Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 169
Dienstag den 20. Juli
1869.
die Ansicht gebildet, beide als die Träger der bürgerlichen und kriegerischen Macht eines Herrschers anzusehen, während es wahrscheinlicher bleibt, daß sie ohne jede andere Bedeutung dort aufgestellt wurden, als die, den Eindruck beim Anblicke der Gruft zu steigern und gleichsam als Wächter den Eingang zu der Stätte zu decken. Zwei breite Marmortreppen von je 10—11 Stufen führen zu beiden Seiten des Hochaltars in den weiten Raum, welcher von der Kuppel des Jnvaliden- Domes überragt wird. Diese letztere, vom Boden bis zur Spitze 310 Fuß hoch, ist ein in Paris überall weithin sichtbarer Gegenstand, welcher romantisch durch seine 1861 auf aalvanoplastischem Wege erneuerte Vergoldung allgemein in die Augen fällt. Unter dieser Kuppel befindet sich die eiaent-- liche Grabstätte Napoleons I.; eine etwa 20 Fuß tiefe Gruft von fast 40 Fuß im Durchmesser, in welche man, an das sie rings umgebende Marmorgeländer gelehnt, mit wider- streitenden Empfindungen hinabschaut. Die Wände dieser Krypta fii-b von polirten Granitplatten und enthalten an den Seiten zehn schön gearbeitete Marmor-Reliefs von Simart, welcher im Mai 1857 durch einen Fehltritt beim Herabsteigen von dem oberen Theile eines Omnibus das Leben einbüßte. Diesi Reliefs liefern eine chronologische Geschichte Napoleons I., inden. sie die Hauptmomente seiner Regententhätigkeit veranschaulichen; sie behandeln die Herstellung der bürgerlichen Ordnung, das Concordat, die Verwaltung, den Staatsrath, das Gesetzbuch Code Napoleon), die Universität, die Cour de Comptes (Oberrechnungskammer) ; die Ermunterung von Handel und Gewerbe, öffentliche Arbeiten und schließlich die Ehrenlegion. Zwischen diesen Marmor-Reliefs sind zwölf herrlich gearbeitete Siegesgöttinnen angebracht, eines der letzten Werke des 1852 verstorbenen Pradier; über je zweien dieser Marmorbilder befinden sich 60 Fahnen, welche, aus den Feldzügen der Republik und des ersten Kaiserreichs stammend, nach langer Verborgenheit im Palais Luxembourg, derselben entnommen und hier zur Ausschmückung verwendet wurden. Auf dem Boden der Krypta finden sich in einem äußeren Kreise die Rainen der Hauptschlachten eingelegt, nämlich: Rivoli, Pyramiden,
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 20.Juli. (Die Kaisergruft zu Parrs.) Unter den großartigen Verschönerungen, durch welche die Regierung des dritten Napoleon die Stadt Paris bereichert hat, steht dem Werthe wie der Zeit nach die Kaisergruft obenan, die Grabstätte der Familie Bonaparte. „Je désire que mes cendres reposent sur les borJs de la Seine, au milieu de ce peuple francais que j'ai tant aimé" — „ich möchte, daß einst meine Asche an den Ufern der Seine ruhe inmitten des Französischen Volkes, das ich so sehr geliebt habe", das sind die Worte des Kaisers Napoleon I., welche den Grundstein seines Grabdenkmales schmücken und zugleich über der Eingangspforte unS in goldenen Lettern entgegentreten. Geblendet non der Großartigkeit des Eindruckes, wenn man von der Kirche des Hotel des Invalides in die Gruft tritt: betäubt vom Klange der Trommeln, welche in den zur Besichtigung bestimmten Stunden im angrenzenden Jnvalidenparke zu ertönen nicht aufhören; überwältigt von der magisch fesselnden Beleuchtung, die von oben herab die ganze Umgebung in golden glänzendes Licht hüllt, lassen die eben citirten ' Worte ein gewaltiges Menschenleben im Fluge an uns vorüberziehen. Das Heine Korsika, die Schule zu Brienne, der 18. Brumaire, die Pyramiden Egyptens, Josephine und Marie Louise, Austerlitz und Jena, die Guerillas Spaniens, die Kosaken vom Don, die Niederlagen in Deutschland, das Eiland Elba und — St. Helena stiegen, Schatten gleich, an unserem inneren Auge vorüber. Fast 20 Jahre hindurch blieb jener Wunsch Napoleons unerfüllt, bis endlich der Prinz von Joinville auf dem entlegenen Felseneilande des Atlantischen Oceans landete, um den Leichnam zurückzuholen. Am 15. December 1840 wurde die Asche Napoleons in der Gruft des Jnvaliden-Domes beigesetzt. Vom Hochaltar der alten Kirche eintretend, sehen wir rechts und links zwei marmorne Sarkophage, auf denen nur die goldgedruckten Namen uns sagen, daß hier zwei der Lieblinge des Kaisers ihre Ruhestatt gefunden, Duroc und Bertrand, beide einst Großmarschälle des Palastes; der erstere fiel Marengo, Austerlitz, Jena, Friedland, Wagram, Moscowa, am 22. Mai 18i3 bei Bautzen; Bertrand, der unzertrennliche während ein innerer Kreis von einem wundervoll in Mosaik Begleiter des Kaisers in Elba und Helena, begleitete sogar gefertigten Lorbeerkranze gebildt wird Auf diesem steigt, wie feine Asche von dort zurück nach Paris. An diesen Sarko- aus der Erde, der Sarkophag des Kaisers auf, zwölf Fuß Phagen vorbeischreitend oder richtiger dazwischen stehend, er-lang und sechs Fuß breit, aus einem einzigen Block vonröthlich- blicken wir die Rückseite des Hochaltars, zu dessen Rechten und braunem Granit gefertigt, der, 1350 Centner schwer, eineSumme Linken sich zwei kolossale, überlebensgroße Figuren aus Erz'von fast 40,000 Thalern (140,000 Franken) beansprucht hat, um erheben, die, von Duret entworfen, nicht ganz klar die Be-ihn vom Onega-See nach Paris zu schaffen. Auf dem deutung veranschaulichen, welche ihnen beizulegen ist. Die Sarkophage lag nur ein einziger welker Kranz. Ich konnte eine derselben trägt auf einem Kissen den Erdball, die andere nicht erfahren, ob derselbe vom jetzigen Kaiser dort niedergelegt Scepter und Krone, und so hat sich denn ziemlich allgemein^ war; jedenfalls aber kam er aus der Hand eines Rapoleoniden,