Intelligenz Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 103 Samstag den 1. Mai 1869.
zur Kenntniß einer fremden Regierung gelangen, für die sie nicht bestimmt ist. Es genügt nicht, daß man die Depesche selbst an sich bringt, um den Wortlaut derselben richtig deuten zu können, muß eben noch der „Schlüssel" dazu, der stets nur das Geheiinniß weniger Personen ist, beschafft werden. Es ist nun wohl in allen Ländern vorgekommen, zumal in Kriegs zeiten, daß eine Regierung sich auf Nebenwegen (durch Bestechung von Beamten, durch Verrath bei der Post- und Telegraphenverwaltung, durch Entwendung oder Kauf des Schlüssels zur Chiffreschrift u. dgl.) in den Besitz wichtiger Schriftstücke anderer Regierungen zu setzen gesucht hat. Wenn man solche Mittel während des Kriegszustandes nicht entbehren zu sönnen meint, so wird doch eine Regierung, welche auf die öffentliche Achtung Werth legt, ein solches Verfahren unter keinen Umständen offen zur Schau tragen. Daß aber vollends eine Re aieruna in tiefem Frieden in einem amtlich herausgegebenen Werke fremde Staatsichriften, auf deren Besitz und Gebrauch sie kein Recht hat, zuwelchen sie vielmehr nur auf dunkelen und nicht offen einzugestehenden Wegen gelangt sein kann, veröffentlichen läßt, — und daß dies benutzt wird, um eine Regierung, mit welcher man, nach sonstigen amtlichen Versicherungen, in Frieden und Freundschaft leben will, öffentlich zu verunglimpfen und zu schädigen, — ein solches Verfahren ist wohl schwerlich schon vorgekommen. Um jedoch diesen Zweck erreichen zu können, genügte es nicht, die unrechtmäßig erlangte Depesche einfach ab zudrucken, — sie mußte zuvor in wichtigen Beziehungen verstümmelt und entstellt werden. Die Depesche an und für sich enthält Nichts, was nicht in Bezug auf die Stellung unserer Regierung bei den Friedensverhandlungen aus den bereits veröffentlichten Aktenstücken, namentlich aus dem französischen Gelbbuche bekannt wäre: nur durch Verdunkelung und Entstellung konnte bei unerfahrenen Lesern vorübergehend der Schein er-
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 1. Mai. Die „Provinzial-Correspondenz" schreibt: Als der Generalstab der preußischen Armee im vorigen
Sommer sein wichtigstes Werk über den Feldzug von 1866 beschloß, da fügte derselbe der ebenso schlichten, lute gediegenen Darstellung des preußischen Siegeslaufes einen kurzen Rückblick ^auf die Friedensverhandlungen hinzu. Die Darstellung schloß mit der Andeutung, daß die dargebotenen Friedensbedingungen „die Möglichkeit künftiger Wiederherstellung eines freundschaftlichen Verhältnisses zu den früheren Bundesgenossen nicht ausschlossen." „Weder der Ehre noch der Macht Oesterreichs war eine Wunde geschlagen, welche eine unheilbare Feind-
K zwischen beiden Staaten nothwendig im Gefolge hatte.
t man mehr forderte, wenn eine glückliche Fortsetzung des Krieges mehr zu erzwingen erlaubte, so mußte ein Stachel zurückbleiben, den keine Zeit entfernt hätte. Den Bruch zwischen
Preußen und Oesterreich zu verewigen, konnte nicht im Interesse Deutschlands und Preußens liegen." So der preußische Generalstab, dessen Auffassung und Aeußerung in dieser Be üehung, wie Niemand bezweifeln konnte, zugleich der Ausdruck der Auffassung unserer Regierung war. Wie ist jene hochherzige Aeußerung von österreichischer Seite erwidert worden? Der österreichische Generalstab veröffentlicht seinerseits soeben den vierten Band seines amtlichen Werkes über den Krieg von 1866; noch ehe Hieser Band ausgegeben worden, ist in einem Wiener Blatte der Inhalt desselben mitgetheilt und als das Interessanteste daraus eine bisher nicht veröffentlichte Depesche des Grafen Bismarck ,an den preußischen Gesandten in Paris vom 20. Juli 1866 im Voraus abgedruckt worden, um daran die schärfsten Angriffe und Verdächtigungen in Bezug.............. ... ~„......
auf das Verhalten des Königs und unserer Regierung bei den weckt werden, als ob durch die jetzige Veröffentlichung des Friedensverhandlungen zu knüpfen. Die Depesche, um die es vertraulichen Schriftstückes eine „neue Enthüllung" über die sich handelt, war dazu bestimmt, dem preußischen Gesandten preußische Politik gegeben werde. Ein aufmerksamer Vergleich in Paris geheime Weisungen über die Absichten und Forde- der wirklichen Depesche mit den früher auch an dieser, Stelle rutigeu unseres Königs bei den Friedensverhandlungen zu veröffentlichten Mittheilungen über den Verlauf der Friedens - ?eben,■ Elchen bekanntlich der Kaiser Napoleon eine freund- Verhandlungen läßt erkennen, daß unsere Regierung über die iMstuche Vermittelung übernommen hatte. Die Mittheilung Gesichtspunkte und Ziele, welche sie damals festhielt und welche war daher eine ganz vertrauliche, und es war zu derselben in der Depesche vom 20. Juli 1866 angedeutet sind, seither oie geheimste Form gewählt, die es für solche Depeschen gibt: niemals ein Hehl gemacht hat, hierzu auch durchaus keinen sie war in geheimer Chiffreschrift abgefaßt, in welcher die Anlaß hatte, da sie sich dabei der vollen Zustimmung des
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