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Intelligenz-Blatt

der Stadl Frankfurt s. M.,

verbuadm mit dm Frankfurter Srachrichts« a!r Exirabellage.

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(Expedition: am H. Geistpförtchm, Schlachthausgasse 21.)

M 167 Samstag den ,17. Juli 1869?

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 17. Juli. Die Berichte aus der Provinz Preußen überdenStand derSaaten lauten überwiegend l ßig. Erfreulich war es schon, daß die vielfach geäußerte' igniß: eS werde sich ein Mangel an Sommersaat heraus- : stellen und in Folge dessen eine sehr unzulängliche Frühjahrs- i bestellung erfolgen, sich glücklicher Weise nicht verwirklicht hat. : Nach sorgfältigen Ermittelungen sind nur in den Kreisen Johannisburg, Lyk und Oletzko des Regierungsbezirks Gum- i binnen einzelne Sommerungsfelder vielleicht zum Theil aus. Mangel an Saatgetreide unbestellt geblieben; doch betragen; die in den bezeichneten drei Kreisen nicht bebauten Sommer- i selber kaum 1 Prozent der für diese Bestellung benutzbaren l Gesammtfläche, und es ist hierbei noch zu berücksichtigen, daß vielfach besondere wirthschaftliche Gründe die Nichtbestellung geboten haben, unter Anderem, daß Futtermangel die Aus-i ehnung der Weideschläge räthlich erscheinen ließ. Uebrigens, läßt die hierdurch dem Acker gewährte Ruhe nach der künftigen i Bestellung eine um so ergiebiger lohnende Ernte erwarten, i Im Allgemeinen ist nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge i zu hoffen, daß die Gesammternte der Provinz, falls nicht noch ■ unglückliche Witterungseinflüsse dazwischen treten, eine geseg­nete sein und dazu beitragen wird, die schweren Verluste der letzten Jahre mehr und mehr auszugleichen. — Den großen Werken, welche in Preußen und Oesterreich von amtlicher Stelle über den Feldzug des Jahres 1866 herausgegeben worden, reiht sich jetzt ein vor Kurzem erschienener Bericht deS K. sächsischen Generalstabes an. Derselbe hält sich wesent­lich an die militärischen Gesichtspunkte und zeichnet sich durch unbefangene, sachgemäße Darstellung aus. Der guten Haltung der sächsischen Truppen in jener denkwürdigen Zeit ist von Seiten Preußens niemals die gebührende Anerkennung ver­sagt worden. Ganz besondere Aufmerksamkeit verdienen in dem Bericht des sächsischen Generalstabes die Mittheilung über den Rückzug der geschlagenen Heereskörper nach dem Tage von Königgrätz. Diese Mittheilungen ergänzen in beachtens- werther Weise die schon bekannten Angaben über den unmit- telbaren Eindruck des gewaltigen Ereignisses auf die feindlichen Truppen. „Die sächsischen Truppen (so heißt es im erwähn­ten Bericht) gingen, obgleich der Rückmarsch bet der Mehrzahl der neben dem sächsischen Corps marschirenden österreichischen Truppen in i ~......

zum Theil aufgelöster

brechen drohte. Die Batterien hatten außerdem in ihrer Marschordnung nicht nur mit den Schwierigkeiten des Ter­rains, sondern auch mit dem Andrange der Flüchtigen zu kämpfen, welche die Geschütze zum leichteren Fortkommen zu benutzen gedachten. Große Verwirrung richtete endlich die schwere österreichische Reiterei an (wahrscheinlich von der ersten Reserve-Kavallerie-Division), welche als dichter Schwarm auf die Kolonnen einritt und alles durchbrach, was ihrem Rückzüge entgegenstand. Die Hauptursachen der wachsenden Verwirrung lagen nicht allein in der Unbekanntschaft der reti- rirenden Truppen mit der Lage der Elbübergänge, sondern auch darin, daß die Corps des CentrumS und Theile des rechten Flügels der Festung Königgrätz zustrebten, weil die nördlich daran gelegenen Brücken theils vom Feinde schon okkupirt, theils beschossen waren, während die sächsischen Truppen, dem Strome schräg entgegengehend, den ihnen angewiesenen Rück­zugspunkt Platzka zu gewinnen strebten. Vom sächsischen Corps vermochte nur ein kleiner Theil bei Platzka über die Elbe zu gelangen. Um das Maß des Mißgeschicks voll zu machen, war die Schließung der Thore der Festung Königgrätz befohlen worden, die Stauung der Gräben, Vorgräben und Jnunda- tion aber in vollem Gange. In ein Labyrinth von Wasserzügen und Ansumpfungen eingekeilt, konnten nunmehr die der Oert- lichkeit unkundigen Truppen weder vor- noch seitwärts. An Umkehr war wegen des Nachrückens nicht zu denken. Eine Menge Fuhrwerke wurden in's Wasser gestürzt, darunter selbst ein Wagen mit sächsischen Blessirten; mehrere Reiter, an die Ränder der Gräber gedrängt, überschlugen sich hinein. In dieser Lage suchten viele durch Ueberklettern der Palffsadirungen und Außenwerke, Durchschreiten der mehr und mehr sich an­füllenden Gräben, sowie der Elbe selbst, das jenseitige Ufer zu erreichen. Einer großen Anzahl gelang dies, so Mancher ertrank aber auch. Schrecken bemächtigte sich endlich Aller und steigerte die Verwirrung auf höchste, als die vordersten an die Gräben der Festung gedrückten Massen der Oesterreicher an­singen, ihre Gewehre 'auszuschießen, wodurch nicht allein eine Anzahl Soldaten verwundet wurde, sondern auch momentan die Vermuthung Platz griff, der Feind stehe bereits auf dem jenseitigen Elbufer und greife die Festung an, sei vielleicht selbst im Besitze derselben. Es werden diese Andeutungen deS düstern Bildes genügend erklären, daß in solcher Situation die bisher ; bewahrte geschlossene Ordnung, sowie der Zusammenhang auch m _.r„ ................,,_______z.bei den sächsischen Abtheilungen nicht mehr aufrecht erhalten

der Nähe von Königgrätz ein sehr ungeregelter, werden konnte und daß Verluste, namentlich an Material, ufgelöster wurde, in'fester taktischer Ordnung und nicht zu vermeiden waren. Anzuerkennen ist es aber, daß trotz ruhigen Schrittes bis an die ElbdefiläS zurück. Angefeuert der nun eintretenden Auflösung und Versprengung der Königl. durch ihre Offiziere, widerstanden die Bataillone demAndrangSächsischen Truppen, als endlich Nachts 11 Uhr die Thore des Stromes der zurückgehenden Waffen, der sie oft zu durch-der Festung zum Durchgang geöffnet worden waren, sich schnell