jverbuudm mit den^Frsukfurter Mkachrichte« als Extrabeilage.
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(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasie 21.)
M 145
Dienstag dm 22. Juni
1869.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und gläser auf Babelsberg sind von 158O, 1591, 1599, 1638
- —«.„ 1649, 1652, 1697 und 1712. Ihre Ueberschriften sind ziem
lich gleichbedeutend. So steht auf dem von 1599:
Vivat, es lebe das heilige römische Reich
materiellen Interessen.
Frankfurt, 22. Juni. (Die Gläsersammlung auf Babelsberg.) Eine der eigenartigsten Privat-Sammlungen ist die Gläser-Sammlung auf Babelsberg, diesem reizenden Fürstensitz bei Potsdam. Abgesehen von dem überraschenden Eindruck des Ganzen, sieht der Beschauer im Einzelnen die ganze Geschichte der Glasfabrikation in ihrer Blüthe und ihrem Verfall. Nachdem durch Zufall das Glas erfunden war, vergingen Jahrhunderte, bevor es dem menschlichen Scharfsinne' gelang, dasselbe zu Spiegelflächen zu strecken, Hohlgläser in allen Formen zu blasen und bunte Gläser herzustellen, und Jahrtausende, ehe man die kleinen Linsen reinsten Krystallglases schliff, durch die man der Wissenschaft ganze Welten erschloß — in den Fernen des Himmels,, wie in den kleinsten Organismen unserer Erde. In der Geschichte des Kunstglases 'fällt Venedig die erste Rolle zu. Die Fabriken mehrten sich dort schließlich so, daß sie ihrer Feuergefährlichkeit wegen 1291 nach der Insel Murano verlegt wurden. Da diese Fabriken durch ihre weltberühmten Glas-Bijouterien der stolzen Königin der Adria einen großartigen Reichthum zuführten, fo standen die Gläser von Murano in großem Ansehen; König Heinrich III. von Frankreich erhob 1573 die Hauptvertreter sogar in den Adelstand. Aus der letzten Periode seines Flors hat Venedig auch Vertreter in der reicheu Gläsersammlung auf Babelsberg. Mit Bewunderung erfüllen uns diese Gläser, so mannichfaltig und elegant in ihren Formen. Unter den acht Cylindergläsern des „heiligen römischen Reiches" ist das letzte und jüngste von 1712 aus venetianischem Milch- ae. Es belehrt uns, wie jene Meister von Murano sich , cebten, unser deutsches Farikat nachzuahmen — zeigt uns aber auch zugleich das Zurückschreiten der Venetianer. Der Geschmack des großen Publikums war ein anderer geworden. Das neue Geschlecht hatte seine Freude nicht mehr am Schauen, sondern am materiellen Genießen, es fragte beim Glase nicht mehr nach der Form, sondern nach deren Inhalt. Der Prunksucht folgte die Trunksucht, und so geriethen Venedigs Glasfabriken als Kunststätten in Verfall. Ihr Flor hatte in Deutschland, namentlich in Böhmen, den Wetteifer geweckt, doch konnte man die Zierlichkeiten jener Glas-Bijonterien nicht erreichen. Nur JohannSchaper inNürnberg erwarb sich den,------ .— „.....-, ..... — v—
Ruf eines hervorragenden Künstlers. Von unseren deutschen sind sein Vergnügen in solch kuriosen Dingen gesucht, und die
Gläsern sind besonders die aus dem 17. Jahrhundert berühmt fichönen Gläser und Korallen hatten in ganz Europa als Ge-
und beliebt, welche in einem doppelköpfigen Reichsadler, der schenke des Kurfürsten Beifall gefunden. “ auf seinen Flügeln die Wappen der Reichsglieder trägt, das heilige römische Reich darstellen. Diese alten Gläser haben oft als Quellen der Wappenkunde gedient. Die 8 Reichs-
mit sampt seinen Gliedern und allen zugleich!
Zu diesen Reichsgläsern zählen auch die, welche den Kaiser und die sieben Kurfürsten darstellen. Die Kurfürsten umgeben den Thron des Kaiser? entweder stehend oder zu Pferde. Das Deckelglas Nr. 3 in dieser Reihe ist noch dadurch interessant, daß der geistliche Herr von Trier das Scepter trägt, das Kur- brandenburg zukommt, und dieses dafür das Evangelienbuch des geistlichen Collegen als Abzeichen führt. — Außer diesen deutschen Gläsern besitzt König Wilhelm viele Schützen- und Jagdpokale aus allen Jahrhunderten seiner Ahnen. Von vater-- ländischer Bedeutung unter diesen preußischen Nummern sind die Hallorengläser; das älteste ist ohne Datum, zwei andere nennen 1703 und 1710. „Die Brüder im Thäle", wie sich das edle Salzgewerk von Halle selbst nennt, ließen von diesen Huldigungsgläsern alljährlich nur eines anfertigen und überreichten dies dem Fürsten am Neujahrtage durch eine Deputation, wie dies heute noch mit den Sool-Eiern geschieht. Diese Halloreugläser haben insofern ein allgemeines Interesse, als sie uns die Tracht, die Beschäftigung' und das Wappen der Halloren zeigen. Einst waren die Gläser des Fichtelgebirgs sehr beliebt, welche in ihrem großen Cylinder dem Berliner Weißbierglase gleichen: sie zeigen im Haupttheil die vier Flüsse Main, Eger, Naab und Saale und auf dem Gipfel einen Stierkopf., Auch diese Gläser sind auf Babelsberg vertreten. Endlich sei noch erwähnt, daß die Gläser von Babelsberg unter Anderem auch an den vielbekannten Alchymisten der Pfaueninsel erinnern, an den Geheimen Kammerdiener des Großen Kurfürsten Johann, Kimkel, der erst in sächsischen Diensten stand und später in Schweden als Bergrath den Namen Kunkel - Löwenstern erhielt. Auf der Pfaueninsel, die später durch „ drich Wilhelm III. so bekannt geworden ist, erfand der geheimnißvolle Chemiker mit dem 'romanhaften Leben, das Rubinglas. Künkel mußte jährlich für 50 Thaler Krystallund andere Gläser an die Kurfürstliche Kellerei abliefern. Er sagte von Friedrich Wilhelm dem Großen: „Der hoch- selige Herr Kurfürst war ein Liehaber von seltenen und kuriosen Dingen, und freute sich, wenn Etwas zu Stande gebracht wurde, was schön und zierlich war. Er hatte seine Glorie
von
Friedrich Wilhelm