Znteilige »z -Blatt der Stadt Frankfurt a. W
Verbundm Mit den ArKnkfurter TLaLrichten als Extrabeilage.
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(Expedittoni am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
J2 139 Dienstag dm 15. Juni 1869.
General v. Rochow damals, „er hätte ihm nur etliche Jahre mehr und graues Haar gewünscht; ob man gerade damit die Pläne des Prinzen durchführen kann, ist doch fraglich." Es ist das alles sehr charakteristisch für das Verhältniß, in welches einst König Wilhelm zu Bismarck treten sollte. Persönliches Wohlwollen in hohem Grade, aber Mißtrauen in dessen Jugend und Unerfahrenheit. Der Prinz von Preußen sprach seine Bedenken noch mehrfach aus, doch beruhigte ihn Rochow. Sonst behielt er Bismarck vorzugsweise gern bei sich, unterhielt sich länger mit ihm, fuhr mit ihm spazieren und ins Theater u. s. w. Der Prinz von Preußen bezeigte für Bismarck schon damals eine wirkliche Freundschaft, übernahm mich, als demselben im folgenden Jahre (2. August 1862) ein Lohn geboren wurde, Pathenstelle bei demselben. Bismarck's jüngerer Sohn heißt Wilhelm nach seinem königlichen Pathen, wenn er auch für gewöhnlich Bill genannt wird. Uebrigens hat es General v. Rochow, als er auf seinen Poften nach St. Petersburg zurückkehrte, offen ausgesprochen, daß von den Talenten und der Charakterfestigkeit seines Nachfolgers in Frankfurt Großes erwartet werden dürfe. Als Bismarck am 18. August 1851 zum Bundestagsgesandten ernannt worden war, miethete er eine Villa des jüngeren Rothschild von Neapel, welche etwa 15. Minuten vom Thore an der Bocken- heimer Chaussee dicht an der hessischen Grenze liegt; dieselbe, welche der Erzherzog Johann noch kurz zuvor als Reichsverweser bewohnt hatte. Im Garten wie auf der Freitreppe standen die prachtvollsten Blumen, man sagte, an Kamelien allein 1000 Stück. Es war das Haus Bismarck's, nachdem Frau von Bismarck mit ihren Kindern eingetroffen war, damals entschieden das gastfreieste Haus in Frankfurt. Gesellschaftlich trat er bald mit dem österreichischen Gesandten in das beste Einvernehmen. Graf Thun war ein vornehmer Cavalier, und seine schöne Gemahlin, eine geborene Gräfin Lamberg, wußte seinem Hause einen hohen Reiz zu verleihen. Auch mit Graf Thun's Nachfolger, dem bekannten Freiherrn Prokesch von Osten, dessen Haß gegen Preußen so wenig Geheimniß war, daß seine Ernennung zum Präsidialgesandten als eine gegen Preußen gerichtete Demonstration betrachtet wurde, wußte sich Bismarck ganz gut zu stellen, ohne Preußen das Geringste zu vergeben, was bei dem bekannten Charakter dieses im Orient vollkommen heimischen Diplomaten eben nicht leicht war. Viel freundlicher waren allerdings Bismarck's gesellige Beziehungen zudem Grafen Rechberg, welcher Prokesch später ersetzte. Von den übrigen Bundestagsgesandten standen mit Bismarck in näherer Verbindung: von ' cherff, der den König der Niederlande als Großherzog von Luxemburg vertrat, von Fritsch (Großherzog von Sachsen), von Bülow (König von Dänemark als Herzog von Holstein und Sauenburg), von
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 15. Juni. (Graf von Bismarck in , Frankfurt a. M. in den Jahren 1851 — 1859. *)] I In der ersten Zeit seiner Anwesenheit in Frankfurt wohnte Bismarck mit seinem Freunde, dem Grafen Lyn ar, zusammen und zwar in dem Hause des Kaufmanns Krug in der Hochstraße, dessen Gattin eine geborene Berlinerin war; für die Bundes-Acten mochte und konnte er wenig arbeiten, und General v. Rochow, der bekanntlich eine scharfe Zunge hatte, spottete nicht wenig über das späte Aufstehen Bismarck's, der indessen doch fleißiger war, als es so ohnehin den Anschein hatte, denn er führte einen sehr lebhaften Briefwechsel mit den politischen Freunden in Berlin, namentlich mit dem Wirklichen Geheimen Rath Freiherrn v. Manteuffel II. Bor Tisch pflegte er auszureiten, machte auch, um das Terrain zu son- bircn, Besuche an den benachbarten Höfen von Darmstadt, Biebrich und Carlsruhe, wo sein alter Freund v. Savigny damals preußischer Gesandter war. Ein eben so scharfer, oft schneidender Beurthciler von Personen, sowie feiner Beobachter oer keimenden Ereignisse, hatte Bismarck auf Wunsch oder unter Zustimmung Rochow's die unmittelbare Einwirkung der Presse in die Hând genommen. Die von ihm geschriebenen , oder doch veranlaßten Artikel machten Aufsehen, sie waren geistreich, schlagend, oft die Ausführungen d s Gegners völlig vernichtend. Das war seine eigentliche Thätigkeit damals, sonst wohnte er als homo novus in uiplomaticis den Vorträgen der Herrn v. Rochow bei, um den formellen Gang der Geschäfte und die äußere Tournüre der Diplomatie kennen zu lernen. Am 11. Juli 1851 kam der damalige Prinz von Preußen nach Frankfurt und wurde auf dem Bahnhöfe von sämmtlichen Mitgliedern der Bundestagsgesandtschaft, sowie von den Stabsoffizieren empfangen. Der Prinz war gegen Bismarck sehr wohlwollend, sprach aber doch auf der Fahrt nach dem Absteiaequartier gegen Herrn v. Rochow Bedenken darüber aus, daß dieser Landwehrlieutenant (Bismarck war in Uniform erschienen) Bundestagsgesandter werden solle. General v. Rochow aber, der klug genug war, Bismarck's Bedeutung nicht zu unterschätzen, wenn er sich ihm auch nicht immer freundlich zeigte, erwiderte: „Die Wahl ist gut, er ist frisch, kräftig, er wird gewiß allen Anforderungen Ew. K. Hoheit entsprechen!" Der Prinz konnte darauf nichts erwiedern, im Allgemeinen hatte ft gewiß die günstigste Meinung von dem ihm noch zu jugendlich dünkenden Vorkämpfer für das Recht und die Ehre Preußens. „Ich glaube," äußerte sich
*) Aus der zweiten Abtheilung de» Hefetiel'schen Buche» vom Grafen Bilmarck,