Intelligenz- Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasie 21.)
M 93 Dienstag den 20. April 1869.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen nnd materiellen Interessen.
„Fata Morgana" rasch zu den Pyramiden des Cheops jenen steinernen Erinnerungen an eine untergegangene Zeit die in der geheimnißvollen Dämmerung des grauen Alterthums sich verbirgt. Wir wandeln nach dem lieblichen Theben, zu den tönenden Memnonssäulen; von da führt uns ein Zaubermantel nach Toledo in Spanien und in die interessante Promenadehalle des Alkazar. Schließlich treten dieklassischen Werke der antiken und der modernen Bildhauerkunst vor uns hin, in einer Vollendung, Plastik und Schärfe, die allgemeines Staunen erregen. Alles, was wir sehen, ist so neu, so in jeder Beziehnng großartig und schön, daß wir uns zur leb- lebhaftestey Bewunderung hingerissen fühlen. — Herr Professor Dr. Herzberg, der berühmte Director der Handelsschule in Bremen, sagt über diese Darstellungen: „Den Eindruck wiederzugeben, welcher uns gefangen nimmt, wenn, gleich einer Fata Morgana, rn gedrängter Aufeinanderfolge der hervorragendsten Perlen einer kaum geahnten Welt aus alten Perioden der menschlichen Culturgeschichte in der greifbarsten Plastik vor unserm Auge emporstergen, ist nicht möglich. Wenn irgend etwas zu sagen, so ist es der großartige, überwältigende Reichthum der Erscheinungen, der sich unseres Denkens beim Anschauen bemeistert. Statt aller enthusiastischen Ergüsse genüge daher das Urtheil eines ebenso gelehrten wie feinsinnigen Kenners der Archäologie, des Prof. Dr. Bethmann (Bibliothekars in Wolfsbüttel), der die großen Museen Europa's und als Theilnehmer der Lepsius'schen Expedition die Monumente Epyptens und Nubiens aus eigenem gründlichem Studium kennt. „Was ich", sagt er, „von diesen Ansichten und den antiken Statuten aus eigener Anschauung kenne erscheint hier so treu und mit solcher Naturwahrheit wiederaegeben,—da die Darstellungen durchweg Photographie, nicht Zeichnung, daß selbst die besten Abbildungen an Treue und vor Allem an Wirkung dagegen verschwinden. Sie geben in ihrer chronologischen Reihefolge einen Cyclus nicht blos mannigfacher Unterhaltung, sondern in sich zusammenhängender, sich unvergeßlich einprägender Belehrung und Anregung, namentlich dadurch, weil sie neben den Formen auch die Wirkung Der dargestellten Gegenstände uns zu verdeutlichen im Stande sind. Zumal thun das die egyptischen, deren fremdartigen, ergreifenden Eindruck in seiner ganzen Gewaltigkeit ich noch nie so gut wiedergegeben sah. Was müßte sich mit solchen Hülfsmitteln für den Unterricht, den niedern, wie den höheren, erreichen lassen!" Eben Gesagtem geben die Autoritäten für Kunst und Wissenschaft in Dresden, Leipzig, Braunschweig, Hamburg, Kopenhagen, Stockholm und Christiana ihre volle Zustimmung. Es ist nicht allein die Neuheit der Weise, sagen
Frankfurt, 20. April. (Die Darstellungen der
„FataMorgana" und Tempel Egyptens im großen
Saale des Saalbaues.) Wir halten es für Pflicht,
unsere Leser auf die interessanten Darstellungen aufmerksam zu machen, die wenn auch nur in sehr bescheidener einfacher
Weise in den hiesigen Blättern angezeigt, uns seit Sonntag jeden Abend von 7—9 Uhr im großen Saale des Saalbaues vorgeführt werden, und die in der That so spannend und be lehrend sind, und einen so imposanten, mächtigen Eindruck auf die Besucher derselben machen, daß sie erstaunt über den großartigen Anblick zur lautesten Bewunderung, zum enthusiastischsten
Beifall hingerissen werden. Wir sind überzeugt, daß Jeder, der sich in Frankfurt für Schönes und Interessantes zu erwärmen vermag, diese großartigen Vorstellungen besuchen wird, denn man kann kühn, und ohne zu übertreiben, behaupten, daß in dieser Weise hier in Frankfurt noch Nichts gesehen worden ist. Wir treten in den großen Saal ein, und vor unseren erstaunten Augen ziehen in wahrhaft gigantischem Maßstabe, in der ganzen Höhe des Saalhintergrundes i die kunst- und kulturhistorischen Werke der Architektur und
Skulptur von der ältesten brs zur neuesten Zeit in solcher
I Größe der Formen, Wahrheit, Farbenfrische und Lebendigkeit an uns vorüber, daß wir jeden Augenblick in diese bemoosten Hallen, in diese ehrwürdigen Tempel, in diese belebten Straßen, in diese mondscheinbeleuchteten Kreuzgänge und Klosterräume eintreten zu müssen glauben. Hier ist Natur, Wirklichkeit ; und Leben durch die seltenste Vereinigung von Optik, mikroskopischer Vergrößerung und getreuester photographischer Aufnahme, nach einem ganz neuen Systeme, in solcher Frische vorhanden, daß man rn wenigen Stunden ruhig und behaglich auf seinem Stuhle sitzend, die seltensten Bauwerke, Tempel und Gegenden des alten und neuen Egpptens und anderer Länder durchwandelt. Alles was Kunst und Natur an Schönem I und Großartigem in Sicilien vereinigt, sieht man in reichster ! Fülle vor sich hingezaubert; wir landen im Seehafen von i Palermo, betreten den berühmten Prätoriaplatz daselbst, urrt den von Marmorstatuen umgebenen Bassins, treten in 1 den alten Klosterhof Monreale ein, bewundern die prachtvolle Klosterkirche mit ihren reichverzierten, schlanken Säulen, i Md besuchen schließlich die Kathedrale in Palermo, das reichste * Md schönste Bauwerk der italienischen Gothik. Die Täuschung i M der That so groß, die gigantischen Formen treten so
W P uns hin, daß wir nicht mehr im Saalbau zu sein y^n»...^^ ~„ ... ^»j. —.... w ^^^ w«. ^^, |u^„ L chudern uns wirklich in den Kirchen, mitten unter sie, in der uns die Darstellungen gegeben werden, auch nicht ven Gläubigen, zu befinden wähnen. Von da führt uns die allein das Vergnügen, das sie uns beim Anschauen ge-