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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

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(Expeditton: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21J

M 129

Donnerstag den 3. Juni

1869.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 8. Juni. (Das in Deutschland circu- lirende Staats- und Priv atpapiergeld.) An vom Staate emittirten beziehentlich garantirten Papiergeld sind in Umlauf in Preußen 18,250,000 Thlr. Kassenanweisungen und 2,228,000 Thlr. Darlehenscassenscheine, Sachsen 9,000,MO Thlr., Braunschweig 2,600,000 Thlr., Oldenburg 2,000,000 Thlr., Weimar 600,000 Thlr., Meiningen 1,049,996 Thlr., Gotha 400,000 Thlr., Coburg 200,000 Thlr., Altenburg 418,000 Thlr., Reuß-Greiz 130,000 Thlr., Reuß-Schleiz 320,000 Thlr., Anhalt Bernburg 500,000 Thlr., Schwarzburg-Sondershausen 500,000 Thlr., Schwarzburg-Rudolstadt 114,285 Thlr., im Ganzen 36,310,281 Thlr. Das schwarzburg-sondershausen'sche Papiergeld soll sich nach anderen Nachrichten nur auf 115,000 Thlr. belaufen und ist fürstliches Papiergeld. Außerdem hat in Süddeutschland Bayern feit 1849 3,000,000 fl. und 1866: 15,000,000 fl. creirt; Baden hatte 3,000,000 fl. und emittirte 1866 noch 3,500,000 fl., im Großherzogthum Hessen existirt Staatspapiergeld im Betrage von 4,3000,000 fl., mithin zu­sammen 28,800,000 fl., 16,457,100 Thlr. Die Bankausweise vom 31. Oktober v. I. über folgende Zettelbanken: a) in Norddeutschland: Berliner Cassenverein, Braunschweiger Bank, Bremer Bank, Breslauer städtische Bank, Danziger Privat­bank, Dessauer Landesbank, Frankfurter Bank, Geraer Bank, Görlitzer Bank für die Oberlausitz, Gothaer Privatbank, Hannoversche Bank, Homburger Landesbank, Kölnische Privatbank, Leipziger Bank, Lübecker Kommerzbank, Lübecker Privatbank, Luxemburger Bank, Magdeburger Privatbank, Meininger Bank, Pommersche Bank, Posener Provinzialbank, Preußische Bank, Sächsische Bank, Thüringische Bank, Wei­marische Bank; b) in Süddeutschland: die Süddeutsche Bank. Sie hatten zusammen einen Notenumlauf von 213,951,751 Thr. Außer den genannten Banken gibt es jedoch noch einige Zettel­banken, über welche neuere Nachweise bezüglich ihrer Bank- notenemissionen noch nicht vorliegen. Nach Angaben vom Schluß vorigen Jahres entnommen, hatte die Rostocker Bank 2,100,000 Thlr., die Bückeburger 500,975 Thlr., die Chemnitzer Stadtbank 220,000 Thlr., die inländische Hypothekenbank zu âutzen 550,000 Thlr., in Summa 3,370,975 Thlr. emittirt; Mrzu kommen noch die nassauische Laudesbank mit 8,835,677 fl., me bayerische Hypotheken- und Wechselbank mit 11,428,571 fl., 'n Summa 20,264,228 fl. = 11,579,570 Thlr. — An Staats- nnd Privatpapiergeld circulirt sonach in ganz Deutschland eine Summe von ca. 281,670,000 Thlr. Da nach der Volks­zählung von 1867 die ortsanwesende Bevölkerung von Ge- sammtdeutschland 38,712,778 betrug, so kommt auf den

Kopf der Bevölkerung noch nicht 7^2 Thlr., und berücksichtigt man, daß der Baarvorrath der Banken beinahe 128 Mill. Thaler beträgt, so kann man den effectiven Gesammtbetrag des circulirenden Papiergeldes auf nicht mehr als 153,7 Mill, oder 42/io Thlr. pr. Kopf veranschlagen.

Aus der Nähe.

* Bad Homburg, 29. Mai. Die Saison ist schon seit einigen Tagen in stetem Fortschreiten begriffen und der Fremdenstand ist sehr beträchtlich. In diesem Sommer sind uns besonders viele Kurgäste aus Oesterreich zugesagt, da im vorigen Jahre einige bedeutende Kuren an Wienern hier mit Erfolg gemacht wurden. — Die französische Theatergesellschaft des Palais royal wird im Juli fchon hier ihre Vorstellungen beginnen; im August folgen die der italienischen Oper.

* Groß-Umstadt, 28. Mai. Nicht alle Ihre Leser werden wissen, daß in der Gemarkung der hiesigen Stadt ein Wein wächst, dessen Qualität in besseren Jahrgängen den Produkten des sonnigen Rheines mittlerer Lage mindestens gleichkommt. Der größte Theil wird in der hiesigen Gegend consnmirt, nur ein geringer Bruchtheil geht nach auswärts. Zum erstenmal und zwar den nächsten Montag läßt eine hiesige Producentin größerer Quantitäten, gegen 60Ohm, selbstgezogenen Weines, aus den besten Lagen öffentlich versteigern und wollen wir hoffen, daß der edle Geist unseres Stachelbergs auch bei dem größeren Publikum die Anerkennung finde, die ihm in engeren Kreisen bislang unbestritten gezollt wird.

* D armstadt, 28. Mai. Der Kölner Männergesang­verein, der durch das Gute stets das Schöne fördert — und das Angenehme dabei nicht verschmäht, sang im vergangenen Sommer irgendwo jenseis der Mainlinie zum Besten eines Denkmals. Ein örtlicher Dichter hatte seinen Pegasus gesattelt und einen „Willkomm" verfaßt, der bei der Ankunft der Sänger nach Mendelsohn's Quartett „Wer hat dich, du schöner Wald" rc. gesungen werden sollte, und dessen Strophen mit den Versen endigten: „Zieht in unsre Stadt jetzt ein, Kölner Männergesang-Verein". Die Kölner kamen und die Andern sangen. Doch o Wunder! was kam zum Vorschein und zu Gehör? Der neue Text paßte so vortrefflich zu der bekannten Melodie, daß es bei der Stelle: „Lebe wohl! lebe wohl!" re. erklang: „Kölner Mä — Kölner — Mä! — Kölner — Mä — Kölner Mä! — Kölner Mä — Mä — Mä Kölner Mä—nner—sang—Verein!" — Und die Kölner waren sehr erbaut davon!

* Darmstadt, 31. Mai. Durch die Vorlage von Plänen für Erbauung eines neuen Gymnasiums dahier und Anfor­derung der dafür erforderlichen Summe von 139,000 fl. (wo-