Zutelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbundm mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 114 Samstag den 15. Mai 1869.
Überblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
dem Könige sich anschloß und wohl eine Stunde währte, muß Folgendes besonders hervorgehoben werden: Graf Bismarck erging sich zunächst in Klagen über Frankfurt und seine Presse. Ich habe mich dagegen bemüht, aus dem Verhältnisse von Frankfurt, als Sitz der Bundesversammlung, und aus den historischen Beziehungen der alten Reichs- und Krönungsstadt zu Oesterreich ein anderes Bild zu entwickeln, ich fand und nahm dabei Gelegenheit, manche Erdichtungen und Uebertreibungen in das rechte Licht zu stellen, und es fand damit dieser Gegenstand, der ja ohnehin nur einleiten sollte, seine Erledigung. Graf Bismarck theilte mir sodann mit, daß Oesterreich und Frankreich ihr Einverständniß damit erklärt hätten, daß Preußen eine Vergrößerung in und bis zu der Zahl von vier Millionen Seelen" sich aneigne. Graf Bismarck bemerkte dabei nicht, daß Hannover und Königreich Sachsen dabei in Betracht gezogen werden würden, wohl aber, daß die Einwohnerzahl der beiden Hessen, von Nassau und Frankfurt nicht zu vier Millionen hinaufsteigen. Frankfurt werde nicht an sich selbst herausgegeben, vielmehr von Preußen behalten werden. Frankfurt werde wohl thun, auf diesen Plan von Preußen entgegenkommend einzugehen. Es werde und solle in diesem Falle die privilegirteste Stadt in Preußen, weit privilegirter als Berlin werden und eine entsprechende Municipalverfassung erhalten. Es verstehe sich von selbst, daß Preußen eine Stadt, die es zu behalten gemeint sei, nicht werde ruiniren wollen. Die Kontribution von 25 Millionen, resp. 19 Millionen, solle da-
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Frankfnrt, 15. Mai. Das Juniheft der „Preußischen
Jahrbücher" bringt ein interessantes Aktenstück, welches die Unterhandlungen des im Juli 1866 vom hiesigen Senate, in
Folge telegraphischer Einladung S. M. des Königs von
Preußen als Unterhändler nach Nrkolsburg abgesandten Bürgermeisters Dr. Müller mit dem Könige und dem Minister
Bismarck enthält. Das Aktenstück lautet:
An hohen Senat gehorsamste Berichterstattung
des Senators und Syndicus Dr. Müller.
Den Auftrag, dem Rufe Sr. Maj. des Königs von Preußen zu folgen und mich ins Hauptquartier desselben zu begeben, wie solcher durch Beschluß hohen Senats vom 29. Juli L I. mir ertheilt worden ist, habe ich in der Weise erfüllt, daß ich um 30. Juli l. J. von hier abgereist, am Abend desselben Tags in Berlin eingetroffen bin, Berlin am31. Juli, Abends
II Uhr, wieder verlassen und unter Benutzung der Eisenbahn Morgens 4 Uhr am 1. August Görlitz erreicht habe, von wo ich im Wagen mit Courierpferden, nach 24stündiger Fahrt, m Morgen des 2. August in Pardubitz eingetroffen, von da aber unter günstiger Benutzung der Eisenbahn, an demselben Tage, Nachmittag 3 Uhr, im Hauptquartier, welches am Tage zuvor von Nikolsburg nach Brünn verlegt worden war, ungelangt bin. In der Sache selbst, um derentwillen Ruf «.v»^^»»v» w» .™ ÄU«™wl, und Auftrag ergangen waren, habe ich die Ehre, das Nach- her vorerst nur theoretisch aufrecht erhalten, nicht aber beige stehende zu berichten: Ich habe zunächst meinen Aufenthalt trieben werden.
in Berlin am 31. Juli benutzt, um den Ministern v. Werther, In hohem Grave überrascht, obgleich nach den Wahr- !Aaf Eulenburg, Graf Jtzenplitz und v. d. Heydt, außer diesen Inehmungen in Berlin, auf Aehnliches vorbereitet, nahm ich den idem Unterstaats-Secretär im Ministerium der auswärtigeninstand, sofort das Folgende zu erklären: Das Wort „Main- Angelegenheiten, v. Thile, und dem gewesenen preußischen linie" und die scharfe Betonung, welche dasselbe seit längerer Bundestagsgesandten, v. Savigny, persönlichen Besuch abzu-Zeit erhalten, habe in mir die Ansicht hervorgerufen, daß statten. Ich habe bei diesen Besuchen, da ich annehmen durfte,! Preußen die dermalige Action nur als den ersten Schritt, als daß die Entscheidung der Sache zur Zeit nicht in Berlin, ^eine Vorbereitung zu künftigen weiteren Actionen und Ansondern im Hauptquartier zu suchen war, nicht geklagt uub'uectirungen betrachte. Es sei dies eine persönliche Auffassung, supplicirt, ich habe einfach meine Person und deren Eigen-'auf welche ich eine bestimmte Erklärung nicht erwarten könne. Ichast als berufener Abgefandter zur Vorstellung gebracht,Sei diese meine Auffassung aber richtig, so scheine mir das habe auf vielfach gestellte Fragen mit möglichster Vorsicht ae-Eigene Interesse von Preußen zu gebieten, die großen und beantwortet, und ich glaube annehmen zu dürfen, daß der Er- deutenden Beziehungen, in welchen Frankfurt zu dem Süden ! folg dieses, unter Beirath kundiger Persönlichkeiten, beschlösse-!von Deutschland stehe, die Einwirkungen, welche ersteres auf !nen und streng beobachteten Verhaltens ein nicht ungünstiger letzteren, seiner Lage und seiner Bedeutung als Handelsstadt ! gewesen ist. Bei meiner Ankunft in Brünn stellte ich mich'nach, ausübe, in Betracht zu ziehen und wohl zu bemessen; sofort Sr. Maj. dem Könige vor und wurde von demselben, ^Frankfurt, wenn selbstständig erhalten, aber auch nur in diesem bei äußerst gnädiger Aufnahme, die jedoch rücksichtlich unsererFalle, könne int Interesse weiterer Pläne als Krystalisations- Stadt aus allgemeinen Aeußerungen sich nicht herausbewegen punkt mit besonderem Erfolge benutzt werden. Graf Bismarck ließ, an den Grafen Bismarck verwiesen. Aus der Unter- war durch diese Erklärung sichtlich betroffen und ich habe es sredung mit Graf Bismarck, welche sofort der Vorstellung bei daher gewagt, ihr auch in späteren Unterredungen mit dem