Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt s. M.,
Verbundm mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
--— —c—o <a> o G- —--
(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
J2 131 Samstag dm 5. Juni 1869.
nach der französischen Regierung gewiß nicht zur Beunruhigung gereichen kann, so ist es ferner von besonderer Bedeutung, oaß auch die Friedenspolitik derselben durch den Verlauf und den Ausfall der Wahlen die erfreulichste Bestätigung seitens des französischen Volkes gefunden hat. Die kaiserliche Regierung hatte ihrer friedlichen Politik grade kurz vor den Wahlen den feierlichsten und unumwundensten Ausdruck gegeben. Während nun diese friedliche Neigung und Stimmung bei den Wahlen überall Den bestimmtesten Anklang und Wiederhall gefunden hat, hat dagegen der Hauptvertreter der Kriegspolitik im gesetzgebenden Körper, welcher zugleich einer der erbittertsten Gegner der Kaiserlichen Regierung ist, der Abgeordnete Thiers, auch persönlich die empfindlichste Niederlage erlitten. Mit der Kaiserlichen Regierung darf daher Europa die jüngsten Wahlen in Frankreich als ein erfreuliches Ereigniß und als eine neue Bürgschaft des Friedens begrüßen.
Aus der Nähe.
* Höchst, 29. Mai. Heute mußte ein an der Kette liegender toller Hund schleunigst erschossen werden. Das hinterlassene Inventar: Hundshütte, Futtertrog u. s. w. ist den verzehrenden Feuerflammen übergeben worden.
* Bad Homburg, 2. Juni. Die Saison macht große Fortschritte und die Fremdenzahl steigt täglich. Die Saison wird sehr glänzend werden. Nächst Sr. Majestät dem Könige, der im August hierher kommt, wird auch der Herzog von Coburg-Gotha hier zur Kur erwartet.
* Hattersheim, 31. Mai. Den Herren Geschäftsreisenden, sowie Denen, die zum Vergnügen das Lorsbacher Thal besuchen, zur Nachricht: daß vom 1. Juni c. ab eine zweite tägliche Personenpost zwischen Hattersheim, Hofheim und Eppstein ins Leben tritt. Abgang aus Hattersheim 915 Morgens nach Ankunft des Eisenbahnzugs von Mainz und Wiesbaden um 856 und von Frankfurt um 98. Rückfahrt von Eppstein Nachmittags 5 Uhr zum Anschluß an den Zug 640 nach Frankfurt a. M. und 654 nach Mainz und Wiesbaden.
* Mainz, 2. Juni. Die Bilanz des Stadttheaters für die Saison 1868—69 ist nunmehr veröffentlicht. Nach derselben übersteigen die Ausgaben die Einnahmen um 2184 fl.
10 kr. Hierbei ist jedoch der Gehalt des Directors mit 3500 fl. eingerechnet, so daß dessen wirkliche Einnahme (nach Abzua)des Deficits) sich auf 1315 fl. 50 kr. belief.
* Wiesbaden, 1. Juni. In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai sind alle Baumstämme eines langen Laubenganges auf der Kapellenstraße von boshafter Hand durchge- schnitten worden. Es wäre sehr zu wünschen, daß eine städtische regelmäßige Nachtwache dergleichen Niederträchtigkeiten verhinderte.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 5. Juni. (Die Wahlen in Frankreich.) Die „Provinzialcorrespondenz" schreibt: In Frankreich haben soeben Neuwahlen zum gesetzgebenden Körper stattgefunden. Der Ausfall derselben hat von Neuem bestätigst daß die Kaiserliche Regierung sich der Zustimmung und des Vertrauens der weit überwiegenden Mehrheit der französischen Bevölkerung erfreut. Unter den bereits gewählten Abgeordneten sind 196, welche die Regierung zu unterstützen bereit sind, dagegen nur 26, welche sich als Gegner der Regierung bekennen. Etwa 60 Wahlen haben bisher keine bestimmte Mehrheit ergeben; sollte selbst die Hälfte derselben noch zu Gunsten der Opposition ausfallen, so würde diese in ihrer Gesammtheit kaum den fünften Theil des neuen gesetzgebenden Körpers ausmachen, mithin einen entscheidenden Einfluß auf die Beschlüsse derselben nicht zu üben vermögen. Der erneute Ausspruch des Vertrauens zur Kaiserlichen Regierung, welcher in diesem Gesammtergebniß der Wahlen zu finden isst hat um so mehr Gewicht, als demselben nunmehr bereits eine beinahe zwanzigjährige Erfahrung über das Streben der Regierung zu Grunde liegt, und als diese gerade in den letzten Jahren dem öffentlichen Geiste sowohl in der Presse, als in den parlamentarischen Verhandlungen eine größere Freiheit der Bewegung gewährt hat. Eine der bedeutendsten Erscheinungen bei diesen letzten Wahlen ist die fast vollständige Niederlage der Vertreter derjenigen Parteien, welche früher der bona- partistischen Regierung besonders gefährlich erschienen, derVer- treter der früheren dynastischen Parteien. Die Kais. Regierung wird in dieser Thatsache mit Recht einen Grund zn besonderer Genugthuung finden. Die gemäßigten Kreise der Bevölkerung werden aberin ihrer Zuwendung zur Regierung vollends durch den Ausfall der Wahlen in den großen Städten bestärkt und befestigt werden. In Paris sowohl, wie in einigen anderen Städten sind an Stelle der früheren oppositionellen Abgeordneten, Männer von der wüstesten revolutionären Richtung gewählt worden, durch deren Grundsätze, wenn sie zur Herrschaft gelangen könnten, nicht blos die jetzige Regierung, sondern die bestehende Gesellschaft in ihren höchsten Interessen erschüttert werden würde. Daß solche Wahlen in Paris zu Stande kommen konnten, ist an und für sich kein Beweis für die wirkliche politische Stimmung der einsichtigen Schichten der Bevölkerung. Der Eintritt einer solchen Opposition in den gesetzgebenden Körper aber wird der Kaiserlichen Regierung bei der Mehrheit der Versammlung sowohl, wie bei der Mehrheit der französischen Bevölkerung, viel mehr zu einer neuen Stütze, als zu einer Gefahr werden. Wenn der Gesammtausfall der Wahlen hier
i