her Stakt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Na chrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 101 Donnerstag den 29, April 1869.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 29. April. In der Besprechung, welch« „Neue Freie Presse" dem vierten Bande des W«.____ : des österreichischen Generalstabes über den Feldzug von 1866 widmet, begegnet man u. A. der Behauptung, daß in dem ; Präliminarvertrage vom 26. Juli die Stipulation in Bezug auf die Stellung der süddeutschen Staaten, wie sie in Frankreich in dessen Vermittlungsproposition formulirt worden, nicht ausgenommen worden sei, sondern daß sie erst in dem Prager ; Friedenstraktste selber erscheine. Unterdessen hätte Preußen die Grantieverträge mit den süddeutschen Staaten abgeschlossen I und auf diese Weise die internationale Selbstständigkeit Süd- I deutschlands vorher weg escamotirt. Das ist eine Entstellung des Sachverhältnisses. Es ist sowohl in dem Präliminarvertrage vom 26. Juli, wie in den bereits am 14. Juli in Wien befürworteten ' französischen Vermittlungsvorschlägen, welche Oesterreich vorher schon angenommen hatte, die die süddeutschen Staaten betreffende Bestimmung enthalten. In den französischen Vorschlägen ist noch fogar der wichtige Nachsatz hinzugefügt: i Bunde und dem Südbunde
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stimmteren Ausdruck in Bezug auf ihren Zweck zu geben, ist von den österreichischeu Gegnern der Garantieverträge der Vorschlag wiederholentlich gemacht, eine Verbindung des pro- jectirten Südbundes mit Oesterreich durch die Anbahnung eines Protectorats desselben herzustellen. Diese Angaben sind nicht auf bloße Vermuthungen gegründet, sie haben einen realen Boden und sind durch die agitatorische Thätigkeit in der betreffenden officiösen Journalistik Deutschlands und Frankreichs gekennzeichnet. Die officiöse Journalistik sucht Süddeutschtand einzuschüchtern und als theils durch Frankreich, theils durch Oesterreich bedroht darzustellen. Die Neue Freie Presse, welche bei Besprechung des österreichischen Generalstabswerkes die bayerische Regierung mit rohen Schmähungen verfolgt und von bayerischer „Nichtswürdigkeit" spricht, betritt bereits diesen Weg. Möglicherweise ist dieser unerwartete Ueberfall einer Regierung, welche stets mit großer Rücksicht Oesterreich behandelte, die Folge verunglückter, österreichischer Finanzprojekte in München, denn Bayern sollte nach den Intentionen der „Wiener Gründer" in die Solidarität
der finanziellen Interessen Oesterreichs gezogen werden. Vielleicht hat cur r ‘ ""
ch die ungünstige Aufnahme der österreichischen Protektorats-Vorschläge, welche Bayerns Selbstständigkeit zu vernichten bezwecken, diesen Unmnth hervorgerufen." — Zum andern sagt der Berliner Correspondent: „Man forscht vergebens nach den Gründen, die gerade jetzt wieder in Wien jene Publikation veranlaßt haben, über deren Wirkung und Aufnahme in Berlin, die Urheber sich nicht täuschen konnten. Die Sucht, von sich reden zu machen, so wie ein angeborener Hang zu leichtsinniger Behandlung publicistischer Dinge genügen doch nicht zur Erklärung eines derartigen Verfahrens. Hat aber wirklich ein politisches Motiv diese militärisch-diplomatische, beziehentlich buchhändlerische Herausforderung bestimmt, so wäre man zu glauben geneigt, daß die Beziehungen zwischen Preußen und Frankreich, sowie Italien doch günstiger sein müssen, als sie von interessirten radicalen oder particularistischen Federn gewöhnlich dargestellt werden. Sonst würde man in Wien den Versuch, das Frankreich gegenüber sich anbahnende gute Einvernehmen zu stören und die freundlichen Beziehungen zu Italien zu lockern, nicht für nöthig erachten. Haben doch österreichische Correspondenzen erst in diesen Tagen zu verstehen gegeben, daß man tu Wien aus der letzten Friedensrede des Herrn vonLavalette eine bedenkliche Gleichgültigkeit Preußens
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„Die zwischen dem Norddeutschen _______ ..... _____ ___________
I aufrecht zu erhaltenden nationalen Bande werden durch eine i gemeinschaftliche Verständigung frei geregelt werden." Preußen I hat sich also in keiner Weise etwa durch eine Omission den Abschluß der Garantieverträge möglich machen wollen, um hinterher erklären zu können, daß kein Hinderniß dem Abschluß entgegengestanden habe. Es ergibt sich vielmehr aus der vor- ' stehenden Darlegung des Sachverhältnisses, daß schon in den I französischen Vorschlägen von der nationalen Verbindung, ? die zwischen Nord und Süddeutschland aufrecht zu erhalten sei, die Rede gewesen ist. Daß aber die Garantieverträge eines der nationalen Bande bilden, welche dort in Aussicht genommen, wird Niemand bestreiten können. Was dann die Entrüstung betrifft' mit welcher sich die „Neue Freie Presse" darüber äußert, daß Bayern in Nicolsburg für den Fall, daß es den District von Ansbach und Bayreuth an Preußen abtreten müsse, das österreichische Innviertel in Anspruch genommen habt, — eine Behauptung, deren Richtigkeit dahingestellt bleibe — so ist zu einer solchen Entrüstung wohl kein rechter Grund vorhanden, da Oesterreich, wie man weiß, seinerseits, als es sich um die Abtretung Venetiens ^uitbelte,! «ycim mn ucvunnwjv smvicygumyi.cn. ipccuyöud
für diesen Fall eine Entschädigung aus bayerischem Gebiet gegen die angeblichen Gefahren, von denen Belgien bedroht dmnspruchte." — Ueber die hier besprochene Frage wird der sein soll, herausgelesen habe. Jene Gefahren existiren selbstver- „Köln. Ztg." noch weiter von verschiedenen Seiten aus Berlin stündlich nur in' der österreichischen Einbildungskraft. Nichts ßblchneben. Einmal heißt es: „Um dieser Politik (nämlich nimmt sich ohnehin komischer aus, als wenn die Oesterreicher ^Beweises, daß die Bündnisse mit den süddeutschen Staaten über eine Annäherung zwischen Preußen und Frankreich den vurch den Prager Frieden ungültig geworden seien) einen be- Kopf schütteln und patriotische Beklemmungen auf einem Punkte