Intelligenz Blatt
der Stadt Frankfurt a. M^
derbttndm mit den Krsnkfurte« Nachrichten als Extrabettage.
(Expeditton: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 153
Donnerstag den 1» Juli
1869,
Ueberblick der (Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 1. Juli. Dem nunmehr zur Veröffentlichung gekommenen Geschäftsbericht über den Betrieb der Main- Neckar-Bahn im Jahre 1867 entnehmen wir folgende Notizen: Das Jahr 1867, mit welchem die Bahn ihr 21. Brtnebsjahr vollendete, hat derselben im Allgemeinen wiederum eine Verkehrszunahme gebracht. Eine Vermehrung haben erfahren: die Zahl der beförderten Personen von 1,108,868 auf 1,214,545 oder um 105,67 7, die Einnahme aus Personen (die Betrüge durchgängig auf Gulden abgerundet) von 645,488 fl. auf 784,096 fl. oder um 138,608 fl., dieCentner- zahl des beförderten Gepäcks von 62,106 auf 81,067 Centner oder um 18,961 Ctr.; die Einnahme daraus von 64,135 fl. auf 86,007 oder um 21,872 fl., die Centnerzahl der Eil- und Frachtgüter von 4,227,148 auf 4,989,471 Ctr. oder um 762,323 Ctr., die Einnahme hieraus von 642,043 fl. aus 673.788 fl. oder um 31,745 fl., der Posttransport von 19,725 fl. auf 22,978 fl. oder um 3253 fl. Eine Verminderung dagegen hat stattgefunden bei der Einnahme aus dem Equipagentransport von 1761 fl. auf 1533 fl. oder um 228 fl., bei dem Transport von Thieren von 27,480 fl. auf 27,304 fl. oder um 176 fl., bei dem Ertrag der Extrazüge incl. der Militärtransporte von 127,144 fl. auf 6054 fl. oder um 121,090 fl. Die gesammte Transporteinnahme erhöhete sich hiernach von 1,527,777 fl. in 1866 auf 1,601,759 fl. in 1867 oder um 73,982 fl. Die Steigerung des Personenverkehrs resultirt zum Theil aus dem günstigen Einfluß der Pariser Ausstellung, diejenige des Güterverkehrs ist zu einem sehr großen Theile den wachsenden Transporten sowohl von Steinkohlen als von Producten der Eisenindustrie Westphalens und des Niederrheins nach dem Süden zuzuschreiben. — Der Bahn-Telegraph beförderte 12,907 Depeschen mit einer Einnahme von 1455 fl. — Die ordentlichen Einnahmen der Bahn beliefen sich auf 1,884,701 fl., die ordentlichen Ausgaben auf 1,002,779 fl., mithin Betriebsüberschuß 881,922 fl. Dieser ungewöhnlich hohe Betriebsüberschuß wird damit erklärt, daß in der soeben angeführten ordentlichen Einnahme 144,891 fl. enthalten sind, als Geldbetrag der Materialvorräthe, welche durch eine gewissermaßen vorgenommene Liquidation zu Lasten des Jahres 1868 baar an die Rechnung von 1867 bezahlt wurden, aus Veranlassung der am 31. December 1867 von der Großherzoglich Badischen Regierung geschehenen Rückzahlung des s. Z. nach dem Staatsvertrag von der 1
Frankfurt geleisteten Zuschusses von läge der Äahn auf badischem Gebiete
erheblichen Aenderung der Betheiligung der beiden anderen Regierungen an der Bahngemeinschaft.' Das Baucapital der Bahn betrug Ende 1867 im Ganzen 12,332,839 fl., woran das Königreich Preußen mit 4,772,826 ft, das Großherzog- thum Baden mit 2,256,156 fl. und das Großherzogthme Hessen mit 5,303,857 fl. participirten. — Die Betriebsausgaben von 1,002,779 fl. betragen 57,6 Procent der Brutw einnahmen (1866: 57,8 Procent), wovon auf die Centralver- waltung 33,226 fl. oder 3,31 Procent, auf Bahnverwaltung 300,288 fl. oder 29,95 Procent und aus Transportverwaltung 669,265 fl. oder 66,74 Procent entfallen. Rechnet man zu den Betriebsausgaben die 4pCt. Zinsen des durchschnittlichen Anlagecapitals der Bahn, so stellt sich der Gesammtaufwand für den Betrieb in 1867 auf 1,495,440 fl. und kostete sonach die Locomottvmeile oder ein Zug im Durchschnitt pro Meü- 17,58 fl., die Wagenachsmeile 33,99 kr.— Der Unterstützungs- fonds hatte Ende 1867 ein Vermögen von 19,944 fl. — litt fälle, welche Züge oder einzelne Passagiere betroffen hätten, sind im Laufe des Jahres 1867 nicht vorgekommen, dagegen ist, wie der Bericht sagt, hinsichtlich des Verunglückens von Bahnbediensteten das Jahr leider ungünstig gewesen.
Aus der Nähe
* Bad Homburg, 26. Juni. Die Saison fängt an, sehr brillant zu werden; die Wohnungen füllen sich , in unsern brillanten Salons hat die Mode und der raffinirteste Luxus seinen üppigsten Tempel aufgeschlagen, im Kurgarten, bei Garbe's schönen Musikleistunaen, wimmelt es, besonders
1 üppigsten Tempel abgeschlagen, im Kurgarten, bet be's schönen Musikleistungen, wimmelt es, besonders seitdem die Witterung besser ist. —Nächsten Samstag beginnt die Gesellschaft des Palais Royal ihre Vorstellungen auf unserer Bühne. Es wird zweimal gespielt (Dienstag und Samstag). Abends 11 Uhr nach der Vorstellung kann man pr. Eisenbahn nach Frankfurt fahren.
* Darmstadt, 28. Juni. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer erklärt, im Einverständniß mit der Regierung, daß der Verkaufspreis der OffenbacherBahnst recke an die Krone Preußen (331,727 fl.), zur Tilgung der Eisen- bahn-Obligattonen bei demnächstigem Eingang durch Verloosung verwendet werde. Selbstverständlich tritt bei der planmäßigen Rückzahlung des 4proc. Eisenbahn-Anlehens hierdurch kème Aenderung ein.
* Rüd e sheim, 24. Juni. In Folge des im „Rhein. Kurier" erwähnten Vorfalles in Lorch wurden auch die hiesigen
Regierung der freien Stadt Einwohner durch die Schelle aufgefordert, ihre Hunde ent int» omuwn» von 1,650,000 fl. für die An- weder einzusperren oder an der Leine zu führen oder mit dem auf badischem Gebiete und der dadurch bewirkten für die Hunde so unbehaglichen Maulkorbe zu versehen.