Intelligenz-Blatt der Statt MrWrrt a. IS, verbunden mit den ^renffuriet M« Orichte« als ExlrabMag».
(Expedition: am H. Geillpfortchen, Schlachthcmsg-ffe 21.)
M 165 Donnerstag dm 15 Juli 1868.
Ueberbliâ der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 15. Juli. Aus Paris ist wiederholentlich berichtet worden, daß Isabella zu Gunsten ihres Sohnes abgedankt habe. Die „Epoca", das Organ der Anhänger des Prinzen von Asturien, erklärt jene Behauptung aus guter Quelle für unbegründet. Dieses Zeugniß ist um so unverfänglicher, als die „Epoca" selbst die Abdankung der Königin zu Gunsten des Prinzen von Asturien stets lebhaft befürwortet hat. Ueber das Manifest des Don Carlos bemerkt dasselbe Blatt: „Das Schriftstück hat mehr Wichtigkeit als Vorläufer von Ereignissen, die es als nahe bevorstehend bezeichnet, denn als politisches Programm. Vom letzteren Standpunkt aus betrachtet, schmilzt feine Bedeutung darauf zusammen, daß es den Spaniern einen Monarchen anbietet, während es denselben unmöglich ist, einen zu finden. Ohne die verhängnißvolle Wendung, welche die September-Revolution genommen hat, würde der Karlismus keine Gefahr sein. Wenn der jetzige Zustand der Dinge sich verlängert, so kann es kommens daß Don Carlos nicht wegen, sondern trotz seines Manifestes und trotz der drohenden und nebelhaften Verheißungen, die es enthält, der spanischen Revolution noch manche Sorge geben wird." — In Siguenza werden noch fortwährend Verhaftungen wegen einer karlistischen Verschwörung vorgenommen; auch Geistliche befinden sich unter den Eingezogenen. Die Untersuchung gegen die Mörder des Bürgermeisters von Santa Cruz wird eifrig betrieben. In der Provinz Toledo hat sich eine karlistische Bande gezeigt. — Der Alkalde und die Bataillone der Freiwilligen der Freiheit in Barcelona weigern sich, den Eid auf die Verfassung zu leisten.—Antonio Burci, vormaliger Secretär des Deputirten Fambri, ist am 4. d. unter der Anschuldigung, an Letzterem den Diebstahl von Briefen und Papieren verübt zu haben, in Livorno verhaftet, nach Florenz abgeführt und ins Gefängniß Murate gebracht worden. — Die „National-Zeitung" veröffentlicht die ablehnende Antwort des Freiherrn v. Beust auf die Note Hohenlohe's in Betreff des römischen Concils. Die Antwort betont, daß für Oesterreich, in welchem jetzt der Grundsatz der Religionsfreiheit Geltung erlangt habe, keine Veranlassung vorhanden sei, der Einberufung eines päpstlichen Concils als solcher Präventivmaßregeln ‘ entqegenzustellen. Ueber Die Tragweite etwaiger Concilsbeschlüsse d irften die Re- fierungcn unbesorgt sein. Ueber den Verlauf des Concils eien dermalen nur 'Vermuthungen möglich. Das Vorhandenem einer Gefahr für die kirchlichen Rechte des Staates lasse ich weder bestätigen noch in Abrede stellen. Die Regierungen eien vollkommen in der Lage, etwaige Beschlüsse des Con
cils, die doch ohne staatliche Genehmigung nicht ausführbar seien, abzuwarten. Sollten Uebergriffe des Concils in die Rechtsspähre der Staatsgewalt erfolgen, so würden allerdings gemeinsame Berathungen der Cabinette zur Wahrung der Hoheitsrechte des Staates nicht auszuschließen sein. — Die Botschaft des Kaisers, von Rouher im gesetzgebenden Körper vorgelesen, lautete: Meine feste Absicht ist, den Befugnissen der Legislative die mit den Grundlagen der Verfassung verträgliche Ausdehnung zu geben. Der Senat wird sobald als möglich einberufen werden, um folgende Fragen zu prüfen: Das Recht der Legislative, ihr Reglement zu bestimmen und ihr Bureau zu bestellen, Vereinfachung der Art und Weise, Amendements einzubringen und zu prüfen, Verpflichtung der Regierung, dem gesetzgebenden Körper die Abänderungen in den Zolltarifen und die Handelsverträge zu unterbreiten, die kapitelweise Abstimmung über das Budget,' Beseitigung der Unvereinbarkeit des Mandats als Deputirter mit verschiedenen Funktionen, namentlich denen der Minister, Ausdehnung des Jnterpellationsrechts. Die Regierung wird auch die den Senat inreressirenden Fragen studiren. —Ich habe schon gezeigt, wie sehr ich geneigt bin, gewisse Prärogative der Krone aufzügeben. Die Modifikationen, welche ich vorschlage, sind die natürliche Entwicklung derjenigen, welche nach und nach zu den Instituten gekommen sind, sie müssen im übrigen diejenigen unbeeinträchtigt lassen, welche mir das Volk ausdrücklich anvertraut hat, und welche die wesentlichen Bedingungen sind, eine Regierung und die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu halten.
Aus der Nähe.
* Nassau, 6. Juli. In der Nacht vom 4. auf den 5. d. wurde versucht, dem hiesigen Steueramte einen nächtlichen Besuch abzustatten. Indessen, da Alles fest verschlossen war, zog man auf demselben Wege wieder ab. — Neulich hatten wir das Vergnügen, einen flinken Turner die etwa 25 Fuß über den 80 Fuß hohen Thurm der nassauischen Stammburg, circa 5 Zoll dicke Fahnenstange erklettern und sich oben auèstrecken zu sehen. Der kühne Kletterer war ein Sohn Albions.
* Bingen, 10. Juli. Dem im vergangenen Jahre zu Heilbronn gefaßten Beschlusse gemäß wird die 15. Wanderver- sammlung süddeutscher Wein- und Obstproducenten in diesem Herbste dahier abgehalten werden, und sind für solche die Tage vom 4. bis 7. Oktober in Aussicht genommen. Der Vorstand für diese Versammlung, an deren Spitze auf Grund der in der vorjährigen Zusammenkunft vollzogenen Wahl Hr. Bürgermeister E. George zu Büdesheim steht, ist bereits mit den erforderlichen Vorbereitungen in umfassender Weise beschäftigt, o daß die Veröffentlichung des Programmes demnächst er-
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