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Intelligenz-Blatt

der Stadl Frankfurt s. M.,

verbunbett mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21J

M 133 Dienstag dm 8. Juni 1869.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 8. Juni. Zur Geschichte der Depesche des Ministers Hohen'ohe, betreffs der von den europäischen Mächten gegenüber etwaigen Ausschreitungen des ökumenischen Concils zu unternehmenden gemeinsamen Schritte, welche wirklich anfangs März an die bayerischen Vertreter im Aus­lande abgesandt worden, wird bemerkt, das französische Kabi- net habe dem bayerischen Gesandten erklärt, es halte jede Kundgebung in Sachen des Concils für verfrüht. Interessant ist gleichzeitig die Beobachtung, welche sonderbare Rolle auch in dieser Sache Graf Beust spielt. Durch seine officiösen Blätter läßt er mittheilen, Fürst Hohenlohe habe überhaupt keinen officiellen Schritt in der Concilangelegenheit gethan; vielleicht habe er mit dem einen oder dem anderen der in München accreditirten Gesandten darüber gesprochen, aber Graf Beust werde doch deßhalb noch nicht in förmliche Ver­handlungen mit der bayerischen Regierung treten. Zu gleicher Zeit schickte aber Graf Beust an seinen Gesandten in München eine Depesche, worin er dem Fürsten ausdrücklich dazu gratu- liren läßt, daß er den Gedanken, die Regierungen zu einer gemeinschaftlichen Haltung gegenüber dem Concil zu veran- laffen, angeregt habe, und erklärt, daß er den in der Circular­note des Fürsten, welche auch in Wien vorgelegt worden, ausgesprochenen Anschauungen vollkommen beipflrchte. Man meint, dies Doppelspiel dadurch erklären zu können, daß Graf Beust für seine Person wohl gern etwas gegen Rom unter­nähme, aber mit Rücksicht nur die Stimmung bei Hofe sich nicht getraue. Gegenwärtig hat der Graf alle Hände voll zu thun mit dem Vicekönig von Egypten und dessen Project, den Suezkanal, zu neutralisiren. Die Idee soll ursprüng­lich von England ausgegangen sein und findet in Berlin, Wien und London die lebhafteste Zustimmung, da durch ihre Realisirung ein großer Fortschritt in der Civilisation gemacht würde. Frankreich soll jedoch merkwürdigerweise die Sache mit Mißtrauen betrachten, und wie Rußland darüber denkt, ist noch nicht bekannt. Daß der Vicekönig auf seiner „Bade­reise" nebenbei sich verschiedener anderer Schmerzen zu ent­ledigen bedacht ist, von denen Halbsouveräne in der Regel sich bedrückt fühlen, wird nicht ohne Wahrscheinlichkeit be-

hauptet, aber die Mächte dürften ihm schwerlich die gewünschte Naa, Herr Landrichter, s' werd Kaaner weh' abgeschnitte, mir Amputatton angedeihen lassen, um den kaum verkohlten Brand Hewwe vor e poor Johr emol an abgeschnitte, der is wirrer

stattgefunden. — Obwohl französische Journale das Gerücht von der zwischen Frankreich und Italien vereinbarten Revision des Septembervertrags und der Abberufung der französischen Occupationsarmee aus dem Natrimomum für unbegründet erklären, schreibt man doch der „Nationalzeitung" aus Florenz, daß sie Thatsache sei, und dieselbe Ansicht behauptet sich in Rom. Danach erwartet man sogar, dich Napoleon diese Abberufung seiner Truppen den neuen Kammern bei ihrem Zusammentritt ankündigen werde.—Die „Times" hat Einsicht von der diplo­matischen Alabama-Correspondenz genommen und bewundert England wegen des hohen Grcwes Son entgegenkommender Mäßigung, den es den amerikanischen F' cderungen gegenüber bewiesen habe. Die Aktenstücke beweisen klar, daß d:e Haupt­punkte der Convention, welche der Senat desavouirt habe, von amerikanischer Seite selbst propvMN und in den Ver­tragsentwurf ausgenommen wuiden. Die englische Regierung sei bis an die äußerste Grenze des Nachgebens gegangen, ohne etwas Anderem als übertrieben Forderungen auf der andern Seite zu begegnen.

Aus der Nähe.

* Friedberg, 6. Jovi. Uffere Stadt hat, wie uns mitgetheilt wird, für den 19 und 20. d. M. die Einquartie­rung des 11. preußischen Artill rier giments zu erwarten. Dasselbe trifft von Hungen kommend am 19. hier ein, hat am 20. Ruhetag und setzt am 21. seinen Marsch nach Homburg fort. Auch mehrere Orte der Umgegend tote Södel, Torheim und Oberrosbach sowie auf einer anderen Marschroute Ost­heim und Obermörlen werden gleichzeitig Einquartierung er­halten.

* Darmstadt, 2. Juni. Der langjährige Archivar der zweiten Kammer unserer Stände Witlemann ist in den Ruhe­stand versetzt und seine Stelle dem Registraturgehülfcn Dornseiff übertragen worden.

* Darmstadt, 5. Juni, vor eNiger Zeit erhängte sich im Neckarthale des OdenwaldeS ein Ta.löhner. Bei Ankunft der gerichtlichen UrkundsPerson fragte der Landrichter einen der die Leiche Bewachenden, warum sie den Erhängten nicht abgeschnitten, worauf die christlich motwirte Antwort erfolgte:

zu sich kumme und deshot' hernoch de qieeschte Lump im Ort gewwe, so daß 'n die GemaaH noch erhalle hott müsse.

.-—0-,.,^ .....3-a--------3........ * Darmstadt, 5. Jrm, Herr Ccmmerzienratb Fink

diplomatischen Spritzenmännern energisch bearbeitet; die erste ist nach Berlin zum Zollparlamrm, dem er bekanntlich ange- Sitzung der Commission, der Spritzenprobe zu vergleichen, hat! hört, abgereist.

im Orient nicht aufs Neue anzufachen.

Die letzte „brennende" Frage der Gegenwart, die belgisch- ftanzösische Eisenbahn-Angelegenheit, wird gegenwärtig von den diplomatischen Svrikenmännern eneraisch bearbeitet: die erste’