Intelligenz Blatt
-er StM Frankfurt a. M^ herbvvdm mit dm Kr<«kf«rter Nachricht?« als Extrabrilage.
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(Expedition: am H. Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
M 155 Samstag den 3, Juli 1869.
Der gegen Letzteren für die Dauer, der Schwurgerichtsverhandlungen angeordnete polizeiliche Gewahrsam _ wurde wieder aufgehoben, dagegen die provisorische Haftentlassung Arthur Ext er's abgelehnt. Schluß der Sitzung (und der dermaligen Assisen) um 10‘/2 Uhr Nachts.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 3. Juli. Der Ministerpräsident Graf von Bismarck, dessen Gesundheit in Folge der überaus großen Anstrengungen, denen er sich im Dienste des Königs und des Landes unterzogen hatte, im Jahre 1866 bekanntlich eine schwere Erschütterung erfuhr, hat seitdem zwar mehrfach in ländlicher Zurückgezogenheit Erfrischung und Stärkung gesucht, bisher jedoch niemals in so nachhaltiger Weise, um sich für die dauernde Erfüllung der umfassenden Aufgaben seines vielseitigen Berufs wieder in vollem Maße zu kräftigen. Nachdem der Ministerpräsident auch im vorigen Herbste von seinem Urlaube ohne die gehoffte gänzliche Wiederherstellung zu den Staatsgeschäften zurückgekehrt war, ist seine Kraft in dem jüngst verflossenen Winter und Frühjahr durch die unausge. setzten Arbeiten und Anstrengungen der aufeinanderfolgenden parlamentarischen Sessionen aufs Neue erheblich in Anspruch genommen worden. In unumgänglicher Rücksichtnahme auf seine Gesundheit hat Graf Bismarck sich bereits in letzter Zeit mehr, als seinen Neigungen und Wünschen entsprach, von der Theilnahme an politischen Verhandlungen fern gehalten; doch liegt die Besorgniß nahe, daß eine Fortsetzung der ungewöhnlichen Anstrengungen, welche die gleichzeitige Wahrnehmung der verschiedenen Stellungen des hohen Staatsmannes an der Spitze des preußischen Staatsministeriums, der Verwaltung des Norddeutschen Bundes und des Zollbundes mit sich führt, die Kraft und Gesundheit desselben von Neuem ernstlich gefährden könnte. Um dem vorzubeugen, liegt es in dem Wunsche des Grafen Bismarck, sich in der Erfüllung seines hohen Berufes bis auf Weiteres so weit Erleichterung zu verschaffen, als eS das Staatsinteresse irgend thunlich macht. Demgemäß dürfte derselbe für die nächste Zeit und bis zur ausreichenden Wiederherstellung seiner Gesundheit von den Geschäften des Vorsitzes im Staatsministerium beurlaubt werden. Die Leitung der Bundesangelegenheiten wird Graf Bismarck auch jetzt in bisheriger Weise fortführen.
*Frankfurt,2. Juli. (A s s i s e n.) Die Geschworenen erklärten Arthur Exter des einfachen und des betrügerischen Banke- rotts sowie zweier Unterschlagungen für schuldig und zwar
Aus der Nähe.
* Cr onberg, 1. Juli. Die Herzogin von Nassau hat sich nach Rumpenheim begeben. Im Monat August wird dieselbe ihren Aufenthalt wieder in Königstein nehmen.
* Büdingen, 30. Juni. Vorigen Sonntag ist in Himbach, hiesigen Kreises, eine gräßliche Th at verübt worden. Juda Straus, ein junger sehr wohlgelittener Geschäftsmann, wurde am genannten Tage in dem Augenblicke, als er aus dem dortigen Wirthshaus einen Stuhl holen wollte, rücklings erdolcht. Ein Schrei des Entsetzens entfuhr allen Anwesenden Angesichts des aus der klaffenden Stichwunde strömenden Blutes und des Jammers seines greifen Vaters und seiner jungen Gattin. Ern Motiv zur Erklärung des Meuchelmords ist durchaus unerfindlich. Der im Moment anwesende evang. Geistliche, Pfarrer Welker, in Eckartshausen, gab dem Beileid der christlichen Bevölkerung am Grabe des Gemordeten (der Israelit ist) in einer herzergreifenden Rede Ausdruck. * Fulda, 29. Juni. Der „Fuld. Anz." berichtet: Das Gesuch des hiesigen Landwirthschafts-Vereins an K- General- Commission in Kassel um Bestellung einer Spezial-Commission nach Fulda hat die günstigste Erledigung gefunden; es wird binnen Kurzem eine solche hier eingerichtet werden. Ebenso hat die Bitte um Publikation der vollendeten Kataster und Vollendung der noch rückständigen Arbeiten, wenigstens insoweit es die Lagerbücher betrifft, durch Beschluß K. Ministeriums die wünschenswertheste Erledigung gefunden.
* Heidelberg, 29. Juni. Em höchst trauriger, mysteriöser Fall hat sich gestern hier ereignet: Der durch'seine Aussicht so schöne Stückgarten des hiesigen Schlosses ist der Schauplatz einer entweder ruchlosen, oder mindestens sehr zu beklagenden That geworden. Der seit langen Jahren hier residirende Kaiserl. Russische Staatsrath Blum, dessen Gewohnheit es war, fast täglich den Schloßgarten zu besuchen, wurde gestern Nachmittag gegen 5 Uhr in dem unter dem Stückgarten am Ruprechtsbau ___________^ , „ belegenen, mindestens 50 Fuß tiefen Graben zerschmettert und unter ' mildërnoen Umständen ' bezüglich des betrügerischen todt gefunden. Oberhalb, an der Stelle des Stückgartens, von Bankerotts und der Unterschlagungen. August Exter wurde wo er herabgefallen seinmuß, lagen sein Nock, Hut und Stock, ebenfalls unter mildernden Umständen der Hülfeleistung zum-während seine goldene Uhr am Leichname vermißt wurde. Ob betrügerischen Bankerott schuldig befunden. Der Gerichts-^derselbe—vielleicht in einem plötzlichen Anfall von Geisteshof verurtheilte Arthur Exter zu 18 Monaten Gefängniß, Störung — den unglücklichen Sprung selbst gethan, oder ob zu 3 Jahren Verlust der Ehrenrechte und zu % der Kosten, er von ruchloser Hand hinabgestürzt worden ist, erhellt nicht, August Exter zu 4 Monaten Gefängniß und % der Kosten.! da sein Zeuge dabei gewesen ist.
ruchloser Hand hinabgestürzt worden ist, erhellt nicht, Zeuge dabei gewesen ist.