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Intelligenz-Blatt

der Stahl Frankfurt a. M., verbuudm mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage, ----w -^ --r- <C>‘> o— —. (Expedition : am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 135 Donnerstag den 10. Juni 1869.

die Worte des Hornes und Schmerzes darüber haben, die aber doch nicht dazu kommen, etwas zu thun, was den Dahinsturz aufhalten könnte." — Mit solchen Elementen, die keinen einzigen positiven Gedanken gemeinsam haben, und denen es außerdem an aller Thatkraft fehlt, welche durch eine fieberhafte Regsamkeit in Vereinen und in der Presse nicht ersetzt werden kann, führt man keine Sache zum Siege. Mit dem ewigen bloßen Verneinen ist überhaupt nichts zu gewinnen. Im Süden ist man so frischweg bei der Hand, Alles zu verurtheilen, was der Norden zur Befriedigung der nationalen Wünsche und Bedürfnisse thut und versucht. Nun gut, so zeige man, daß man es besser versteht, diesen Wünschen und Bedürfnissen gerecht zu werden, so verheimliche man nicht länger das Kunststück, wie man die Unabhängigkeit der Nation gegen mächtige Nachbarn aufrechterhalten, wie man die großen Aufgaben, die sich Deutschland g-setzt hat, lösen kann, ohne dem einzelnen Bürger irgend welche Lasten aufzuerlegen, oder ihn in seinem persönlichen Belieben im Mindesten zu beschränken. Von einem solchen Beispiel sich be­kehren zu lassen, würde Norddeutschland keinen Augenblick an­stehen. Oder man begründe wenigstens den S ü d b u n d, der das Räthsel lösen soll, wie man zugleich als Ganzes einen einheitlichen Willen betätigen und doch jedem einzelnen Gliede seine volle Selbstständigkeit lassen kann. Das sind doch gewiß Ziele, welche den Ehrgeiz einer strebsamen Partei, reizen müssen, und denen nachzustreben sie alle ihre Thätigkeit auf­wenden müßte. Hat die partikularistische Partei wirklich solchen Anhang, wie sie sich rühmt, so zeige sie hier ihre Macht und Schöpferkraft, und wenn sie Erfolg hat, werden wir die Ersten sein, die ihr Beifall zurufen. Bis dahin aber wird sie uns er­lauben, ihr Gerede von zunehmendem Einfluß für eines jener Agitationsmittelchen zu halten, mit welchen man den Muth der eigenen Partei aufrecht zu erhalten versucht, wenn man keine sichtbaren Erfolge aufweisen kann.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und1 materiellen Interessen.

Frankfurt, 10. Juni. Partikularistische Organe in unserer Nachbarschaft wissen neuerdings mancherlei von den Fortschritten zu erzählen, welche die antinationalliberale Stimmung in Süddeutschland mache. Die Thatsachen, die sie zum Beleg dafür anführen, sind freilich dürftig genug, und beweisen vielmehr, daß die antinationalen Parteien eher Anlaß haben, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, als daß sie An klang damit finden oder Aussicht auf Erfolg haben. Es ist über­haupt das Mißgeschick von Parteien, deren Hauptbetheiligung an der praktischen Politik im Agitiren besteht, daß sie den Lärm, den sie selbst in den Kreisen der Gesinnungsgenossen machen, und der über dieselben nicht hinausreicht, für Zu stimmung von außerhalb halten. Man glaubt wunderbar viel gethan und einen großen Fortschritt gemacht zu haben, wenn man eine Volksversammlung zusammen bringt, in welcher die Redner vom vorigen Jahre, den Zuhörern vom vorigen Jahre, die Phrasen vom vo rigen Jahre vortragen, und bringt man gar drei Volksversammlungen zusammen, in welchen immer wieder genau dieselben Gesichter figuriren und dieselben Reden gehalten werden, so bildet man sich ein, dreifach an Kraft und Anhang gewonnen zu haben, während man doch genau auf dem alten Fleck stehen geblieben ist. Nach der Sprache, welche gewisse Organe führen, sollte man allerdings meinen, daß ihre Partei allein schon die Lage in Süddeutsch­land beherrsche. Wie wenig dies in Wirklichkeit der Fall und wie schlecht es überhaupt mit den Aussichten der ver­schiedenen anttnationalen Parteien dort bestellt ist, darüber liegt uns ein sehr unverdächtiges Zeugniß in der „A. Allg. Ztg." vor, wo eine Feder, die mit Leidenschaft für Herstellung eines Südbundes und gegen den Anschluß an Norddeutschland kämpft, zu ihrem Schmerze bekennen muß, „daß zwar die ul­tramontane Partei mächtig, aber die Volkspartei in Bayern nicht groß ist, in Wurtemberg in der deutschen Frage gespalten, in Baden nicht organisirt sei. Außerdem sei das Mißtrauen gegen sie an maßgebender Stelle unheilbar. Die konservative' Partei dagegen bestehe aus einer großen Anzahl Beamter, die, durch die Schwachheit der Regierungen ver­führt, schon nach der künftigen Regierung schielen und nichts dazu Beiträgen werden, die jetzigen Regierungen vor dem Herabrutschen auf der schiefen Ebene zu bewahren; ferner aus der größeren Zahl der stets Vertrauenden, denen jede Regie­rung und jede Regierungshandlung recht ist, und die froh find, daß sie nicht gefragt werden; endlich aus denen, die über die Lage des Vaterlandes (daS soll heißen: über das Andrängen der nationalen Neugestaltung) unglücklich find,

AuS der Nähe.

* Offenbach, 4. Juni. Offenbach trifft zum Feste des 4. mittelrheinischen Bundesschießens, das vom 27. bis ein­schließlich 30. Juni d. J. stattfindet, die rührigsten Vorbe­reitungen. Die Schießhalle für 22 Scheibenstände ist vollendet. Die Festhalle für 540 Kontierte wird soeben zugeschlagen. Das Portal (Eingangspforte) wird ebenfalls eben aufgeschlagen. Das Wohnungscomite ist seit Montag in Thätigkeit und nach seinen bis jetzt erzielten Resultaten wird es an Frei quartieren nicht fehlen, dagegen könnte Mangel an Quartieren gegen Be­zahlung eintreten. Der Gabentempel hat 15 Fuß im Durch­messer und bildet ein Achteck. Ehrengaben sind bis jetzt noch