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Intelligenz-Blatt der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expeditton: am H. Getstpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 127 Dienstag den 1. Juni 1869.

und mit einer sehr scharfen Schaufel beendet man die Operation! In Amerika, wo die Temperatur bisweilen sehr veränderlich ist, ist man in dem Augenblicke, wo man zum Ein­sammeln des Eises vorschreitet, sehr unruhig, weil durch ein plötzlich eintretendes Thauwetter das gewonnene Eis verloren gehen könnte. Auch bringt man hier das Eis so schnell als möglich in Eisgruben, welche eigentlich sehr große Refrigeratoren sind, aus Tannenholz hergestellt, mit doppelten Mauern, die 60 Centimeter von einander abstehen; dieser Zwischenraum ist mit Sägespänen gefüllt. In Norwegen, wo die Kälte constanter ist als in Amerika, verfährt man weniger eilfertig; aber das Eis wird hier mit denselben Vor­sichtsmaßregeln eingesammelt und man bringt es in Eisgruben, welche einen Vorrath für 2 bis 3 Jahre fassen können. Es erscheint fast ungereimt von zweijährigem Eis zu fprechen; gleichwohl aber ist ein großer Theil des Eifes, welches jetzt in England verbraucht wird, bereits zu Ende ves Jahres 1866 eingesammelt worden. Kehren wir jetzt zu der oben erwähnten Gesellschaft zurück, welche in ihren Bekanntmachungen die Prätention erhebt, allein reines Eis zu haben. Dies ist ein Irrthum, denn es gibt kaum einen Fjord in Norwegen, in welchem nicht ein Kauffartheischiff im Winter durch den Frost zurückgehalten würde, und in diesem Fall beeilt sich die Mann­schaft eine Ladung Eis einzusammeln, welche bei dem ersten günstigen Winde nach England gebracht wird. Die Fahrt er­folgt unter günstigen Umständen in vier Tagen. Fast die ganze Menge des eingesammelten Eises wird nach England gebracht; im Jahre 1865 wurden z. B. 45,593 metrische Tonnen Eis aus Norwegen ausgeführt und England erhielt davon 44,055 Tonnen. Die Zwischenräume zwischen den Eisblöcken werden mit rohem Eis ausgefüllt. Der Abgang während des Trans­portes nach den Eisgruben beträgt ungefähr 10pCt. Die Eis­blöcke werden dabei ebenso wie Steinblöcke behandelt; man wendet dieselben Hebevorrichtungen an wie bei diesen. Berück­sichtigt man die große Masse des Eises, welche transportirt wird, so wird man sich nicht darüber wundern, daß die Arbeit mit einer gewissen Sorglosigkeit ausgeführt wird, welche er­hebliche Verluste zur Folge hat. Nachdem man die Eisblöcke durch einen Krahn aus dem Schiffe gehoben hat, fchafft man sie auf Barken nach den Eisgruben. Dabei erleidet das Eis, indem es nur durch ein einfaches getheertes und schwarz an­gestrichenes Zelt gegen die Wirkung der Sonnenstrahlen ge- geschützt ist, wieder einen Abgang durch Schmelzen. Den ge- sammten Abgang, welchen das Eis erleidet, bevor es an den Großhändler gelangt, kann man zu 50 pCt. veranschlagen. Beim Einbringen des Eises in die Eisgruben legt manjzwischen die Blöcke Sägespäne. Ohne diese Vorsicht würde das Ganze wieder frieren und eine dichte Masse bilden, von welcher man

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 1. Juni. (Englisch-norwegischer Eishandel.) Man unterscheidet in England im Handel zwei Sorten von Eis, das sogenannte rohe oder inländische, welches von Leichen und künstlichen Wasserbehältern des Landes herstammt, und das ausländische Eis, welches haupt­sächlich zum Gebrauch für die Tafel dient. Die glänzenden, krystallähnlichen Eiswürfel, welche man in den Läden der Fischhändler Londons und vor den Fenstern der Wenham- Eiseompagnie sieht, stammen ausschließlich aus Norwegen her. Vor einigen Jahren bezog diese Compagnie ihr Eis wirklich von dem bei Boston in Nord-Amerika gelegenen Wenham- See, von welchem sie den Namen führt; aber die Fracht er­höhte den Preis des Eises so sehr, daß die Gesellschaft darauf bedacht fein mußte, ihr Eis aus einer näher gelegenen Gegend zu beziehen. Zwischen den einige Kilometer von Drobak am Christiania-Fjord gelegenen Hügeln befindet sich ein See, dessen sehr reines Wasser ausschließlich von den in der Um­gegend befindlichen Quellen herrührt. Die Compagnie hat diesen ganzen See angekauft und von dort wird alles jetzt in England verbrauchte Tafeleis bezogen. Man glaubt allge­mein, daß das Wasser beim Frieren von jeder fremden Materie ' befreit werde; dies ist aber nur zum Theil wahr; die minera­lischen Salze und die färbenden Stoffe, welche das Wasser enthalten kann, werden zwar beim Frieren aus demselben aus­geschieden, aber mit den organischen Materien ist dies nicht der Fall. Die Klarheit und Durchsichtigkeit des Eises ist da­her auch kein Beweis seiner Reinheit; man trifft Eiswürfel von merkwürdiger Klarheit an, welche beim Schmelzen dennoch ein Wasser geben, das einen schlechten Geruch besitzt. Man darf also nicht glauben, daß das Auge über die Reinheit dieses jetzt so wichtigen Zubehörs einer gut besetzten Tafel der beste Richter sei. Nachdem die Compagnie sich versichert hatte, daß das Wasser des erwähnten See's sehr rein sei, kaufte sie nicht nur diesen See an, sondern auch alle Pachthöfe in seiner Umgebung, um im Stande zu sein, jede Drainage und lebe Infiltration, welche die Reinheit des Wassers beeinträch- tigen könnte, zu verhindern. Das Verfahren zur Gewinnung des Eises stimmt mit dem in Amerika angewendeten überein. Man zieht zunächst mit einem Eispflug über die ganze Ober­fläche des gefrorenen See's parallele Furchen, welche 56 Centi- meter von einander stehen. Dann zieht man andere Furchen senkrecht gegen diese, so daß die Eisfläche nach dieser doppel­ten Arbeit einem Schachbrett gleicht, dessen Felder 56 Centi- meter Seite haben, bei ungefähr 30 Centimetern Höhe. Nun sührt man die Eissäge ein, um die Theilung zu bewirken,