresse irgend gestattet, — deshalb sollte er nicht nur der Sorge für die laufenden Geschäfte des Staats- Ministeriums, sondern auch der fortgesetzten Theilnahme, Für- iorge und geistigen Verantwortung in Bezug auf die nächsten Aufgaben der inneren preußischen Lstaatsverwaltung enthoben werden, während er die Leitung der Bundesverwaltung in dem Maße, wie es während einer Beurlaubung geschehen kann, auch jetzt wahrnimmt. Es ist bereits darauf hingewiesen worden, daß die Abwesenheit des Grafen Bismarck sich über den Beginn der nächsten Landtagssession hinaus ausdehnen dürfte; es folgt hieraus, daß die Vorbereitungen der wichtigen Vorlagen, welche für diese Session in Aussicht zu nehmen sind, ohne Mitwirkung des Minister-Präsidenten statisch den werden. Die wesentliche und grundsätzliche Uebereinstimmung der Auffassungen und Bestrebungen, welche zwischen dem Grafen Bismarck und den Mitgliedern des von ihm geleiteten Ministeriums von jeher obgewaltet hat, bürgt dafür, daß bei den Gesetzesvorlagen, welche in seiner Abwesenheit vorbereitet und dem Landtage unterbreitet werden, der Geist und die Richtung, welche für unsere gesammte Politik nnter dem überwiegenden Einfluße des Ministerpräsidenten maßgebend waren, auch jetzt zur Geltung gelangen werden. Die volle und ausschließliche Fürsorge und Verantwortung für diese Arbeiten aber fällt zur Zeit den übrigen Ministern zu. Die Bahnen und Aufgaben unserer inneren Entwickelung im Zusammenhang mit der neuen Stellung Preußens sind im Großen und Ganzen klar vorgezeichnet, und es besteht innerhalb der Regierung keine Meinungsverschiedenheit darüber, daß jene Aufgaben im möglichst innigsten Einverständnisse mit der Landesvertretung zu erfüllen sind. Dies Eiuverständniß vorzubereiten und zu erleichtern, darauf ist das Bestreben der Regierung auch jetzt in dieser Beziehung gerichtet: es ist zu wünschen und zu fordern, daß alle diejenigen, welchen eine ersprießliche Entwickelung unserer inneren Ver- hätnisse am Herzen liegt, die Regierung in diesem Streben unterstützen.
Aus der Nähe.
* Crou th al, 17. Juli. Die Klänge Cronberg, Cronthal, Soden, Falkenstein, Königstein rc. wecken in jedem Frankfurter lang gehegte, liebe Erinnerungen auf. Fast an jedem Orte begegnen wir alten reichsstädtischen Namen und Schöpfungen und so haben schon die Väter und Großväter des jetzigen Geschlechts den Beweis geliefert, daß auch die letzte Spur des Haders, wie er z. Ä. zwischen den Frankfurtern und Cron- bergern gegen Ende des 14. Jahrhunderts und später zwischen jenen und den Soden-Sulzbachern loderte, ausgewifcht ist. Be-